Im Telefongespräch mit Kunden gab's bestimmte Methoden

Drogendeals über WhatsApp - Schüler vor Gericht

Garmisch-Partenkirchen - Schwunghafter Handel in 34 Fällen: Ein Schüler (19) vertickt allerlei Rauschmittel und das nicht gerade im kleinen Stil. Wegen kleinerer Diebstähle war er bereits vorbestraft.

Der 19-jährige Schüler aus dem Kreisort räumte rückhaltlos alle Punkte der Anklage ein. Alles andere wäre für ihn ohnehin sinnlos gewesen, denn mehrere Polizisten hatten präzise Ermittlungsarbeit geleistet: Der junge Mann hatte nämlich im vergangenen Jahr in Garmisch-Partenkirchen einen schwunghaften Handel mit Drogen aller Art getrieben. In 34 Fällen verkaufte er an seine jugendliche Kundschaft Rauschgift – Haschisch und Marihuana ebenso wie Amphetamine. Wegen seines Geständnisses und um ihm die weitere Schulausbildung zu ermöglichen, war das Urteil des Jugend-Schöffengericht relativ milde, wenn auch umfangreich: 18 Monate Jugendstrafe, zur Bewährung ausgesetzt, einwöchiger „Warnschuss-Arrest“, ferner 100 Stunden Sozialarbeit und die Pflicht, sich hinfort jeglichen Rauschgift-Konsums zu enthalten, nachzuweisen durch Drogen-Screenings.

Staatsanwalt Michael Steinlein hatte in der Anklage die 34 Fälle der Dealerei eingehend dargelegt: In erster Linie habe der Angeklagte in den ersten Monaten 2014 einem anderen Freund 20-mal 4,5 Gramm Haschisch zum Grammpreis von elf Euro verkauft und in weiteren elf Fällen einen anderem jungen Mann für jeweils 12 bis 15 Euro das Gramm mit je fünf Gramm beliefert. Ferner habe er einem Kunden 40 Gramm Marihuana auf Kommission verkauft und dafür 500 Euro erwartet. Und schließlich habe er, als die Polizei am 6. Februar dieses Jahres zuschlug, ziemlich umfangreiche Drogenbestände besessen: 83 Gramm Marihuana, 22 Gramm Amphetamine und 80 Gramm Haschisch.

Der von Anwalt Rainer Höfer aus Murnau verteidigte 19-Jährige war gut beraten, sofort ein rückhaltloses Geständnis abzulegen. Denn als Zeugen erschienen fünf Polizeibeamte, die sämtliche Details der Anklage erforscht hatten – entweder durch Beobachtungen und Befragungen oder auch durchs richterlich genehmigte Abhören von Telefonaten. Sie wussten auch die Methode der Mengenangabe des Stoffs: Wenn der Kunde am Telefon sagte „habe 50 Minuten Zeit“, hieß dies, dass er für 50 Euro Marihuana wollte. Ähnlich lief es über den Handy-Kurznachrichtendienst „Whats App“, der ebenfalls der Drogen-Kontaktpflege diente.

Der wegen ein paar kleinerer Diebstähle viermal vorbestrafte Angeklagte, der laut eigener Angabe ebenfalls Drogen konsumiert und sechs Gramm pro Woche geraucht hatte, könne „als letzte Chance“ mit einer Bewährungsstrafe bedacht werden – samt Suchttherapie verbunden mit Drogenscreening und Sozialarbeit –, sagte Jugendgerichts-Gutachterin Petra Steinsky. Genauso geschah es: Vorsitzender Richter Stefan Lindig verkündete eineinhalb Jahre Jugendstrafe, für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, dazu eine Woche „Warnschuss-Arrest“, sowie sechs Drogengespräche verbunden mit der durch vier Screenings nachweisbaren Pflicht, sich jeglichen Rauschgifts zu enthalten – und nicht zuletzt 100 Stunden Sozialarbeit.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © afp

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