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Gehören zum Murnauer Ortsbild: Gäste aus arabischen Ländern, hier im Untermarkt. Sie begleiten Angehörige, die sich in der Unfallklinik behandeln lassen.

Fleisch auf der Herdplatte

Eigenheiten arabischer Gäste schrecken Vermieter ab

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Murnau - Familienclans begleiten arabische Unfallklinik-Patienten nach Murnau – ein lukratives Geschäft für Vermieter. Doch bei ihnen gibt es auch Vorbehalte. Diese wollen Vertreter von Tourist-Info und Klinik ausräumen. 

Mit den arabischen Patienten an der Unfallklinik kommen Familienclans nach Murnau – doch das Tourismusgewerbe gibt mitunter nicht genügend passende Unterkünfte für diese Klientel her. Speziell die Schließung des Hotels Ludwig, das wegen der Nähe zur berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik bei Arabern hoch im Kurs stand, macht sich schmerzlich bemerkbar. Und manche Vermieter im Ort winken teilweise ab, weil sie Probleme befürchten durch Gäste aus einem völlig anderen Kulturkreis mit fremden Sitten und Gebräuchen. Andere indes setzen aktiv auf den lukrativen Markt und bedienen diesen gezielt. Murnaus Tourismus-Verantwortliche und Unfallklinik betreiben nun Aufklärungsarbeit und geben Tipps – mit dem Info-Abend über „Arabische Gäste“ am Dienstagabend (18.30 Uhr, UKM). Das Interesse ist riesig: Vertreter von rund 60 Betrieben aus der Region haben sich angemeldet.

Darunter: Regina Samm, die das Murnauer Hotel Angerbräu betreibt und sich neue Erkenntnisse erhofft. „Sicher 30 Prozent“ ihrer Kunden kommen aus arabischen Ländern, „nur Angehörige von Unfallklinik-Patienten“, sagt Samm. Diese stellen damit eine wichtige Säule ihres Betriebs dar: teils große Clans, die über einen längeren Zeitraum bleiben. „Sie sind für uns ein Wirtschaftsfaktor, ohne sie würde uns etwas fehlen.“ Man müsse sich auf diese Gäste einlassen und Verständnis haben. Da reise schon mal jemand mit 16 Koffern an. Manches kann Samm indes nicht akzeptieren – wenn Araber etwa im nicht dafür eingerichteten Hotelzimmer zu kochen beginnen oder eine Kinderschar nachts lärmend herumtobt.

Ziel des Info-Abends: Vorurteile und Barrieren entkräften

3500 dieser Besucher allein aus den für den Ort wichtigsten Ländern Kuwait und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) hat die Tourist-Info in den vergangenen drei Jahren in Murnau registriert – allesamt Patienten-Angehörige. Sie bescherten dem Ort über 42 000 Übernachtungen und blieben im Schnitt zwölf Tage. Top-Jahr war 2014, als Kuwait über 27 Prozent und die VAE mehr als 20 Prozent der Besucher stellte. 2015 machte sich der Hotel-Ludwig-Effekt bemerkbar, es gab deutliche Rückgänge. „Die Nachfrage ist nach wie vor da, aber wir können sie nicht mehr so abdecken wir vorher“, sagt Alexandra Sichart, Vize-Leiterin der Tourist-Info. Deshalb hoffe man, dass beim Info-Abend „Vorurteile sowie Barrieren entkräftet“ werden – und weitere Vermieter arabische Gäste aufnehmen. Denn natürlich: Es gab negative Erfahrungen, bedingt durch den fremden Kulturkreis. Sichart weiß von Arabern, die Fleisch direkt auf der Herdplatte brutzelten, Feuer auf dem Boden machten, weil sie’s nicht anders kannten, und Räucherstäbchen entzündeten, deren Geruch sich kaum beseitigen ließ. Deshalb habe man Vermieter, die eine Kaution verlangten – für den Fall, dass sie nach der Abreise renovieren müssen.

Arabische Gäste sind anspruchsvoll

Samm traf auf nette Gäste („Es gibt Leute, die okay sind“), machte aber auch Erfahrungen mit unzuverlässigen Buchern: Arabischen Gäste reservierten Zimmer und trafen nie ein. Doch es gibt eben auch die andere Seite: „Diese Gäste lassen viel Geld in Murnau“, betont Tourist-Info-Chef Philip Schürlein. „Das ist durchaus ein Markt.“ Doch es braucht weitere geeignete Unterkünfte. Die Gruppen, die eher große Appartements bevorzugten, träfen oft „sehr spontan“, ohne Buchung, ein und müssten dann untergebracht werden. Und Schürlein weiß: „Es handelt sich um anspruchsvolle Gäste.“

Fünf bis zehn Angehörige bringe ein arabischer Patient in etwa mit, erklärt Dr. Oliver Trapp, der sich in der Unfallklinik als Leitender Arzt in der Abteilung für Spezielle Unfallchirurgie und Orthopädie schwerpunktmäßig um die Betreuung ausländischer Patienten auf der Privatstation kümmert. Er wird beim Info-Abend Fragen beantworten. In seinem Haus hat sich viel Erfahrung mit diesen Menschen angesammelt, von der die Vermieter profitieren sollen. Grundsätzlich gilt: Arabische Patienten haben „ganz andere Ansprüche als deutsche“, sagt Trapp. So werde pro Person ein Zimmer benötigt. Aktuell betreut das Haus rund 50 ambulant oder stationär. Generell stammen sechs bis acht Prozent aller UKM-Patienten aus Nicht-EU-Staaten. Das sind in der Regel arabische Länder, in denen die Klinik einen guten Ruf besitzt, weil sie in vielen schweren Fällen helfen konnte. Die Zahlen sind über die Jahre gestiegen, nun sollen sie nach Angaben Trapps nicht weiter anwachsen – damit das Haus seinem Versorgungsauftrag gerecht werden könne.

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