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"Die Toten mahnen uns"

Murnau - Wie soll Murnau mit dem Namen Kemmel umgehen? Geht es nach dem Kaufbeurer Studiendirektor und Publizisten Jakob Knab, sollte die Marktgemeinde eine Gedenktafel aufstellen. Ein Informationsschild, wie es Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) favorisiert, ist dem Pädagogen zu wenig.

Zum Hintergrund: Über die Bezeichnung Kemmel ist schon öfters debattiert worden. Es gab auch schon Forderungen, den Kemmelpark umzubenennen. Knab, der für seine Kritik an der Traditionspflege der Bundeswehr bekannt ist, bringt eine weitere Variante ins Spiel. In einem Brief an Beuting regt der 63-Jährige an, das ehemalige Kasernenareal umzuwidmen und eine Gedenktafel aufzustellen. Diese könnte im April 2018 enthüllt werden. Knabs Textvorschlag: „Schlacht am Kemmel - April 2018, Zum Gedenken an die Opfer“. Der Kaufbeurer erklärt sich in dem Schreiben auch bereit, für die Tafel 250 Euro zu spenden.

Beuting ist von dieser Lösung nicht ganz überzeugt. „Es ist die Frage, ob eine Gedenktafel die richtige Form ist. Hier ist keine Schlacht geschlagen worden, hier hat eine Kaserne gestanden“, betont der Rathauschef gegenüber dem Tagblatt. Er spricht sich für ein Infoschild aus. Denn: „Der Name Kemmel muss erläutert werden. Damit kann keiner etwas anfangen.“ Marktarchivarin Dr. Marion Hruschka wurde beauftragt, den Text für eine Informationstafel vorzubereiten. Sie hält eine solche für „sinnvoll“.

Eine reine Info-Tafel ist aus Knabs Sicht jedoch „zu unverbindlich“. Hierfür werde er keinen Cent spenden. „Eine Gedenktafel wäre angemessen“, unterstreicht er. Eine solche hätte „einen höheren moralischen-geschichtspolitischen Anspruch“. Und weiter: „Die Toten mahnen uns.“ Knab erinnert daran, dass bayerische Gebirgsjäger den Kemmelberg im belgischen Flandern einst erstürmten. In dieser Schlacht kamen 86 000 deutsche Soldaten, 82 000 Engländer und 30 000 Franzosen ums Leben. Die Helden und Schlachten des Ersten Weltkriegs seien dann von der Kriegspropaganda der Wehrmacht und vom Nazi-Regime vereinnahmt worden, sagt Knab. „Der Name Kemmel diente auch der ideologischen Aufrüstung.“ Die frühere Kaserne, die heute ein Wohn- und Gewerbegebiet ist, bekam ihren Namen Ende der 1930er Jahre. Knab fände es ideal, wenn eine Gedenktafel und ergänzend dazu ein Informationsschild aufgestellt würde. „Der Textentwurf muss aber der interessierten und kundigen Öffentlichkeit vorher präsentiert werden.“ Mit einem wenig profilierten Text sei der Sache nicht gedient.

Knab hat in Murnau schon seine Spuren hinterlassen. Er brachte vor ein paar Jahren die Dingler-Debatte ins Rollen. Im Marktgemeinderat oder einem der Gremien ist Knabs Vorschlag übrigens noch nicht besprochen worden. Dies erklärt Rathaus-Geschäftsleiter Josef Neuner auf Nachfrage. (roy)

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