Lawinenabgang in Hotel-Nähe: Verschüttete in Tirol

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Befürwortet die Umbenennung in „Christoph-Probst-Mittelschule Murnau“: Rektor Markus Köpf. Foto: seiler

Christoph Probst - ein Vorbild für die Jugend

Murnau - Noch ist nichts entschieden, aber Murnaus Mittelschule ist auf einem guten Weg, mit Christoph Probst (1919 bis 1943) einen prominenten Widerstandskämpfer während der Zeit des Nationalsozialismus zum Namenspatron zu küren.

„Ich fände das sehr schön“, sagt Rektor Markus Köpf. „Das wäre eine große Ehre und Verpflichtung“. Aber die Entscheidung müsse die ganze Schulfamilie treffen. Der Pädagoge spricht von einer „herausragenden und beeindruckenden Persönlichkeit“, die für Mut, Zivilcourage, Toleranz, Verantwortungsbereitschaft und Mitmenschlichkeit stehe - Werte, die gut zu einer Bildungsstätte passten.

Probst, ein gebürtiger Murnauer, schloss sich Anfang der 1940er Jahre der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um die Geschwister Scholl an und bezahlte dies mit seinem Leben. Am 22. Februar 1943 wurde er von den Nazis hingerichtet. Im Markt nehmen seit einiger Zeit die Bemühungen zu, Probst stärker zu würdigen. So fand kürzlich eine Gedenkfeier statt, nächstes Jahr soll ein Denkmal in Form von Schrifttafeln aufgestellt werden (wir berichteten). Die „Christoph-Probst-Mittelschule Murnau“ wäre die dritte Bildungseinrichtung in Deutschland, die nach dem Medizinstudenten benannt ist. Bislang gibt es die Christoph-Probst-Realschule in Neu-Ulm und das Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching.

Rektor Köpf, der in der Sache zu einem Pressegespräch eingeladen hatte, spricht vorsichtig von einem „ergebnisoffenen Prozess“. Probst sei als potentieller Kandidat für eine Namensgebung „ins Auge gefasst“ worden. Hierzu fand bereits eine Ausstellung der Gedenkstätte „Weiße Rose“ statt. In einem nächsten Schritt ist für Mitte Dezember eine fächerübergreifende Projektwoche geplant, um den Kindern und Jugendlichen die Person Probst und den historischen Hintergrund näherzubringen. Bis Anfang Februar 2015 soll dann das Schulforum - bestehend aus Schulleitung, Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern - festlegen, ob Probst Patron wird oder es beim bisherigen neutralen Titel „Mittelschule Murnau“ bleibt. Einer Namensänderung müssten die Gemeinde als Sachaufwandsträger und die Regierung von Oberbayern zustimmen.

Dieser Schritt wäre der Abschluss eines bemerkenswerten Kapitels. Die Lehrstätte hieß nämlich von 1979 bis 2011 Max-Dingler-Hauptschule - was immer wieder zu Kritik führte. Denn der Zoologe, Naturschützer und Mundartdichter Dingler (1883 bis 1961) war 1923 am Hitlerputsch beteiligt und Mitglied der NSDAP. Er gründete nach eigenen Angaben sogar die Murnauer Ortsgruppe. Im Sommer 2011 flammte die Debatte erneut auf - und blieb nicht folgenlos. Per Eilverfahren wurde der Name Max Dingler gestrichen - und die Bildungseinrichtung in „Mittelschule Murnau“ umbenannt. Köpf, der damals noch nicht Leiter war, hält sich dazu bedeckt. Er habe den Fall nur aus der Ferne verfolgt, erklärt er. Aber die rasche Namensänderung spreche für sich.

Den Stein ins Rollen brachte 2011 unter anderem der Kaufbeurer Lehrer und Publizist Jakob Knab, der sich auf dem Gebiet der Vergangenheitsbewältigung engagiert. Schon damals schlug er Probst als Namensgeber vor. Für Knab steht fest: Die heutige Jugend brauche „glaubwürdige Vorbilder“. Ein solches sei zweifelsfrei Probst, den er für einen „wahrhaft edlen Menschen“ hält. Denn: „Unsere Grundwerte sind Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde. Christoph Probst opferte dafür sein Leben.“ (as)

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