Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid (CSB)

CSU-Fraktionsvorsitzende greift Bürgermeister Schmid an

Garmisch-Partenkirchen - Die Olympischen Winterspiele kommen nicht nach Garmisch-Partenkirchen. Zumindest nicht 2018. Zwei Wochen nach der Pleite von Durban wird schon über eine erneute Bewerbung für 2022 diskutiert.

Während die Verantwortlichen in Sport und Politik allerdings eine ruhige Debatte ohne Zeitdruck anmahnen, ist Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) schnell in die Offensive gegangen. Bereits am Tag nach der Entscheidung in Südafrika plädierte er für einen erneuten Anlauf.

Elisabeth Koch, Fraktionsvorsitzende der CSU im Gemeinderat

„Diese Aussage war wieder einmal unüberlegt und vorschnell“, kritisiert Elisabeth Koch, Fraktionsvorsitzende der CSU im Gemeinderat, in einem offenen Brief. Sie hält die Überlegungen zwar grundsätzlich für berechtigt. Doch die CSU-Fraktion in der Marktgemeinde teile die Einschätzung aus Landes- und Bundespolitik: keine Schnellschüsse. Eine Folgebewerbung mache schließlich keinen Sinn, wenn schon absehbar wäre, „dass sich die Pleite von Durban wiederholt“. Schmid aber lege sich bereits jetzt öffentlich fest, „ohne einen Gedanken auf Risiken und Nebenwirkungen zu verschwenden“. Vor dem Hintergrund der berechtigten Sorgen vieler Bürger um Heimat, Natur, Selbstbestimmung, Finanzrisiken der Gemeinde und eine noch stärkere touristische Ausrichtung des Ortes auf den Skisport, wirke Schmids Handeln „vermessen“.

Der Bürgermeister wollte sich gestern zu dem offenen Brief nicht äußern. „Er wird dazu keine Stellungnahme abgeben“, ließ er über Gemeindesprecher Florian Nöbauer mitteilen.

Über eine andere Aussage Schmids im Zusammenhang mit einer weiteren Olympiabewerbung ist Koch jedoch erfreut. Der Bürgermeister hatte betont, im Vorfeld eines neuen Anlaufs mit einem Ratsbegehren die Bevölkerung zu fragen. Dass das die Gemeinde nicht bereits im Rahmen der ersten Bewerbung getan hat - wie von der CSU gefordert - werde Schmid zwischenzeitlich „sicher bedauern“, meint Koch. „Wir, die Mitglieder der CSU-Gemeinderatsfraktion, sehen uns mehr denn je bestätigt, das Notwendige und Sinnvolle zum richtigen Zeitpunkt gefordert zu haben.“ Mit seiner Aussage, eine Bürgerbefragung sei der Königsweg, würde der Bürgermeister zudem seine „damalige Fehleinschätzung“ eingestehen.

Grundsätzlich, so die CSU-Politikerin, sei es nun an der Zeit, „die Zukunft unserer Heimat gemeinsam und frei von olympischen Gedankenspielen zu gestalten“. Und zwar: „Nicht wieder schnell, schnell“, sondern mit Bedacht. „Dazu haben wir jetzt ohne olympischen Druck die Chance.“ Dafür reicht Koch dem Bürgermeister symbolisch die Hand. „Wir müssen das miteinander und vernünftig machen.“ Ganz konkret denkt sie dabei an das geplante Hotelvorhaben von Investor Franz Hummel auf dem ehemaligen Bichlerhof-Areal. Dafür Teile des Kurparks zu opfern, sei ein Sakrileg. „Man muss nicht Werte zerstören, um Werte zu schaffen.“

Zum Abschluss des Schreibens kann sich Koch einen weiteren Seitenhieb nicht verkneifen: „Olympia gehört nicht in den Wahlkampf“, zitiert sie Michael Vesper, den Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes. (lxs)

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