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Streitthema Wald: Die Frage, wie viele Bäume gefällt werden dürfen oder müssen, polarisiert. Hier ist ein Symbolbild zu sehen.

Beschluss des Hauptausschusses

Debatte über Murnauer Gemeinde-Wald: Nein zur Holzernte

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Der reguläre Holzeinschlag im Wald der Marktgemeinde Murnau ist vorerst tabu. Dies beschloss jetzt der Hauptausschuss nach einem CSU-Antrag. Allerdings wird damit lediglich der Status quo beschrieben. Denn die Waldwirtschaft beschränkt sich seit einigen Jahren ohnehin nur auf Pflegearbeiten, die weiterhin möglich sind.

Murnau – Beim Thema Forstwirtschaft scheiden sich die Geister, weil unterschiedliche Interessen eine Rolle spielen. Der Wald ist sensible Natur, Erholungsfläche, aber auch Wirtschaftsraum, um den Rohstoff Holz zu erzeugen. Murnaus CSU-Fraktion sorgte unlängst mit einem Antrag für Aufsehen, in dem sie schwere Vorwürfe erhebt. Im Gemeinde-Wald – es geht um immerhin rund 120 Hektar – sei im Zeitraum von 2010 bis 2019 viel mehr eingeschlagen worden als ursprünglich im Gutachten vorgesehen, lautet die Kritik (wir berichteten). Der Distrikt Galthütte südlich von Westried sei regelrecht „geplündert“ worden. „Von einer nachhaltigen Bewirtschaftung unseres Gemeindewaldes kann keine Rede sein“, lautet das Fazit der Christsozialen. Dagegen werde die Bestandspflege vernachlässigt. Die Forderung der Konservativen: ein „sofortiger Stopp von Hiebmaßnahmen im gemeindeeigenen Wald“.

Ein Anliegen, das vom Hauptausschuss, der jetzt die heikle Causa auf der Agenda hatte, nach einer längeren und kontroversen Debatte beschlossen wurde. Das heißt: Eine klassische Holz- ernte gibt es vorerst nicht mehr. Sie müsste beantragt und vom Hauptausschuss genehmigt werden. Eine Zäsur stellt diese Einschränkung jedoch nicht dar. Denn seit 2016 stehen ohnehin, wie in der Sitzung zu erfahren war, keine regulären Fällungen auf dem Programm. Stattdessen bestimmen aufwändige Pflegearbeiten die Bewirtschaftung, die von der aktuellen Entscheidung unberührt bleiben.

Die hohen Einschlagszahlen lassen sich leicht erklären. Der geladene Fachmann Martin Kainz vom Forstamt Weilheim – die Behörde betreut den Murnauer Wald – konnte die CSU-Einschätzung mit einem Einblick in die Statistik entkräften. „Es hat keine Übernutzung stattgefunden“, stellte der Forstdirektor klar. „Wir laufen vielmehr den Naturereignissen nach.“ Zwischen 2009 und 2019 wurden seinen Angaben zufolge in dem Areal insgesamt rund 3500 Festmeter (ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter) Holz entnommen. Allerdings, das ist der springende Punkt, handelt es sich beim größten Posten (1500 Festmeter) um so genanntes Schadholz, das beispielsweise nach Stürmen oder Borkenkäferbefall anfällt. Die klassische Holzernte, um die es der CSU geht, machte in der Periode nur 1250 Festmeter aus. Weitere Eingriffe sind beispielsweise zur Verkehrssicherung oder Renaturierung nötig. Das Holz – in erster Linie Fichte – wird vor allem an Sägewerke verkauft, wo dann Baustoffe etwa für Dachstühle oder Fenster entstehen.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der an dem Abend mit Utzschneider aneinander geriet, verteidigte den Kurs des Forstamtes. „Kein einziger der Vorwürfe (der CSU, Anm. d. Red.) ist fachlich richtig“, befand der Rathauschef. Ohne die Entnahme hätte seiner Meinung nach die Gefahr bestanden, dass noch größere Schäden entstehen. Beuting, der in diesem Zusammenhang auch auf die Folgen des Klimawandels verwies, schaffte es aber nicht, eine Mehrheit für die Empfehlung seiner Verwaltung zu gewinnen, den CSU-Antrag abzulehnen. Einig war man sich darin, dass der Gemeinderat einen ausführlichen Bericht des Forstamtes erhalten und eine gemeinsame Waldbegehung stattfinden soll.

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