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Das Team: (v.l.): Stephanie Renner, Andreas Nägele, Annette Klawitter, Alfons Wagner, Anissa Wagner und Ralf Menken. Nicht auf dem Bild: Marion Köhler.

25 Jahre Suchtberatungsstelle Condrobs 

Spiele-Sucht zunehmend ein Thema 

Sie haben jede Menge zu tun. 297 Menschen haben allein im Jahr 2015 regelmäßig Kontakt zu den sechs Mitarbeitern der Suchtberatungsstelle Condrobs in Murnau gehalten. 75 Prozent davon mit Alkoholproblemen. Aber auch das Thema Internet-, Online- und PC-Spiele-Sucht nimmt einen immer größeren Raum ein. Die Einrichtung gibt es nun seit 25 Jahren.

Alkohol- und Drogensuchtprobleme? Von denen weiß man einfach, dass es sie gibt. Was Alfons Wagner, dem Leiter der Murnauer Suchberatungsstelle Condrobs e.V., einer Nebenstelle der Suchtberatung Garmisch-Partenkirchen, aber Sorgen bereitet, ist die Entwicklung in der Internet-, Online- und Spielesucht. „Das wird uns die nächsten Jahre und Jahrzehnte noch sehr fordern. Es gibt immer mehr junge Menschen, die hier keine Grenzen mehr kennen“, ist Wagner überzeugt. „Gerade auch in Hinblick auf die Attentate in jüngster Zeit, die teils ja auch in Verbindung mit übermäßigem Killer-Spiele-Konsum gebracht werden.“ 

Seit drei, vier Jahren bemerkt man, dass derart Betroffenen von Schulen oder Eltern geschickt werden, manche kommen auch ganz von allein, weil sie selbst erkennen, dass ihr Verhalten Suchtcharakter aufweist. „Das sind Menschen, meist jüngere, die unter der Woche pro Tag teils sieben, acht Stunden an ihren Geräten sitzen, an Wochenenden dann bis zu 14 Stunden. Damit kommen sie in riesen Schwierigkeiten, in Beruf und in Schule. Außerdem droht die Gefahr, sozial und emotional zu verarmen.“

 28 suchtabhängige Menschen aufgeteilt in zwei so genannten ambulanten Reha-Gruppen betreuen die sechs Mitarbeiter von Condrobs, die Sozialpädagogen Alfons Wagner, Ralf Menken, und Andreas Nägele, die zwei Diplom-Pädagoginnen Annette Klawitter und Anissa Wagner sowie die Verwaltungskraft Stephanie Renner, zur Zeit. Ziel der Therapien sei es, dass die Menschen wieder ein gesundes Maß für sich finden, sei es beim Alkohol-, Drogen- oder aber beim PC-, Internet- und Fernseh-Konsum.

 Zu diesen ambulanten Therapien samt Nachsorge kommen an Arbeitsbereichen auch Fortbildungen und Projekte im Bereich Prävention an Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, Jugendsozialarbeit, Beratung und Begleitung von Betroffenen und Angehörigen sowie Betreutes Einzelwohnen dazu. Insgesamt wurden beispielsweise im vergangenen Jahr 297 Menschen von Condrobs betreut. „75 Prozent davon mit Alkoholproblemen“, sagt Wagner, „im Schnitt sind sie 40 Jahre alt.“ Seit 2013 sei diese Zahl relativ konstant geblieben, sagt Wagner, zuvor habe sich die Anzahl pro zehn Jahre verdoppelt. Den Grund dafür sieht er darin, dass die Gesellschaft offener mit Suchtproblematiken umgeht. „Früher war das ein Tabu-Thema. Da hat man sich geschämt, solche Beratungen als Dienstleistung in Anspruch zunehmen“, sagt der 51-Jährige. „Heute ist das Gott sei Dank kein großes Thema mehr.“ 

Ein rasanter Aufstieg also in den vergangenen 25 Jahren für eine Fachstelle, die quasi als Ein-Mann-Betrieb in einem Raum am Burggraben 1991 begann und sich heute mit ihren sechs Mitarbeitern in größeren und modernen Räumlichkeiten an der Reschstraße 1 in Murnau befindet. Die Suchtberatungsstelle Condrobs ist von Montag bis Freitag unter der Telefonnummer 0 88 41/62 85 50 erreichbar.

Michaela Sperer

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