Bald nicht mehr möglich? Über 250 Kinder pro Woche besuchen allein schon durch die Schwimmschule Simmeth das BRK-Bad am Garhöll in Murnau. Foto: Fotolia/MM

Droht letztem Schwimmbad auch das Aus?

Murnau - Wegen eines Gasaustritts musste das Schwimmbad im BRK-Ruhesitz am Garhöll am Donnerstag gesperrt werden. Wie in diesem Zusammenhang auch bekannt wurde, liebäugelt das BRK aber bereits seit längerem wegen zu hoher Kosten mit einer endgültigen Schließung des Bades. Für Schwimmschulen, andere Kursanbieter, Eltern und Kinder ein herber Schlag.

Im BRK-Heim am Garhöll überschlagen sich die Ereignisse. Es war Donnerstagmittag, als Alarm in der Leitstelle einging. Im Technikraum des Schwimmbades im BRK-Seniorenwohnen Ruhesitz Staffelsee war es laut Polizei zu einem Chlorgasunfall gekommen. Durch die gesundheitsgefährdenden Dämpfe seien zwei Mitarbeiter leicht verletzt und mit Atembeschwerden in die Unfallklinik eingeliefert worden. Da keinerlei Gefahr für die Heimbewohner bestand, habe man von einer Evakuierung abgesehen, hieß es seitens der Beamten. Die Feuerwehr Murnau, mit 21 Mann vor Ort, habe in Schutzanzügen nach der Ursache gesucht. Die Ermittlungen dauerten an.

Deshalb ist das Schwimmbad jetzt auf alle Fälle einmal bis 26. Juni geschlossen. Doch ob es überhaupt jemals wieder geöffnet wird, das steht in den Sternen. Das BRK beabsichtigt nämlich schon seit längerem, das 40 Jahre alte Becken aufzugeben. Denn, unabhängig vom aktuellen Unfall, seien umfangreiche Investitionen von mindestens 70 000 Euro notwendig, erklärt Heimleiter Martin Herber. Die BRK-Sozialservice-Gesellschaft könne das nicht mehr schultern, zumal das Bad von den teils sehr pflegebedürftigen Heimbewohnern kaum mehr genutzt werde.

Nach der Schließung des Hotel Ludwig am Seidlpark und damit des dortigen Bades würde das bedeuten, dass das letzte in dieser Form auch für die Öffentlichkeit zugängliche Hallenbecken in Murnau verschwindet. Für Schwimmschulen, Anbieter von Aqua-Fitnesskursen, ob privat, über AOK oder Volkshochschule, eine niederschmetternde Nachricht. „Wir haben dort insgesamt pro Woche 250 Kinder“, sagt Sabina Simmeth von der Schwimmschule Simmeth. „150 Kinder in Kursen, vier Gruppen Babyschwimmen, 13 Gruppen fürs allgemeine Schwimmtraining, dazu Mutter-Kind-Gruppen und vieles mehr. „Das alles geht nur in einem Hallenbad“, betont Simmeth. Am Donnerstag und am Freitag waren sie und ihre Kollegin Kerstin Wasmundt permanent dabei, die Kursteilnehmer zu informieren und Termine abzusagen. Schnell mal Ausweichen auf ein anderes Bad, sei nicht möglich. „Mit der Entscheidung über die endgültige Schließung des BRK-Bades steht und fällt auch die Entscheidung über die Schließung der Schule“, sagt Simmeth. „Doch das ist nicht nur für uns schrecklich. Wenn man die Zahl der Kinder in Deutschland betrachtet, die nicht schwimmen können, dann kann sich Murnau glücklich schätzen, ein solches Bad noch zu haben.“ Auch Christiane Legelli geht es nicht anders. Die Aqua-Fitness-Trainerin im Präventions- und Reha-Bereich schätzt die Anzahl ihrer Kursteilnehmer, die teils über die Volkshochschule zu ihr ins BRK-Bad kommen, ebenfalls auf rund 250 pro Woche. Täglich verbringt sie dort mehrere Stunden, auch für sie wäre das Aus eine Katastrophe.

Das BRK sei sich der Bedeutung des Bades für die Öffentlichkeit durchaus bewusst, betont Herber. Es sei schließlich zu 80 Prozent von extern belegt, am Freitagvormittag sei es sogar für jedermann zugänglich. Deshalb liefen in punkto Kostenbeteiligung seit längerem Gespräche mit Gemeinde.

Dies bestätigte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) auf Anfrage des Tagblatts. „Ich würde mir den Erhalt schon sehr wünschen. Ich sehe auch, dass das Bad eine wichtige Rolle übernimmt.“ Mittlerweile lägen der Gemeinde konkrete Zahlen als Grundlage für weitere Beratungen vor. In Sachen viel diskutierter Schwimmbad-Neubau seitens der Gemeinde ist laut Beuting derzeit eine Machbarkeitsstudie am Laufen. Hier lägen aber noch keine Ergebnisse vor. Damit rechnet Beuting im Herbst. (sp)

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