Kino unterm Karwendel/Open Air Festival / Kletterer schauen Kletter-Filme: (v.l.) Kimberly und Tobias sowie Sally und Marinus haben die beste Sicht auf die Leinwand auf den Rückbänken ihrer Campingbusse.
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Kletterer schauen Kletter-Filme: (v.l.) Kimberly und Tobias sowie Sally und Marinus haben die beste Sicht auf die Leinwand auf den Rückbänken ihrer Campingbusse.

500 Besucher in 191 Autos

Autokino in Mittenwald: Campingbus wird zum Kinosaal

Das Freiluft-Spektakel "Kino unterm Karwendel" zieht über 500 Besucher in 191 Autos an. Das Autokino auf dem ehemaligen Hallenbadareal begeisterte.

Mittenwald – Das Autoradio ist auf UKW 91,9 eingestellt. Diese Frequenz braucht es, um den Film im Auto zu hören. Dieses steht vor der großen Leinwand auf dem Parkplatz des ehemaligen Hallenbades. Es gibt Popcorn und Spezial-Kino-Currywurst – schon kann das Open-Air-Kino unterm Karwendel beginnen. Doch diesmal anders als in den vergangenen zehn Jahren. Wegen Corona.

Diesmal hatte jeder seinen eigenen sicheren Kinosaal selbst dabei. Das Open-Air-Kino funktionierte Organisator Christoph Szonn kurzerhand als Autokino um. Das kam hervorragend bei den zahlreichen Zusehern von Donnerstag bis Samstag an.

Enormer Andrang: Täglich kommen durchschnittlich 65 Autos, um die Filme zu sehen. Über 500 Personen besuchten das Freiluft-Spektakel.

Gleich zur Eröffnung hat sich Fahrerin Annalisa Simon mit ihrer Freundin Isabelle van den Heuvel einen Platz vor der Riesenleinwand gesichert – immerhin mussten 66 Fahrzeuge eingewiesen werden. „Ich habe bei dem Werbeclip, der heute als Vorspann läuft, selbst mitgemacht“, verriet die 23-jährige Simon aus Krün. Da wollte sie natürlich den Auftakt – der Erfolgsfilm „Das perfekte Geheimnis“ – natürlich nicht verpassen.

Beifahrerin Isabelle nannte gleich zwei Dinge, warum sie dabei war. „Erstens habe ich heute meine Prüfung als Zahnarzthelferin bestanden“, sagt die 21-Jährige. Zudem freue sie sich, dass „die Organisatoren das mit der Hygiene so gut geregelt und ein gemütliches Flair geschaffen haben“.

Bürgermeister begrüßt Gäste per Live-Übertragung

Per Liveübertragung – gefilmt von Kameramann Stefan Wallisch – begrüßte Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) die Besucher. Szonn vom Verein Middlewood Kultur lobte im Namen seiner Mitorganisatorin Petra Musch alle Unterstützer wie die Alpenwelt Karwendel, den Bauhof und die vielen einheimischen Geschäftsleute. Ein Grußwort sprach zudem Sebastian Kramer, Geschäftsführer der Zugspitzregion. „Das Open-Air-Kino, das seit zehn Jahren stattfindet, unterstützen wir gerne.“

Ich freue mich, dass die Organisatoren das mit der Hygiene so gut geregelt und ein gemütliches Flair geschaffen haben.

Isabelle van den Heuvel.

Zur Eröffnung wurde im Vorprogramm die Auswahl der vier Gewinner-Filme des 1. Werdenfelser Kurzfilmwettbewerbs gezeigt. „Damit wollten wir die kreative Vielfalt der Region zeigen und den Kreativen eine Plattform bieten“, sagt Tina Birke, Regionalmanagerin der Zugspitzregion. Den Publikumspreis – die Besucher konnten per Lichthupe abstimmen – gewann der Film „Rund um die Zugspitze“ von Birte Brunner. Sie darf sich über einen Gutschein der Münchner Filmwerkstatt für ein Seminar aus deren umfangreichen Weiterbildungsprogramm freuen.

Den Jurypreis der Murnauer Firma Filmsound über eine professionelle Filmvertonung gewann der Beitrag „Heimat ist ein Gefühl“ von Wolfgang Ehn über den Geigenbauer Anton Sprenger.

Am Freitag wurde den Besuchern – die Veranstalter zählten erneut rund 65 Fahrzeuge – vor dem Hauptfilm „Enkel für Anfänger“ die mit Spannung erwarteten Musikclips des Jugendorchesters Mittenwald gezeigt.

Campingbus wird zum Kinosaal

Am Samstag, zum großen Finale, rollten wieder 60 Autos an. In einem VW-Camping-Bus wollten Kimberly (28) und ihr Freund Tobias (22) sowie daneben ihre Schwester Sally (23) mit ihrem Freund Marinus (21) die Filme vom Bayerischen Outdoor Film-Festival (BOFF) über Extrem-Berg- und Skisport anschauen. Letztere schauten den Film in einem zum Campingbus umgebauten russischen UAZ-Geländewagen.

„Wir kommen gerade aus dem Klettergarten Scharnitz“, meinte Kimberly, „deshalb interessieren uns diese Outdoor-Filme besonders“. Unter den Zuschauern fand sich auch Gemeinderat Stefan Schmitz (Bürgervereinigung Mittenwald) ein. „Das Autokino ist in Corona-Zeiten eine echte Alternative“, sagt er lobend. „Deshalb bin ich heute auch zum zweiten Mal mit meiner Frau Sabine hier.“

Das Autokino ist in Corona-Zeiten eine echte Alternative.

Stefan Schmitz, Gemeinderat

Nach drei anstrengen Tagen zieht Szonn ein positives Fazit. „Rund 500 Besucher in 191 Fahrzeugen. Damit können wir alle zufrieden sein.“ Er betonte, dass es ohne die Unterstützung der einheimischen Firmen und Geschäftsleute und der vielen ehrenamtlichen Helfer an den fünf Verkaufsständen als Kontrolleure und Einweiser nicht möglich wäre, so ein Festival auf die Beine zu stellen. „Ein besonderes Lob an Axel Barwich aus Worms, der als Ton- und Technik-Spezialist extra jedes Jahr mit seiner Familie in Mittenwald Urlaub macht, um uns hier drei Tage lang zu helfen.“

Finanziell ist alles mit einer schwarzen Null zu Ende gegangen. „Als gemeinnütziger Verein sind wir mit diesem Ergebnis zufrieden“, versicherte Szonn. „Unser Ziel war, den Besuchern eine schöne Veranstaltung zu bieten.“ Und das haben sie erreicht.

Von Wolfgang Kunz

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