Jedermanns Liebling: Magdalena Neuner ist nicht nur als Sportlerin eine Ausnahmepersönlichkeit, sondern auch als Mensch. Und sie hat den Kontakt zu den Fans stets gewahrt wie hier beim City-Sprint 2010. foto: Sehr

„Die Lücke wird riesig“

Garmisch-Partenkirchen - Peter Fischer, Chef des Skiclubs Garmisch, vergleicht Magdalena Neuner mit Rosi Mittermaier - Auch der City-Sprint verliert sein Zugpferd

Er ist kein Biathlon-Mensch, wie er selbst sagt. Peter Fischer gibt im alpinen Bereich den Ton an - als Weltcup-Chef und Vorsitzender des Skiclubs Garmisch (SCG). Ein Urteil über Magdalena Neuner traut er sich dennoch zu. Auch weil die Wallgauerin, wie Fischer weiß, disziplinübergreifend überall gern gesehen ist. „Da kannst du auch bei den Alpinen fragen, wen du willst. Alle finden Magdalena gut.“ Und genau deshalb ist Fischer so froh und stolz, dass die 24-Jährige in ihrer letzten Saison noch einmal beim Jura City-Biathlon in Garmisch-Partenkirchen mitmacht. Sie verzichtet auf das große Geld, das in Schalke als Antrittsprämie sicher gewunken hätte. Denn wie wurde Herbert Fritzenwenger, der dortige Cheforganisator, zitiert: „Wir haben gebittelt und gebettelt, doch sie will nicht.“

Die Gewinner sind ihre Fans in der Region, die den Biathlon-Star heute noch einmal live in der Fußgängerzone im Ortsteil Garmisch bejubeln können. „Das zeigt einfach auch ihre Verbundenheit zur Heimat“, sagt Fischer. In einem ist sich der Organisator des City-Sprints sicher: So einen Sportler wird es so schnell nicht mehr geben. „Ihren Abschied sehe ich für das Biathlon an sich mit zwei, eher sogar vier weinenden Augen, wenn man die Hühneraugen dazuzählt“, scherzt Fischer. „Die Sportart lebt von Magdalena Neuner. Das sieht man ja in jeder TV-Übertragung, Magdalena ist der Hero, und der bricht nun weg.“ Ein schwarzes Bild für die Zukunft des Biathlonsports will er aber nicht zeichnen. „Man muss schon auch mal abwarten. Es kann immer mal ein neuer Stern aufgehen, zum Beispiel bei einer Heim-WM.“ Er denkt auch an Miriam Gössner, die in der Öffentlichkeit derzeit immer mehr in die Rolle der Nachfolgerin gedrängt wird. „Aber die Erfolge einer Neuner wird keiner so schnell erreichen.“ Die Prognose traut sich Fischer zu. „Die Lücke wird riesig.“

Fischer bezieht seine Anerkennung für Neuner nicht nur auf die Sportlerin, sondern generell auch auf den Menschen. „Sie ist jedermanns Darling. Die gibt es im Sport kaum. Rosi Mittermaier war so jemand, ein Typ, den jeder gern hat.“

Natürlich verliert auch der City-Sprint sein großes Zugpferd ab dem kommenden Winter. Das ist Fischer sehr bewusst. Ob das Karriereende von Neuner aber direkte Auswirkungen auf den Wettbewerb haben wird, kann der SCG-Chef derzeit noch nicht sagen. „Natürlich mache ich mir Gedanken“, räumt er ein. Das aber auch unabhängig von der Person Neuner. „Man muss nur mal schauen, wie die Marktgemeinde und wir damals angefangen haben, und wie die Veranstaltung heute aussieht.“ Der Aufwand hat sich vervielfacht. „Es sind mittlerweile allein vom Skiclub 80 bis 100 Mann im Einsatz.“ Mit dem personellen Engagement ist es aber nicht getan. „Es geht immer wieder auch um die Frage der Unterstützung aus der heimischen Geschäftswelt und damit die wirtschaftliche Seite.“ Sollte der Biathlon-Boom abbrechen, da nun die Leitfigur wegfällt, „dann wäre das schon schlecht.“

Genaue Vorstellungen zur Zukunft des Projekt City-Sprint hat Fischer aber noch nicht. Dafür fehlt ihm auch die Zeit. Denn schließlich läuft nicht gerade nebenher noch die komplette Planung für die zwei großen alpinen Weltcup-Wochenenden, die Garmisch-Partenkirchen Ende Januar und Anfang Februar ins Haus stehen. Da ist dann der Alpin-Mensch Fischer wieder komplett in seinem Element. (cf)

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