+
16 Auftritte an 16 Wiesntagen: Dieses Pensum absolviert die Band Dreisam um Rupert Furtner seit fünf Jahren.

Corona: Situation ist „existenzbedrohend“

Wiesn-Absage trifft Peaches-Inhaberin und Band Dreisam hart

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
    schließen

Das Oktoberfest ist abgesagt. Wegen Corona. Das trifft auch die Band Dreisam und das Peaches in Garmisch-Partenkirchen. Seit vielen Jahren sind sie auf der Wiesn vertreten. Eine weitere Hiobsbotschaft in einer ohnehin existenzbedrohenden Lage.

Seit über 30 Jahren ist die Peaches Cocktailbar auf dem Oktoberfest vertreten.

Garmisch-Partenkirchen – Bis zuletzt hatte Peter Messerschmitt gehofft. Zumindest ganz leise. Darauf, dass bis September vielleicht alles wieder einigermaßen normal laufen könnte. Dass das Oktoberfest stattfindet. Dass man nach der traurigen Corona-Zeit endlich wieder groß feiern darf. Dass die Menschen zusammenkommen – er und seine Tochter Miriam mittendrin. Seit über 30 Jahren betreibt der Unternehmer aus Garmisch-Partenkirchen seinen Peaches-Cocktailstand auf der Wiesn, seit 2009 ist auch seine Tochter mit „Miri’s Hütten“ in der Schaustellerstraße vertreten. Seit gestern wissen beide: 2020 werden sie ihre zwei je fünf mal fünf Meter großen Bars nicht aufstellen, sie werden ihre jeweils 20 Mitarbeiter nicht beschäftigen. Sie werden keine Gewinne einfahren. Das Münchner Oktoberfest findet nicht statt. Abgesagt wegen der Corona-Pandemie. 

Lesen Sie auch: Das Oktoberfest 2020 wurde Coronavirus-bedingt abgesagt. Toni Roiderers Hacker-Zelt auf der Wiesn wird es also heuer nicht geben. Der Wirt nimmt‘s mit Fassung.

Oktoberfest eine wichtige Einnahmequelle für Peter und Miriam Messerschmitt

Man könnte nun sagen: Die Gastronomen sparen sich auch hohe Ausgaben. Etwa 200 000 Euro kosten Peter Messerschmitt die gut zwei Wochen. Etwa 150 000 Euro investiert Miriam Messerschmitt. Liebend gerne würden die beiden das Geld – Platzmiete fällt dabei kaum ins Gewicht – in die Hand nehmen. Die Wiesn rechnet sich. Peter Messerschmitt (71) nennt keine Zahlen, sagt nur: „Ohne das Oktoberfest könnten wir im Jahr vieles nicht machen.“ Auch kaum beziehungsweise deutlich weniger Rücklagen bilden. Die werden nun gebraucht.

30 000 Euro Fixkosten fallen für die Messerschmitts aktuell jeden Monat an für den Gastronomie-Komplex mit Peaches, Musikcafé, Pizzeria Andiamo und das Casino am Marienplatz in Garmisch-Partenkirchen. Miete wird keine fällig, dafür will ein Darlehen an die Bank für die Immobilie bedient werden. Die Kreditrückzahlung zumindest konnte Messerschmitt aussetzen. Doch kommt auch so vieles zusammen, unter anderem stockt Geschäftsführerin und Inhaberin Miriam Messerschmitt (35) die Kurzarbeit der 20 Festangestellten auf. Das alles bei null Einnahmen. Peter Messerschmitt, der sich um die Verwaltung der Gastronomie GmbH kümmert, beschönigt nichts. „Die Lage ist existenzbedrohend.“

Dreisam: Bandmitglieder leben überwiegend von der Musik - viele Auftritte gestrichen

Ähnlich formuliert Rupert Furtner die Situation. Der Altenauer ist Schlagzeuger bei Dreisam, übernimmt zudem das Management und koordiniert die Termine der Band. Zum sechsten Mal stand das Oktoberfest im Kalender. 16 Auftritte an 16 Wiesn-Tagen im Zelt Goldener Hahn waren geplant. Jeden Abend Dreisam zwischen 18.30 und 23 Uhr. Nicht in diesem Jahr. Termin gestrichen. Und das trifft die Bandmitglieder hart. Sie leben hauptsächlich von der Musik. Furtner ist zudem geringfügig beim Fonds- und Versicherungsshop in Farchant angestellt, zwei halbe Tage pro Woche. Dort konnte er nun immerhin ein wenig aufstocken. Einer seiner Bandkollegen hat keinen Zweitjob. Er bewarb sich nun bei der Post als Paketfahrer.

Seit fünf Jahren spielt Dreisam auf der Wiesn. Sie hat damit geschafft, was zahllose Bands unbedingt erreichen wollen. Einnahmen durch die Auftritte – Konkretes verrät Furtner nicht – sind das eine. „Freilich lohnt sich das.“ Hinzu kommen Prestige und Kontakte. In einem kleinen Zelt lerne man die Besucher kennen. So kommt Dreisam mit Firmenkunden in Kontakt, die die Band für ihre Veranstaltungen buchen. „Davon profitieren wir das ganze Jahr.“ Jetzt kommt nur eine Absage nach der anderen. Um die 50 bis 60 Termine, schätzt Furtner, fallen schon weg. Bis jetzt. Weitere dürften folgen. Mit der Wiesn-Absage hat Furtner gerechnet. Doch hoffte er lange, dass das Musikgeschäft zumindest in diesem Jahr wieder anläuft. „Jetzt gehe ich davon aus, dass wir in diesem Jahr keinen Ton mehr spielen werden.“

„Irgendeinen Weg findet man schon“: Zuversicht trotz Corona und trotz Oktoberfest-Absage

Furtner will nicht jammern. Er und seine Familie seien gesund. Er lebt nicht in einem Plattenbau in Berlin – „puh, Kopfschuss“ –, sondern „da, wo es schön ist“. Und überhaupt: „Irgendeinen Weg findet man schon.“

Es wird weitergehen, daran glaubt auch Miriam Messerschmitt überzeugt. Deshalb nutzt ihr Team die Zeit für ein paar Renovierungsarbeiten. Allzu lange aber überlebt auch ihr Betrieb die Schließung nicht. Ihr Vater hat eine Frist gesetzt. „Wenn wir zum 1. Juni nicht wieder aufsperren, brauchen wir gar nicht mehr aufzusperren.“

Das könnte Sie auch interessieren: 

Corona: Ohlstädterin erlebt Zeit der Pandemie auf Campingplatz in Marokko

Auch interessant

Kommentare