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Kein Warten auf das Lockdown-Ende: Ende der Ski-Saison beschlossen - „Tut brutal weh“

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Von: Christian Fellner

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Das war es mit der Skisaison in Garmisch-Partenkirchen: vorzeitig beendet wegen Corona. Bei der Zugspitzbahn hofft man auf Öffnungen für Wanderer und Tagestouristen.

Garmisch-Partenkirchen - Aus, vorbei. „Es wird zamg’ramt“, sagt Matthias Stauch im besten Bairisch. Die erneute Verlängerung des Lockdowns hat die Bayerische Zugspitzbahn AG zu einem drastischen Schritt veranlasst: Der Vorstand sagte die Skisaison im Classic-Gebiet von Garmisch-Partenkirchen am Donnerstag endgültig ab. Im Klartext: Zwischen Hausberg und Osterfelderkopf wird in diesem Winter kein Lift mehr laufen, kein Skifahrer auf einer präparierten Piste seine Schwünge ziehen.

Kommt eine Öffnung nach dem Corona-Lockdown, will man sofort aufsperren

„Das tut brutal weh, vor allem in einem solchen Winter, an dem wir vom 15. November weg eigentlich optimale Bedingungen hatten“, räumt Stauch ein. Eine letzte Hoffnung gibt es für die Zugspitze. Sollte es von der Regierung grünes Licht für eine Öffnung geben, wird das Unternehmen sofort aufsperren. „Egal ob mit oder ohne Skibetrieb.“ Der ist auf Deutschlands höchstem Berg in der kalten Jahreszeit teilweise nicht mehr so entscheidend: „Im Winter über Weihnachten sind im Normalfall schon 70 Prozent Fußgänger oben.“

Die Zugspitzbahn blickt im Grunde auf eine sehr erfolgreiche Dekade zurück. „Wir haben sehr gut gearbeitet.“ Schulden wurden abgebaut. Das Unternehmen schrieb dauerhaft schwarze Zahlen, fuhr Gewinne ein. „Wir haben ein gutes Eigenkapital, konnten schöne Rücklagen bilden.“ Um eben weiter an der Qualität feilen zu können, um in die Infrastruktur zu investieren. Ein neuer Kreuzwankllift etwa oder ein neues Gebäude beim Betriebswerk in Grainau sind Projekte, die auf dem Wunschzettel oben stehen. Doch: Dieser Winter hat der BZB einen gehörigen Dämpfer versetzt. „Jetzt gibt es nur das Pflichtprogramm“, sagt Stauch deutlich. Um die Verluste aufzufangen, müssen die Rücklagen angepackt werden. „Das schmerzt.“ Es führt aber kein Weg daran vorbei. „Dieser Winter wird nicht ohne Folgen bleiben.“

Bei der Zugspitzbahn fürchtet man eine dritte Corona-Welle

Wie hoch das Defizit ausfallen wird, vermag Stauch derzeit nicht abzuschätzen. „Das wären alles nur Wasserstandsmeldungen“, sagt er. Diese will er nicht herausgeben. „Alles hängt vom Startzeitpunkt ab.“ Je später das Sommergeschäft 2021 beginnt, desto schlechter. Und eines darf auf keinen Fall passieren: eine dritte Corona-Welle mit weiteren Ausfällen.

Es ist nicht das Jahr 2020, das die BZB belastet. Der enorm starke Sommer hat die Zugspitzbahn am Ende finanziell sogar noch in den Plusbereich geführt. „Ich weiß noch, wie wir am 15. März in unserer alten Bude gesessen haben – wie ein Häufchen Elend.“ Bis Ende Mai. Dann begann – leicht verspätet – die Sommersaison. „Mit Vollgas, vom ersten Tag an.“ Die Rettung.

Die Skisaison auf der Zugspitze wurde jetzt offiziell als beendet erklärt.
Die Skisaison auf der Zugspitze wurde jetzt offiziell als beendet erklärt. (Archivbild) © Angelika Warmuth/dpa

Auf dem Sommer ruht auch jetzt die Hoffnung. Er muss den Winter 2020/21 kompensieren. Denn staatliche Finanzspritzen gibt es für die Zugspitzbahn nur in geringem Umfang. November- und Dezemberhilfe sind beantragt. „Die Überbrückungshilfen II und III sind nicht für Unternehmen in kommunaler Hand bestimmt“, merkt Stauch an. Ein solches ist die BZB jedoch als Betrieb der Gemeindewerke. Was Stauch ärgert: Noch heute ist von der Novemberhilfe nur die Anzahlung in Höhe von 50.000 Euro geflossen. Auf den Rest wartet er. Zwischen 800.000 und zwei Millionen Euro sollen es sein. „Das konnte uns noch keiner sagen.“ Stauchs Urteil: „Besser als nichts, aber letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Corona-Lage bei der Zugspitzbahn: 70 Prozent der Belegschaft befindet sich in Kurzarbeit

Lobend äußert sich der Vorstand nur über die heimische Arbeitsagentur. „Dort reißt man sich den Hintern für uns auf.“ Die Kurzarbeiter-Entgelte fließen regelmäßig – und pünktlich. Nicht unwichtig. Denn 70 Prozent der Belegschaft befinden sich in Kurzarbeit. Und das sind nicht wenige Schicksale, die an der Zugspitzbahn hängen. „Im Winter sind wir bis zu 500 Mitarbeiter, im Sommer 385 bis 400“, verdeutlicht Stauch.

Genug Arbeit bleibt ja auch im Corona-Lockdown zu verrichten. In der Kurzarbeit sogar deutlich erschwert. Nach der Absage des Skibetriebs gilt es jetzt, eine mögliche Frühjahrsöffnung vorzubereiten. Die Kreuzeckbahn braucht ein neues Getriebe, Material und Raupen müssen verstaut werden. Und am Wank soll so schnell es geht die Bahn laufen. Stauch: „Da oben könnten wir den Menschen noch Winterflair bieten. Und wir könnten sofort aufsperren. Die Mitarbeiter sind heiß.“

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