CSU-Krise: Die Stunde der Hardliner

Murnau - Die Murnauer CSU gerät nach den heftigen Machtverlusten bei der Kommunalwahl immer tiefer in die Krise: Andreas Müssig, der als gemäßigter Brückenbauer und Hoffnungsträger antrat, hat als Fraktions-Chef im Gemeinderat hingeworfen.

Der schöne Schein beim traditionsreichen Neujahrsempfang der Murnauer CSU im Nobelhotel Alpenhof trog: Während sich die Partei-Protagonisten vor gut einer Woche um ihren Super-Star und Bundes-Maut-Minister Alexander Dobrindt scharten und in dessen Glanz sonnten, kriselte es im Hintergrund gewaltig. Zu diesem Zeitpunkt wusste ein enger Kreis bereits, dass die CSU dabei ist, noch weiter ins Schlamassel zu rutschen und die Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie um ein unangenehmes Kapitel zu erweitern. Wenige Wochen, nachdem Gemeinderat Josef Gramer der Fraktion den Rücken gekehrt hat und sich seitdem als Einzelkämpfer mit CSU-Parteibuch durchschlägt, ist den Schwarzen auch noch ihr Sprecher abhanden gekommen: Freigeist Andreas Müssig, der die zerstrittenen Christsozialen nach der Wahlpleite vereinen, nach außen öffnen und ihnen ein modernes Image verpassen sollte, hat aufgegeben - nach nicht einmal einem Dreivierteljahr. Müssig hält sich bedeckt, verweist nur auf „interne“ Gründe. „Ich will das nicht weiter kommentieren“, sagt der 43-Jährige.

In einer Krisensitzung am Montagabend wurde schnell Ersatz gefunden: Die CSU-Fraktion installierte eine Führungs-Troika mit Regina Samm (61) an der Spitze und Josef Bierling (55) sowie Lorenz Brey (28) als Stellvertretern. Sie sollen sich die Aufgaben künftig teilen. „Uns geht es darum, nach der nicht einfachen Zeit Ruhe reinzubringen“, sagt Bierling.

Nicht einfach - diese Formulierung ist noch stark untertrieben. Die Murnauer CSU hat schlicht ein desaströses Jahr hinter sich. Bürgermeister- und Vizebürgermeisterposten sind futsch, die absolute Mehrheit im Gemeinderat ist dahin. Damit nicht genug: Dr. Michael Rapp, Übervater und Strippenzieher der einst so mächtigen Ortspartei, scheiterte kläglich bei der Landratswahl. Interne Kämpfe und Personalquerelen prägten die vergangenen Monate.

Nun soll’s ein neues Führungsteam richten. Die Rolle des Polit-Neulings Brey lässt sich dabei schwer einschätzen. Bierling jedenfalls erklärt, es sei „sehr, sehr wichtig“, die junge Generation in die Verantwortung einzubinden. Bei Bierling und Samm ist die Sache klar: Mit ihnen setzt die CSU auf die alte Garde, die im Wahlkampf grandios scheiterte - eine erstaunliche Entscheidung. Mit Bierling ging die Partei im Ringen ums Rathaus unter - und Samm galt als seine inoffizielle Wahlkampfmanagerin.

Über die Hintergründe der Causa Müssig lässt sich spekulieren. Fest steht: Der Floristmeister schien seit längerem angezählt und unter Druck. Die CSU-Granden verziehen dem ehemaligen Freie-Wähler-Gemeinderat nicht, dass er den Murnauer Bundeswehr-Standort öffentlich in Frage stellte und damit einen unverzeihlichen Tabubruch beging.

Angeblich zermürbte zudem ein parteiinterner Richtungsstreit Müssig. Dieser steht im Gemeinderat für ein eher sachliches Miteinander - und für einen pragmatischen Umgang mit dem Bürgermeister aus dem gegnerischen Lager, Rolf Beuting vom ÖDP/Bürgerforum. Doch dieser moderate Kurs schmeckt offenbar nicht allen. Wie aus CSU-Kreisen zu erfahren war, drängen manche in der Partei auf einen harten Blockadekurs, um Beutings Erfolgsbilanz möglichst mickrig zu halten und damit seine Chancen auf eine Wiederwahl zu schmälern. Auch wegen dieser Differenzen soll Müssig am Ende kapituliert haben. Schon bisher fielen Bierling und Samm in Sitzungen mit einem sehr Beuting-kritischen Kurs auf. Das ÖDP/Bürgerforum sieht auch die SPD auf dieser Linie und witzelt bereits über die „Groppo“: die „große Opposition“ aus CSU und SPD. (sj/as)

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