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Volles Haus: das Publikum beim Derblecken im Griesbräu.

Zahmes Politiker-Derblecken in Murnau

„Bauwut-Beuting“ an den Baggerlöchern

Eines vorneweg: Das Politiker-Derblecken im Griesbräu fiel unterhaltsam, aber eher zahm und wenig bissig aus. Die Großkopferten aus der lokalen Politik kamen mit weniger als einem blauen Auge davon. Es ging vielmehr darum, auf der „Großbaustelle Murnau“ aufzuräumen.

Murnau Das Thema des diesjährigen Derbleckens im Murnauer Griesbräu-Saal ließ sich bereits erkennen, ohne dass die fünf Darsteller ein Wort gesprochen hätten: Ausgestattet mit gelben Bauarbeiterhelmen, blauen Latzhosen und karierten Hemden, marschierten Petra Albrecht, Ursula Ohliger, Adi Sam, Kurt Schweda und Hans-Jürgen Steib vom Original Murnauer Bauerntheater auf die Bühne. Dort eröffneten sie das Starkbierfest, das Florian Möckl und Anderl Sterzer musikalisch begleiteten. Unter dem Motto „Baubegehung“ widmeten sich die Schauspieler den zahlreichen Baustellen in der Gemeinde.

Angefangen beim Schützenplatz (O-Ton Sam: „Bleibt der jetz a so?“) über den „Prestiesch-Bau“ Rathaus bis hin zur Bahnhofstraße, deren ehrgeiziger Architekt laut Steib auch den Berliner Flughafen Tegel gestaltet habe. Die Mimen erschufen ein Szenario, in dem Marktbaumeister Klaus Tworek den Wust an Bauplänen in einem geliehenen Müllwagen hinter sich herzieht. Zurückzuführen sei dies auf die hochfliegenden Pläne des Ersten Bürgermeisters Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der „ammoi als Bauwut-Bürgermeister in die Annalen von Murnau eingeh’n“ werde, wie Ohliger anmerkte. An dieser Stelle widmeten die Darsteller dem Rathaus-Chef einen Song, in dem er von einem Baggerloch zum nächsten hetzt. „Ja, wer baggert da so spät noch am Baggerloch? Das ist Beuting mit dem Bagger und er baggert noch“, hieß es im Refrain. Was nicht den Baugeräten zum Opfer falle, befindet sich den Mimen zufolge unter Denkmalschutz.

Diesem Status stehe etwa Marktkämmerer Hubert Süß nahe (der zu den dienstältesten Gemeindemitarbeitern zählt). Er wurde in einem Lied über den Gemeindehaushalt parodiert. In Anbetracht der Zahlen „hätt er sein Nama bald umdraht – von Süß in Sauer“, witzelte Schweda. Weiter ging es mit Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger. Statt das Innovationszentrum im ehemaligen Gemeindekrankenhaus mit kreativen Ideen voranzubringen, gehe er lieber durchs Rathaus, um den Mitarbeitern frohe Weihnachten zu wünschen, frotzelten die Bauarbeiter auf der Bühne. Ihr Fazit: „Da Bittlinger muss des doa, wos da Bürgermoasta ned mog.“ Und Schweda schob in Bezug auf die internen Strukturen nach: „Das Oanzige, was do transparent is, san de Schaufenster vom Strütthaus.“

Auch Landrat Anton Speer (Freie Wähler), der „Kaas-Toni“, wurde unter anderem in dem Lied „Anton aus Ugau“ aufs Korn genommen. Die Mimen zweifelten unter anderem seine sportlichen Leistungen als ehemaliger Fußballer an. Zu guter Letzt tauschten die Darsteller ihre Werksuniform gegen Badeanzüge – passend zur Murnauer Schwimmbad-Debatte. Auch hierzu gab es ein Lied mit dem Text: „A Schwimmbad is des Leiwandste, was ma si nur vorstell’n kon.“

Insgesamt fiel die Vorstellung recht zahm aus, man vermisste eine schneidende Bissigkeit. Dennoch gab es zum Abschluss von den rund 250 Gästen viel Applaus. Speer und Beuting stießen gemeinsam mit den Schauspielern auf der Bühne an.

Der Erlös der Veranstaltung kommt heuer der örtlichen Kindertagesstätte St. Nikolaus zugute.

Constanze Wilz

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