Sebastian Gut ist seit einigen Monaten Streetworker in Murnau. F.: fn

Drogenproblematik "sticht heraus"

Murnau - Seit April 2013 ist Sebastian Gut als Streetworker in Murnau unterwegs. In einer ersten Zwischenbilanz betont er unter anderem: Die Drogenproblematik „sticht heraus“ in Murnau.

Zunehmende Alkoholexzesse und ein steigender Drogenkonsum in Murnau haben die Gemeinde dazu bewogen, einen Streetworker zu engagieren. Er soll Kontakt zu den Jugendlichen aufnehmen und langfristig vor allem helfen, das Drogenproblem in den Griff zu bekommen. Seit April 2013 ist Sebastian Gut deshalb im Ort unterwegs - überall dort, wo sich junge Leute treffen; etwa am Bahnhof, in der Murnauer Bucht oder im Kurpark, der offenbar bereits im Ruf steht, ein regelrechter Drogenumschlagplatz zu sein. Was ihm in den ersten Monaten aufgefallen ist, erklärte Gut in einer Zwischenbilanz vor dem Sozial- und Schulausschuss.

Die Drogenproblematik „sticht heraus“ in Murnau, sagte er in der Sitzung. Mittlerweile habe er zwar Kontakte zu den jungen Leuten geknüpft, spreche mit ihnen auch über ihre Probleme mit Schule oder Eltern und über berufliche Perspektiven. Aber beim Thema Alkohol und Drogen „öffnen sie sich mir noch nicht so“. Dazu sei er nicht lange genug vor Ort. Gut hofft, das noch fehlende Vertrauen in den nächsten Monaten so weit aufgebaut zu haben, um diese sensiblen Themen anzusprechen. „Das ist mein Ziel, aber versprechen kann ich nichts.“

Schon jetzt haben sich die Jugendlichen bei Gut allerdings über zu viel Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit beklagt. Regelmäßig würden sie kontrolliert, wenn sie sich beispielsweise im Kurpark treffen. „Es ist schade, wenn sich Jugendliche in einer Gemeinde an den Rand gedrängt fühlen.“ Um ihr Bier nicht mehr im Freien trinken zu müssen, wünschen sie sich laut Gut „einen Ort, wo man kontrolliert und günstig ein oder zwei Bier trinken kann“.

Dass Jugendliche unter 16 Jahren Alkohol konsumieren wollen, stieß bei den Anwesenden auf kein Verständnis. Dennoch wurde darüber gesprochen, was man tun könnte, „damit sich die Jugendlichen angenommen fühlen“, so Elisabeth Hoechner (SPD). Gut plädierte für einen „Dialog zwischen Gemeinde und Jugendlichen, die anecken“. Wenn man die jungen Leute einbeziehe, könne man vielleicht auch Ärger bei Abschlussfeiern verhindern, wie es ihn im vergangenen Jahr gegeben hatte. Damals war eine Feier am See nach Angaben von Bürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) „massiv aus dem Ruder gelaufen“. Heuer will Rapp vor den Festen Kontakt mit Schulen und Polizei aufnehmen.

Was die künftige Arbeit von Streetworker Gut betrifft, der heuer etwa einen Jugendveranstaltungs-Kalender mit jungen Murnauern entwerfen will und eine Aktion gegen Schulschwänzen plant, versicherte Rapp: „Diese Maßnahme wird sicherlich weiter die Unterstützung des Marktgemeinderats finden.“

Exzessiver Alkoholkonsum (Komasaufen) und Drogen seien durchaus ein Problem bei den Jugendlichen in Murnau, bestätigt Klaus Neuner von der örtlichen Polizeiinspektion auf Anfrage. Der Kurpark sei dafür ein beliebter Treffpunkt. Aber als Drogenumschlagplatz würde er den Park trotzdem nicht bezeichnen. „Das wäre übertrieben“, sagt der Polizeioberkommissar auf Nachfrage und versichert: „Der Druck auf die Drogenkonsumenten durch die Polizei ist hoch.“ Dank „Kontrollen auf hohem Niveau“ habe man die Situation recht gut im Griff. Jeder könne also beruhigt in den Kurpark gehen. Die Zahl der jährlich registrierten Drogendelikte sei im gesamten Dienstbereich der PI Murnau, also dem nördlichen Landkreis sowie einem Teil des Ammertals, in den vergangenen Jahren mit rund 70 pro Jahr in etwa gleich geblieben. Und was wird konsumiert? „In Murnau gibt es grundsätzlich alles“, sagt Neuner. Amphetamine seien aber verstärkt im Kommen, außerdem sogenannte Kräutermischungen als Ersatz für Marihuana. „Die sind sehr gefährlich“, warnt Neuner. Zudem werden die Jugendlichen, die mit Drogen erwischt werden, immer jünger. Schon 12- oder 13-Jährige seien von der Polizei aufgegriffen worden.

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