Finanzen in Oberammergau

Daisenberger-Stiftung bleibt bestehen

Oberammergau -  Die Auflösung ist kein Thema mehr: Die Förderung junger Studenten, die es seit 1913 gibt, wird aufrechterhalten. 

Auf einen der großen Söhne Oberammergaus, Pfarrer Joseph Alois Daisenberger (1799-1883), dem Schöpfer des Passionsspieltextes, geht in der Gemeinde eine Stiftung zurück, die seinen Namen trägt. Das Protokoll seinerzeit bei der Gründungsversammlung am 15. September 1913 ist sogar von seiner Königlichen Hoheit Prinz Ludwig genehmigt worden, als Kapital wurden 9000 Mark eingestellt – eine für damalige Verhältnisse sehr hohe Summe. Hintergrund dieses „Fonds“ war es, Söhnen und Töchtern von Bürgern Oberammergaus, die sich einer höheren Ausbildung widmen, eine finanzielle Beihilfe zu gewähren. Eine weitere Klausel in der Geschäftsordnung zum Stiftungsbrief besagt, dass aus den Zinsen jährlich höchstens 2000 Mark (gut 1000 Euro) sowie als Höchstbetrag an Studierende 400 Mark (200 Euro) ausbezahlt werden durften. Diese Daisenberger-Stiftung landete nun auf dem Tisch des Gemeinderates, der darüber zu befinden hatte, entweder die Stiftung umzuwandeln oder nach über 100-jährigem Bestehen aufzulösen.

Festgestellt hatte der Bayerische Kommunale Prüfungsverband, dass diese Vermögensanlage ein rechtsfähiges kommunal verwaltetes Instrument sei, allerdings nicht so verwaltet werde. Folge daraus: Für die Stiftung müsste ein eigener Haushaltsplan aufgestellt werden, derzeit ist sie im aktuellen Etat der Gemeinde jedoch nur ein Posten unter Abschnitt 89. Zu der Angelegenheit bemerkte Kämmerer Leonhard Trainer, die Daisenberger-Stiftung weiterzuführen, allerdings in einer anderen Rechtsform, nämlich als nicht rechtsfähige Einheit. „Dann können wir hoffen“, so Trainer, „dass die Zinsen irgendwann wieder einmal steigen.“ Gab es in den vergangenen Jahren immer jährliche Guthaben-Renditen um die 400 Euro, so standen 2015 gerade noch 17,41 Euro zu Buche. Das Kapital ist inzwischen auf über 42 000 Euro angewachsen. Der niedrige Zins hat auch zur Folge, dass Ausschüttungen nicht mehr möglich sein. 

In der kurzen Diskussion zu dem Punkt stellte Wolfgang Proksch (Mit Augenmaß) die Frage, ob diese Stiftung überhaupt noch zeitgemäß sei: „Was bringen jemand, der studiert, jährlich 200 Euro?“ CSU-Gemeinderat Michael Fux sieht in dieser Form der Förderung „eine richtige Antiquität“, merkte aber an, dass der Gemeinde inzwischen andere Mittel und Wege offen stünden, förderfähige Jugendliche zu unterstützen. Trotz dieser Bedenken gab es am Ende eine klare Mehrheit bei vier Gegenstimmen, die Daisenberger-Stiftung nicht aufzulösen, sondern in ein nicht rechtsfähiges Format umzuwandeln. Süffisante Anmerkung zum Schluss: Bis zum Jahr 1994 durften durch die Stiftung nur männliche Bewohner von Oberammergau unterstützt werden . . .

Ludwig Hutter 

Rubriklistenbild: © dpa

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