Erinnert sich an seine aktive Zeit als Skispringer: Franz Dengg vom SC Partenkirchen. foto: sehr

„Das beste Zugpferd“ sind deutsche Starter

Garmisch-Partenkirchen - Zum 60. Geburtstag der Vierschanzentournee erinnert sich Franz Dengg vom SC Partenkirchen an die Anfänge. Im Stadion erwarten ihn und die anderen Besucher am 1. Januar 2012 viele Neuerungen.

Zum 60. Mal macht die Vierschanzentournee am 1. Januar in Garmisch-Partenkirchen Halt. Ein besonderes Ereignis für Skisprungfans - und für Franz Dengg. Der 83-Jährige vom SC Partenkirchen (SCP) stand bei der Premiere 1953 am Start. Zusammen mit seinen bereits verstorbenen Kameraden Sepp Kleisl und Sepp Hohenleitner bildete er in den 1950er Jahren das legendäre Partenkirchner Skisprung-„Dreigestirn“, das für den SCP viele Erfolge sammeln konnte.

„Bei der ganzen Springerei hat sich alles verändert“, erzählt Dengg. „Wir mussten den Anlauf noch mit den Skiern abtreten. Eine Spur gab es nicht.“ Genauso wenig wie Sicherheitsstandards, die heute vorgeschrieben sind. „Damals hatten wir viele und schwere Stürze.“ Auch die Geometrie der Schanzen war anders: „Du bist viel höher rausgekommen, teilweise hatten wir einen Luftstand von 18 Metern.“

Heutzutage fahren die Athleten mit hohen Preisgeldern nach Hause. Für den Springer, der es schafft, alle vier Wettbewerbe zu gewinnen, wurde eine Million Schweizer Franken ausgelobt. „Bei uns gab’s damals einen Pokal, das war’s“, sagt Dengg. Die Ergebnisse wurden erst am Abend bei der Preisverteilung verkündet. „Wir haben musiziert, geplattelt und getanzt. Es war schön, mit allen beisammen zu sein. Sowas gibt es ja heute nicht mehr.“ Die Athleten-Karawane zieht relativ schnell nach dem Wettbewerb weiter zum nächsten Springen.

Doch das Organisationskomitee um SCP-Präsident Michael Maurer hat sich trotzdem für den 60. Geburtstag des Wettkampfs einiges für die Zuschauer einfallen lassen: Das Skistadion wurde mit überdimensionalen Konterfeis von zehn Tourneesiegern geschmückt. Im Inneren werden besondere Gäste im VIP-Zelt bewirtet - erstmals werden davon zwei aufgebaut. „Außerdem gibt es einen neuen Interview-Point auf einer erhöhten Bühne im Stadion“, erklärt Maurer. „Dort sind die Gesprächsgäste dann besser sichtbar.“ Eine weitere Neuerung dieses Jahr sind die Windnetze, die in der Nähe des Schanzentisches aus Sicherheitsgründen installiert wurden. „Zu unserer Zeit hat kein Mensch g’fragt, ob da a Wind geht“, sagt Dengg lachend.

Über 20 000 Zuschauer werden im Stadion erwartet. Dengg erinnert sich sogar an einen Wettbewerb mit 100 000 Besuchern - damals, in Oslo bei den Olympischen Winterspielen 1952, den ersten nach dem Krieg, an denen Deutschland wieder teilnehmen durfte. „Wir dachten, dass der erste deutsche Springer vom Publikum ausgepfiffen wird, und der Erste war halt mal ich.“ Doch die Pfiffe blieben aus, die deutschen Sportler wurden im ehemals besetzten Norwegen freundlich empfangen. „Dann war das Größte, vor so unglaublich vielen Menschen zu springen.“

Auch am 1. Januar wird Dengg im hiesigen Stadion vor Ort sein. Er freut sich auf das Springen und darüber, dass die deutschen Athleten mit Richard Freitag und Severin Freund endlich wieder den Weg in Richtung Weltspitze gefunden haben. Maurer kann ihm da nur zustimmen: „Das beste Zugpferd sind einfach Sieger aus der eigenen Nation." (tp)

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