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Das Lux-Gebäude am Seidlpark gewinnt keinen Schönheitspreis, hat aber eine gewisse ortsgeschichtliche Bedeutung.

Immobilienprojekt am Murnauer Seidlpark

Ehemaliges Lux-Gelände: 14 Wohnungen statt drei Doppelhäuser

Murnau – Kehrtwende bei einem Bauprojekt am Nordrand des Murnauer Seidlparks: Der Eigentümer des Lux-Areals will den alten Gebäudebestand nun doch nicht abreißen und drei Doppelhäuser hinstellen. Stattdessen will er den Komplex sanieren und darin 14 Wohnungen unterbringen.

Der Murnauer Bauausschuss stimmte dem Vorhaben kürzlich zu. Wieso Eigentümer Helmut Pfaffenberger umplante, bleibt etwas unklar. Von ihm ist keine Stellungnahme zu erhalten. Nach Tagblatt-Informationen soll es mit dem Geh- und Fahrtrecht zusammenhängen. Hier gab es dem Vernehmen nach Debatten mit den Behörden. Auch Marktbaumeister Klaus Tworek will sich zu diesem Punkt nicht äußern. Wie auch immer: Das Marktbauamt hat kein Problem mit der neuen Planung. „Ich sehe das als adäquate Ersatzmöglichkeit“, sagte Tworek dem Tagblatt. Es könne für einen Eigentümer interessant sein, die alte Bausubstanz weiter zu verwenden. Das Gebäude habe auch eine gewisse ortsgeschichtliche Bedeutung.

Der moderne Industriebau wurde im Kern zu Beginn der 1950er Jahre errichtet. Auch die Ausschussmitglieder stimmten dem Umbau und der Umnutzung einmütig zu. Allerdings sei vom Landratsamt zu überprüfen, ob sich die 14 Wohnungen noch in die nähere Umgebung einfügen. Deren Größe bewegt sich zwischen 70 und 171 Quadratmetern. Diskussionen gab es dann bezüglich der Stellplätze. CSU-Vertreter Johann Scherrer hätte gern, dass eine Tiefgarage gebaut wird. Alle anderen befürworteten allerdings, dass der Antragsteller von der Ortsgestaltungssatzung (OGS) abweichen darf. Im Vorbescheid sind 25 Stellplätze angegeben. Die OGS besagt, dass je Grundstück nicht mehr als zehn Parkplätze angelegt werden dürfen. Da jedoch der Gewerbebetrieb 31 Abstellmöglichkeiten hatte und die Fläche bereits vollständig versiegelt ist, befürworteten die Räte mit Scherrers Gegenstimme die Abweichung. Auf einer Tiefgarage zu beharren, weil sich die Nutzung ändert, sei „zu viel des Guten“, meinte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Der Aufwand wäre „unverhältnismäßig groß“, fand auch seine Stellvertreterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler). Fünf bestehende Fertiggaragen sollen gemäß der Planung abgerissen werden.

Zur Vorgeschichte: Die Lux Plastic GmbH produzierte in dem Industriebau früher Büro-Produkte. Die Gesellschaft, die aus dem legendären Verlag Sebastian Lux hervorgegangen war, musste dann vor zwölf Jahren Insolvenz anmelden. Die heutige Lux GmbH vertreibt nur noch Büroorganisations-Artikel. Das Büro befindet sich mittlerweile in Riegsee. Über die künftige Nutzung des Areals gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Debatten. Die Marktgemeinde hätte eigentlich gerne gesehen, wenn dort ein Hotel hingekommen wäre. Aus diesen Plänen wurde allerdings nichts. 2011 stellte sich dann heraus, dass das Areal wohl dem Innenbereich zuzuordnen ist. Das machte letztlich den Weg für eine Bebauung frei. 2013 stimmten die Murnauer Räte grundsätzlich zu, dass auf dem Lux-Areal drei Doppelhäuser errichtet werden können.

Roland Lory

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