Applaus, Applaus: Murnaus Vize-Bürgermeister Josef Bierling (l.) klatscht Bayerns stellvertretender Ministerpräsidentin Ilse Aigner (M., mit dem Landtagsabgeordneten Harald Kühn, r.) Beifall. foto: KOlb

CSU-Empfang: Aigner als Zugpferd

Murnau - Rund 400 Gäste - das hatte es länger nicht gegeben: Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner erwies sich beim Neujahrsempfang der Murnauer CSU als Magnet.

Die CSU-Show bot kurzweilige Unterhaltung, die christsozialen Protagonisten spielten einander elegant die Bälle zu, und der Star des Abends, Ilse Aigner, verbreitete den erhofften Glanz. Bayerns Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin gab sich beim Neujahrsempfang der Murnauer CSU am Montag volksnah, nahm sich Zeit für Gespräche - und scherzte auf eigene Kosten. Sie freue sich, dass so viele Menschen hier seien, sagte sie mit Blick auf den vollen Saal im Kultur- und Tagungszentrum. „Aber wahrscheinlich sind sie nur hergekommen, um zu schauen, ob ich recht zerrupft ausschaue nach den letzten Wochen.“ Aigner, die eine tadellose Erscheinung abgab, spielte damit auf ihre Auseinandersetzung mit Horst Seehofer an. Die 49-Jährige, die als Kronprinzessin des Ministerpräsidenten gilt, hatte beim Streit um Kosten der Energiewende gegen den Parteichef aufgemuckt und war in der Folge in eine Art innerparteiliche Windböe geraten. In Murnau saß die Frisur (wieder), und Aigner stutze das Thema auf ein Miniaturformat: „Es gehört zum politischen Geschäft, dass man diskutiert.“

Aigner gehörte zu den unterhaltsameren Promi-Politikern, die den CSU-Empfang im Laufe der Jahre besuchten. Sie betonte, dass es keiner langen Überredung bedurfte, „weil ich gerne nach Murnau komme“. Aigner schwärmte vom „wunderbaren Eindruck“, den sie zwei Jahre zuvor beim historischen Trachtenumzug im Markt gewonnen habe und hob das Renommee hervor, das Künstler des Blauen Reiter oder Einrichtungen wie die Unfallklinik, in der sie ihre Mutter besucht habe, für den „wunderschönen“ Ort bedeuteten. Aigner plauderte aus dem Nähkästchen, schilderte persönliche Anekdoten, etwa von ihrer Wasserwacht-Ausbildung in Grainau. „Es war schwierig, aber ich hab's geschafft.“ Nach der Kür folgte die Pflicht: Aigner schwenkte thematisch um auf Wirtschaftspolitik, ihr Ressort. Und natürlich - so viel CSU-Schützenhilfe muss wohl sein - blieb Aigner ihre Wahlempfehlung nicht schuldig.

Aigner revanchierte sich damit quasi für Rapps Loblied. Der Chef der Kreis-CSU hattevom „charmanten Lächeln“ der Ministerin geschwärmt, einer „Politikerin, die zuhören kann“ und sich Zeit für die Anliegen der Brüger nehme. Der Bürgermeister thematisierte globale und lokale Themen und stellte Murnau ein gutes Zeugnis aus: „Wir sind zum Motor des Landkreises geworden.“ Rapp präsentierte sich als launiger Redner.

Auch der Zweite Bürgermeister Josef Bierling durfte entgegen den üblichen Gepflogenheiten ans Pult. Die Extrawurst war natürlich den bevorstehenden Wahlen geschuldet. Bierling will Rapp-Nachfolger werden, und die CSU stellte ihm die Plattform Neujahrsempfang zur Verfügung. Bierling oblag es, bürgermeisterlich zurück und voraus zu blicken sowie die Themen verbal abzuarbeiten, die Murnau beschäftigen (werden). Er setzt unter anderem auf eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit: „Ein gemeinsames Tourismus- oder Energiekonzept für unsere Region wären so wichtig.“

Bierling präsentierte sich vor rund 400 Menschen: Vertreter des öffentlichen Lebens, von Institutionen, Vereinen, anderen Gemeinden und aus der Politik, die sich austauschten. „Es kamen wesentlich mehr Gäste als sonst“, sagt Regina Samm, Geschäftsführerin des CSU-Ortsverbands. Aigner sei „sicher ein Zugpferd gewesen, man wollte sie live sehen“. Vielleicht spiele aber auch die bevorstehende Wahl eine Rolle. Die CSU-Protagonisten erwiesen sich jedenfalls schon als eingespieltes Team. (sj)

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