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Derek Kiehn wartet auf eine Organspende.

Nach schwerem Unfall am Blassengrat

Derek Kiehn wartet auf Organspende

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Garmisch-Partenkirchen -  Nach seinem schweren Unfall liegt Derek Kiehn immer noch auf der Intensivstation. Nun wartet er  auf eine neue Leber und eine Niere. Phantomschmerzen und die Ungewissheit zehren an seinen Nerven.

Es sind oft nur kleine Gesten, die Fabienne Woiton Kraft geben. Die sie bestärken, den Mut nicht zu verlieren. Und die ihr helfen, ihre Energie an ihren Lebensgefährten Derek Kiehn weiterzugeben. „Meine Freunde und Familie, die mir den Rücken stärken und jederzeit für mich da sind, und die vielen Menschen in Garmisch-Partenkirchen, die uns unterstützen“ motivieren die 32-Jährige genau wie ihr Vertrauen ins Leben. Aufgeben ist nicht Woitons Sache. Und auch nicht Kiehns, der bald sieben Monate in der Unfallklinik Murnau (UKM) ums Überleben kämpft.

Seit Anfang des Jahres liegt der Amerikaner im Krankenhaus. Nach wie vor auf der Intensivstation. Längst sind beide Unterschenkel amputiert, auch seine Finger hat er großteils verloren – und leidet unter gewaltigen Phantomschmerzen. Dazu kommt, dass seine Leber und Nieren seit dem schlimmen Unfall – nach einem Absturz am Blassengrat, den sein Begleiter nicht überlebte, musste Kiehn stundenlang schwerst unterkühlt und verletzt auf Rettung warten – nicht mehr richtig funktionieren. Eine Transplantation ist also unausweichlich.

Seit Anfang des Monats steht der 29-Jährige auf der Liste von Eurotransplant, für beide Organe. Sollte alles perfekt passen, wollen ihm die Ärzte auch eine neue Bauchspeicheldrüse einsetzen. „Dann hätte er keine Diabetes mehr“, erklärt Woiton. Nachdem niemand weiß, wann der Eingriff im Klinikum Großhadern in München stattfindet, müssen die Mediziner im UKM ihn körperlich stabil halten. Das Warten, die Schmerzen und die Ungewissheit zehren an dem jungen Mann. „Er ist mit seinen Nerven am Ende“, bestätigt Woiton. „Es gibt ja keine Sicherheit, dass er überlebt.“ Auch dann nicht, wenn ihm neue Organe eingepflanzt wurden. 50:50 schätzen die Ärzte seine Chancen ein. Von dieser Prognose lässt sich seine Lebensgefährtin nicht runterziehen: „Jetzt hat er’s so weit geschafft, sich so durchgebissen, dann meistert er auch den Rest.“

Finanzielle Belastung kommt auf das Paar zu

Neben ihrer Arbeit und den Besuchen im Krankenhaus beschäftigt sie momentan vor allem das Leben danach. „Wir brauchen eine behinderten-gerechte Wohnung.“ Noch ist ihr nicht bewusst, was für den Umbau auf sie und ihren Partner zukommt. „Da steht ein großes Fragezeichen“, sagt die Potsdamerin, die mit Kiehn 2011 nach Garmisch-Partenkirchen gezogen ist. Auf den Spendenkonten – neben einem deutschen haben Kiehns Schwester Lindsey und eine Freundin der Mutter eine Hilfsaktion in den USA gestartet – sind inzwischen circa 40 000 Euro eingegangen. „Das klingt richtig viel“, meint Woiton. Allein die Kosten für einen Treppenlift sorgen jedoch gleich wieder für Ernüchterung. 20 000 bis 25 000 Euro kostet das Modell, das Kiehn braucht, vom Freistaat fließen dafür 10 000 Euro. Nicht nur das treibt die 32-Jährige um, sondern auch die Fragen, wie’s mit Rollstuhl und Prothesen weitergeht. Und was ihr Freund noch braucht, um trotz seiner Behinderungen ein möglichst eigenständiges Leben zu führen. „Im Moment bekommt er Krankengeld“, erzählt sie. „Danach hat er kein Einkommen mehr, was dann passiert, ist völlig unklar.“

So feierte Derek Kiehn seinen 29. Geburtstag

Bei all diesen Fragen stehen ihr Dereks Eltern zur Seite, die bald nach dem Unfall nach Deutschland gekommen sind und auch noch bleiben. „Sie halten mir den Rücken frei und wir wechseln uns ab, das ist großartig.“ Aber auch seine besten Freunde aus Amerika waren da – zwei Wochen lang im Mai. Und seine Skilehrer-Kollegen von der Skischule Sprenzel erlebten eines der Highlights der vergangenen Monate mit: „Wir konnten Dereks 29. Geburtstag in der Cafeteria der Unfallklinik feiern“, erzählt Woiton und strahlt. Das war ein guter Tag. Für sie und für ihren Partner. „Wenn er in den Rollstuhl kann, mal rauskommt, das motiviert.“

Genau wie die Bilder der kleinen Riley, seiner Nichte. Noch kennt er das goldige semmelblonde Mädchen nur von Fotos, sobald es sein Gesundheitszustand zulässt, will seine Schwester mit dem Sonnenschein aus Colorado/USA nach Garmisch-Partenkirchen kommen. Schließlich soll der Onkel den Familienzuwachs möglichst bald im Arm halten. Der Anblick dieser Bilder gibt auch Woiton Kraft. Und bestärkt sie in ihrer schier unerschütterlichen Zuversicht."

Wer Derek Kiehn helfen

will, kann dazu www.gofund me.com/derekkiehn nutzen. Zudem gibt es ein deutsches Spendenkonto „Derek Kiehn“ (IBAN: DE51100777770173385600 und BIC: NORSDE51XXX).

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