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Wer Marihuana konsumiert hat, soll und darf nicht Autofahren.

Besorgniserregende Entwicklung

Immer mehr Autofahrten unter Drogen

In den vergangenen Monaten häuften sich im Bereich der Polizeiinspektion Murnau Meldungen über Fahrten unter Drogeneinfluss. Klaus Schürgers ist Leiter des Operativen Ergänzungsdiensts (OED) in Murnau und erklärt, wie Beamte vorgehen, wenn sie einen berauschten Fahrer erwischen.

Landkreis– 2015 waren es drei Drogendelikte am Steuer, 2016 bis zum Jahresende 23. Das ist schon ein denkwürdiger Anstieg von Fällen, in denen es um die Personen geht, die im Bereich der Polizeiinspektion Murnau mit Drogen am Steuer erwischt wurden. Die Zahlen stammen von Joachim Loy, dem Leiter der Murnauer Dienststelle. In den meisten Fällen waren Marihuana und Haschisch im Spiel, vereinzelt auch Amphetamine.

Klaus Schürgers ist Leiter der Dienststelle des operativen Ergänzungsdiensts (OED) in Murnau. Dessen Mitarbeiter sind in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen im Einsatz. Er vermutet, dass der Anstieg mit den vermehrten Kontrollen durch junge Kollegen zu tun haben könnte. Diese hätten ein Jahr lang an einer Schulung teilgenommen. Schwerpunkt sei 2016 das Erkennen von Drogendelikten gewesen. Wegen der auffallend hohen Anzahl von Drogenvergehen am Steuer werde man dieses Programm fortsetzen. Schließlich könnten Autolenker, Rauschmittel konsumiert haben, schwerwiegende Folgen für den Straßenverkehr haben und Ursache für den ein oder anderen Unfall sein. Zur Dunkelziffer kann Schürgers jedoch keine Einschätzung abgeben.

Die Kontrollen erfolgen aus dem fließenden Verkehr heraus. Schürgers sagt jedoch, „Zufall“ sei das falsche Wort. Oft erkenne man, ob sich jemand unsicher verhalte oder ob er sozusagen aus dem „Raster“ falle. „Dafür braucht es aber ein geschultes Auge.“

Auch Joachim Loy weiß: Die Intuition des Beamten ist nicht zu unterschätzen. Kommt es zu einer Verkehrskontrolle, sprechen die Polizisten die Fahrer explizit auf einen möglichen Drogen- oder Alkoholkonsum an. „Die Beamten erkennen, wie der Fahrer reagiert und aussieht, Ob er rote Augen, erweiterte Pupillen hat, ob er sich unruhig oder zittrig verhält.“

Auch Schweißausbrüche oder ein unsicherer Gang könnten Hinweise geben, sagt Schürgers. Riechen könne man es eher nicht, wenn jemand unter Drogeneinfluss steht. Es sei generell alles etwas schwieriger als wenn es um Alkohol am Steuer geht.

Ein Haut- oder auch ein Urintest liefert mittels einer chemischen Reaktion dann sofort Gewissheit, ob Drogen konsumiert wurden. Der wird normalerweise im geschützten Bereich vorgenommen, kann aber vor Ort erfolgen, wenn der Fahrer einverstanden ist.

Der nächste Schritt sieht so aus: Wird ein Urintest verweigert, können die Polizisten einen Bluttest anberaumen, wenn Hinweise vorliegen, die dies rechtfertigen. Aber auch nach einem Schnelltest wird zum Beweis Blut entnommen. Kommt es zu einem positiven Ergebnis, muss geprüft werden, ob ein Fall nach dem Paragraphen 316 vorliegt (Ausfallerscheinungen während der Fahrt, Schlangenlinien und anderes Symptome). Bei diesem drohen unter anderem Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr. Ist dies nicht der Fall, liegt eine Ordnungswidrigkeit vor und der Fahrer muss mit einer Geldbuße und einem Führerscheinentzug rechnen, der normal bei einem Monat liegt.

Dessen Dauer kann sich bei wiederholtem Delikt laut Schürgers verlängern. So oder so wird die Führerscheinbehörde informiert.

Ob eine medizinisch-psychologische Untersuchung angesetzt wird, die für die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis nötig ist – der berühmte „Depperltest“ –, ist laut Schürgers Sache der Führerscheinbehörde. Das Bußgeld werde bei mindestens 500 Euro liegen. Bei einer Straftat wie einem durch Drogeneinfluss verursachten Unfall sei die Höhe der Summe Sache des Gerichts. Werden beim Fahrer Drogen gefunden, kommt es zusätzlich zu Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Klaus Neuner, Rauschgiftsachbearbeiter bei der PI Murnau, stört die Bagatellisierung bei diesem Thema: „Das Problem wird verharmlost. Die wollen Party, Party, Party machen, nehmen so Zeug, und wenn sie erwischt werden, sagen sie, das ist halt so.“ Aber Autofahrer unter Drogeneinfluss gefährden nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Für Neuner besonders besorgniserregend. In mindestens einem Drittel der Fälle, in denen er ermittelt, sind die Beschuldigten unter 18 Jahre alt. Laut Schürgers sind ein Großteil der „Drogenfahrer“ zwischen 18 und 25 Jahre alt.

Im Bereich der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen, zu dem auch Grainau und Oberammergau gehören, ist die Entwicklung hingegen anders verlaufen. Wie der stellvertretende Inspektionsleiter Siegfried Leyrer erklärt, hätten die Fälle von Fahrten unter Drogeneinfluss in den vergangenen zwei Jahren abgenommen. 2015 seien es 23 gewesen, 2016 dann 18. Solche Zahlenangaben sind seiner Meinung nach grundsätzlich nicht sehr aussagekräftig. Die rückläufige Entwicklung erklärt Leyrer damit, dass zwar die Kontrolldichte unverändert bleibe, viele der Drogenkonsumenten aber lieber auf den Führerschein verzichteten und ihn abgäben, als auf ihre Angewohnheit.

Franziskus reich, Luca von Prittwitz und Michaela Sperer

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