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Wird der neue Hauptsitz der EGO Dichtstoffwerke: An die Produktionsstätte in Kaltenbrunn verlagert das Unternehmen nun auch die Verwaltung und das Labor.

Qualifizierte Arbeitsplätze entstehen

Kreide-Firma verlegt Hauptsitz nach Kaltenbrunn

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Kaltenbrunn - Für Garmisch-Partenkirchen ist’s eine echte Freudenbotschaft. Die EGO Dichtstoffwerke, ein Unternehmen, das Kitt-, Silicon- und Butylprodukte herstellt, verlagern ihren Hauptsitz von Gilching nach Kaltenbrunn. 

Das Gestein – einmalig. „Und zwar weltweit“, betont Ewald Goldmann. Die amorphe Bergkreide, die er aus seinem Steinbruch in Kaltenbrunn fördert, zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie sich gut mit Öl binden lässt. Ein Phänomen, dass schon Goldmanns Großvater Emil erkannte, der die 400 Jahre alten Kreidebrüche 1925 erworben hatte. Während er den Rohstoff vor allem für die Herstellung von Dämmmaterial einsetzte, nutzte Ewald Goldmann, der Vater des jetzigen Geschäftsführenden Gesellschafters, die besondere Kreide aus dem Garmisch-Partenkirchner Ortsteil zur Kittproduktion. Eine entsprechende Firma gründete er 1947 in München und damit begann die Erfolgsgeschichte der EGO Dichtstoffwerke.

Noch haben diese ihren Hauptsitz in Gilching (Landkreis Starnberg). Schon länger erwägt Goldmann aber, alles am Ursprungsort in Kaltenbrunn zu vereinen. Dort wird aktuell der Rohstoff gefördert und weiterverarbeitet – von 63 Mitarbeitern. Nachdem er diesen Schritt aber sozialverträglich gestalten und niemand von seinem Personalstamm zum Umzug zwingen wollte, wartete er einen Generationswechsel ab. Und der steht jetzt bevor: „Ich hoffe, dass der ganze Umzug in den nächsten vier Monaten abgeschlossen ist“, sagt der 61-Jährige. „Teilweise werden die Leute gerade noch in Gilching geschult, um dann einen reibungslosen Übergang zu haben.“ Auch in der Chefetage gab es in jüngster Vergangenheit einen Wechsel: Nach dem Ausscheiden von Heinz Ohm komplettieren nun Goldmanns Töchter – Diplomkauffrau Stephanie und Petra, die einen Master in Chemie hat, – die Geschäftsführung. Dass sich beide für die Firma engagieren, nennt der Münchner „einen Glücksfall“. Worte, aus denen man heraushört, wie stolz er darauf ist, dass sich die Firma in vierter Generation in Familienbesitz befindet. Heutzutage „ist das ungewöhnlich“.

Zwischen 90 und 100 Mitarbeitern beschäftigt das Unternehmen, das mittlerweile Dichtstoffe aus Kitt, Silicon und Butyl herstellt. Per Zeitungsanzeigen und auf anderen Kanälen wurde in den vergangenen Wochen Verstärkung für Kaltenbrunn gesucht. „Leute zu finden, ist kein Problem“, unterstreicht Goldmann. Im ehemaligen Kieswerk sind auf 250 Quadratmetern bereits die Büroräume entstanden, „die jetzt noch eingerichtet werden“. Auch das neue Labor steht.

Dass sich die Goldmanns entschieden haben, ihren Firmensitz nach Kaltenbrunn zu verlagern, nennt Oliver Steinbach, Wirtschaftsförderer der Marktgemeinde, „sehr erfreulich“. Neben den Gewerbesteuern, die durch diesen Umzug in die Gemeindekasse fließen, sind es vor allem die qualifizierten Arbeitsplätze, die ihn begeistern. „Das sehe ich als Riesenplus an.“ Deshalb haben sich er, seine Kollegen sowie natürlich Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) entsprechend hineingekniet, um den EGO Dichtstoffwerken diesen Schritt zu erleichtern – vor allem bei infrastrukturellen Fragen.

Eine, bei der sie nicht helfen konnten, ist die unzureichende Verkehrsanbindung. „Natürlich würden wir den Wanktunnel begrüßen“, sagt Goldmann. Mit drei Lkw, die im Schnitt täglich das Werk in Kaltenbrunn verlassen, kommt er aber auch ohne die Umfahrung zurecht. „Der Standort ist nicht ideal, aber der Kreidesteinbruch ist eben hier“, betont der EGO-Chef. Aus dem gelangt der Rohstoff direkt in die Mühle und fließt dann in die Silos – „mehrere hundert Tonnen pro Jahr“. Dann wird er zu Kitt in verschiedensten Formen verarbeitet und kommt in der Butyl-Herstellung zum Einsatz. Die Produktpalette des Unternehmens ist enorm. „Es gibt eigentlich nichts“, sagt Goldmann mit einem Schmunzeln, „wofür man unsere Dichtstoffe nicht braucht.“ Spätestens bei der Hochzeit wird das jedem bewusst, wenn er nämlich ein Butylband des Kaltenbrunner Unternehmens nutzt, um das Brautgesteck am Auto zu befestigen.

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