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Diskutierten um die Gleichwertigkeit von Stadt und Land in Bayern: (v.l.) Prof. Dr. Manfred Miosga, Prof. Dr. Hans-Dieter Allescher, Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer, Jutta Griess und Moderator Götz Braun.

Garmisch-Partenkirchen taucht mehrmals als Fallbeispiel auf

Regionen an den Rändern stärken

Garmisch-Partenkirchen: Gleichwertigkeit von Stadt und Land: Laut einer Studio gehört Garmisch-Partenkirchen zu den bedürftigen Gegenden. Das Fazit: Der Ort muss für junge Menschen attraktiver werden.

Die meisten Bürger Bayerns werden schon nicht mehr wissen, was sie vor zwei Jahren am 15. September 2013 beschlossen haben: Per Volksentscheid haben sie seinerzeit mit großer Mehrheit die Landesverfassung um einen wichtigen Satz ergänzt: Der Freistaat nämlich „fördert und sichert gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern, in Stadt und Land“. Gleichwertig! Daraufhin wurde vom Parlament eine sogenannte Enquete-Kommission ins Leben gerufen, die seit 2014 zwei Jahre lang die Aufgabe hat, über die Verwirklichung dieser höchst anspruchsvollen Forderung nachzudenken: Gleichwertigkeit sowohl am Alpenrand als auch in der Großstadt, in einem Bundesland, das die größten regionale Unterschiede der ganzen Republik aufweist.

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung betraute darum auch den angesehenen Bayreuther Stadt- und Regionalentwicklungs-Professor Dr. Manfred Miosga mit einer Studie darüber, wie dieses Problem zu lösen sei. Und weil darin als eines von mehreren Fallbeispielen auch Garmisch-Partenkirchen vorkommt, lud die Stiftung jetzt ins Dorint-Hotel zur Diskussion darüber, wie auch hierzulande Gleichwertigkeit hergestellt werden könne. Mit Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer, Industrie- und Handelskammer-Gremiumsmitglied Jutta Griess sowie nicht zuletzt Klinikum-Chef Professor Dr. Hans-Dieter Allescher hatte die Stiftung dazu drei Exponenten der Bereiche Tourismus, Gesundheitsregion und Kommunalpolitik aufs Podium gebeten.

Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer: Finanzierungen sind eine Herkulesaufgabe

„Bayern durchläuft derzeit eine gespaltene regionale Entwicklung“, sagte Miosga eingangs, „stark schrumpfende Gebiete stehen boomenden Regionen gegenüber. Damit sich was ändert, fordert die Studie einen aktiv gestaltenden Staat, eine Wiederbelebung der Landesentwicklung. Insbesondere müssen wir uns auf die Stärkung der wirklich bedürftigen Gegenden an den Rändern konzentrieren, wozu auch Garmisch-Partenkirchen zählt“.

Bürgermeisterin Meierhofer nannte es eine Herkulesaufgabe, die sportlichen Highlights finanziell zu stemmen. Bei sinkenden Gewerbesteuern seien auch die Spielbankeinnahmen zurückgegangen, der Ort habe nur wenige Gewerbeflächen, der Konzertsaal sei marode und von den jährlichen 340 000 Euro Kosten des Strauss-Festivals müsse die Gemeinde 300 000 Euro selber stemmen. Der Ort ist aufgefordert, für junge Leute attraktiver zu werden. Die Ideen dafür seien die Stärkung als Gesundheitsregion, die Erweiterung der Berufsfachschule für Pflegekräfte um die Altenpflege und ein Soziales Bildungszentrum, am besten aber eine Hochschule. Mittel dafür wären durch die Leifheit-Stiftung vorhanden.

Eingehend widmete sie sich dann auch der Wohnungsbeschaffung für im Gesundheitsbereich und Tourismus Beschäftigte im künftigen „Team-Resort“, der Verbesserung des Busnetzes, der direkten Bahnverbindung von München bis zum Hausberg. „Und gerade arbeiten wir an einem Konzept für den Fahrradverkehr.“

Jutta Griess erklärte, dass der Ort ja nicht nur eine Tourismusgemeinde sei, sondern auch eine mit 26 000 Einwohnern „und die sollen sich hier wohlfühlen und Arbeit haben. Dazu braucht es noch ein bisschen mehr als nur Tourismus.“ Der sei zurzeit auf einem sehr guten Weg, „aber wir dürfen nicht nur jene betrachten, die hier übernachten, sondern auch den Tagestouristen“. Der müsse halt rein- und rauskommen und nicht in Oberau im Stau stehen. Diese Situation bedarf dringend einer Änderung.“

Dr. Allescher widmete sich schließlich zunächst dem Klinikum, in dem gut gewirtschaftet werde und das glücklicherweise schwarze Zahlen schreiben. Trotzdem seien die Probleme nahezu deckungsgleich mit jenen des Tourismus: Die Verkehrsinfrastruktur sei für sein Haus eine zentrale Sorge, „weil uns weder die Mitarbeiter noch die Patienten erreichen, insbesondere jene aus dem nördlichen Landkreis“. Insbesondere Verkehr und Mobilität seien nicht ausreichend und im Ort fehlten Fahrradwege. Berufsanfänger könnten sich zudem Wohnraum am Ort nicht leisten, zwar am Klinikum selber wohnen, doch das habe eine Art Ghettoisierung zur Folge. Die Generation von heute aber wolle ins Zentrum, am Leben teilhaben.

Wolfgang Kaiser

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