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Ein Dorf wird Wirt: Pilotprojekt nimmt Fahrt auf

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Altenau - Die Wiederbelebung des verwaisten Gasthofs Zur Post in Altenau hat sich die Bürgerschaft des 600-Seelen-Orts zum Ziel gesetzt - dafür laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren.

Die Dorfwirtschaften sind die Seele vieler Gemeinden in Bayern. Da bereitet es Sorge, dass immer mehr Landgasthöfe verwaisen - weil Gäste ausbleiben oder sich keine Wirte mehr finden. Auch in Altenau kennt man diese Situation, seitdem vor über zehn Jahren im Gasthof Zur Post die letzte Halbe Bier ausgeschenkt wurde. Eine Reihe engagierter Bürger, die sich damit nicht mehr abfinden wollten, rief zu Jahresbeginn eine Initiative ins Leben - mit dem Ziel, die Gaststätte zu kaufen, umzubauen und wiederzubeleben.

Die kühne Idee löste eine Welle an Unterstützung und Solidarität aus: Binnen kurzer Zeit gelang es, bei einem Gesamtkostenrahmen von 530 000 Euro die noch offene Finanzierungslücke von 95 000 Euro zu schließen und mit 134 000 Euro, die bis zum Stichtag eingingen, sogar zu übertreffen. Nach Angaben der achtköpfigen Projektgruppe, die dieser Bürgerinitiative vorsteht, gaben rund 100 Privatpersonen sowie auch etliche Vereine entsprechende Absichtserklärungen ab - der überwiegende Teil aus Altenau und Wurmansau. Aber auch „künftige Genossen“ aus den umliegenden Gemeinden, Stammgäste aus dem Rheinland und sogar aus den Niederlanden und Belgien investieren in diese weitum beispielhafte Form von bürgerschaftlichem Engagement.

Nachdem inzwischen die Entscheidung gefallen ist, das Projekt anzugehen, arbeiten die acht Köpfe dieser Bewegung mit Nachdruck an der Umsetzung. Jeden Montagabend kommen Dr. Claus Hornig, Alexander Klein, Johann Niklas, Thomas Bader, Thomas Kuschmierz, Robert Soukup, Peter Urbin und Florian Freisl zusammen. Inzwischen wurden auch Zuständigkeiten verteilt in die vier Bereiche Verwaltung und Organisation, Genossenschaftsgründung, Gastronomie und Bau.

Die Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende März/Anfang April die Gründung der zwei Genossenschaften abzuwickeln. Im Vorfeld muss das Konzept jedoch noch vom Bayerischen Genossenschaftsverband abgesegnet werden. Auch die Eingabeplanung für den Umbau wird vorangetrieben: Hier konnte mit Clemens Böhmer, der in München ein Architekturbüro betreibt, ein „Mann aus dem Dorf“, der in Altenau aufgewachsen ist, gewonnen werden. Bis zum Sommer, wenn alles klappt, soll’s dann losgehen mit dem Bau. Hier wollen die Beteiligten möglichst viel in Eigenleistung stemmen. Vorgesehen ist, in der künftigen Post den Saal auf jeden Fall zu erhalten, wobei die Bühne vergrößert wird. Der Gastbereich soll zusammengelegt und erweitert werden, außerdem will man eine kleine Vermietung mit zehn Betten schaffen. Um hier ein Meinungsbild zu erhalten, unternimmt die Projektgruppe in Kürze Besichtigungstouren in Oberbayern und nach Vorarlberg, wo man sich Gasthöfe und Gästezimmer anschaut. Auch mit fünf Brauereien laufen inzwischen Verhandlungen hinsichtlich Lieferverträge und Inventar.

Damit alle Beteiligten und auch Interessierte stets auf dem Laufenden sind, bedienen sich die Altenauer moderner Kommunikationsmittel - über die Homepage www.ein-dorf-wird-wirt.de sowie in Facebook unter der gleichen Kennung.

Ludwig Hutter

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