Neu trifft Alt: Neben dem historischen Mittenwalder Bahnhofsgebäude entsteht im Frühjahr ein Ärztehaus, ein nüchterner und moderner Zweckbau. Grafik: Steinert Architekten GmbH

"Ein Quantensprung": Gemeinderat segnet Ärztezentrum ab

Mittenwald - Mit 17:2 Stimmen hat der Mittenwalder Gemeinderat den Bau eines Ärztezentrums auf dem Bahnhofsgelände abgesegnet.

Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) ist absolut sicher: „Das ist ein Quantensprung für die medizinische Versorgung des Oberen Isartals und Seefelder Plateaus.“ Damit zielt der Mittenwalder Rathauschef auf das geplante Ärztezentrum der Schwind GmbH in der Bahnhofs-Peripherie ab. Das Millionen-Vorhaben fand im Marktgemeinderat eine breite Zustimmung. Lediglich Sepp Zunterer und Georg Seitz (beide Vereinigung der Freien Wähler Mittenwald/VFM) konnten sich mit dem 16,9 mal 16,9 großen Komplex, geplant vom Garmisch-Partenkirchner Architekten Eberhard Steinert, nicht anfreunden.

„Zu großkotzig“ findet Seitz den quadratischen Bau mit flachem Sattel- und angegliedertem Flachdach. Zudem behagt ihm die Tasache, dass das dreigeschossige Ärztehaus von der Ortsgestaltungs-Satzung befreit wurde, überhaupt nicht. Denn jeder kleine Bürger müsse etwa beim Speicherausbau um jedes Grad mehr bei der Dachneigung kämpfen. Nicht so bei den Bauwerbern des Medizinzentrums. „Es ist bestimmt ein Meilenstein“, erkennt auch Seitz an, „aber wir sollten deshalb nicht alle Augen zudrücken“. Hatte er deswegen schon im Juni bei der Konzeptpräsentation dagegen votiert, fand Seitz nun in Fraktionskollegen Zunterer plötzlich einen Gleichgesinnten. Je länger er den Entwurf betrachte, desto weniger gefältt ihm das Bauvorhaben. „Man hätte es anders planen müssen“, konstatiert der Alpenrose-Wirt, zumal es in der modernen Version einfach nicht zum Bahnhof aus der Jugendstilzeit passe.

Ansonsten stieß das Ärztehaus der Schwind GmbH, die derzeit den ebenfalls erworbenen Bahnhof komplett neu gestaltet, auf positive Resonanz. „Klar mussten wir gewisse Ausnahmen genehmigen“, räumte Bürgermeister Hornsteiner ein. „Auch in Sachen Farbgestaltung gibt es noch den einen oder anderen Spielraum.“ Trotzdem sei es gelungen, „einen modernen und zweckmäßigen Baukörper zu integrieren“. Dieser misst an seinem höchsten Punkt 11,50 Meter, weist eine verputzte Fassade mit Fensterbändern und eine Tiefgarage mit 17 Stellflächen auf. Der besondere Coup: Der Schind-Neubau (Ärztehaus) ist mit dem Schwind-Altbau (Bahnhof) via gläsernen Steg im ersten Stock verbunden. Äußeres Merkmal für eine architektonische Synthese.

Signifikant ist an dem Medizinzentrum, das zum Leidwesen vieler Traditionalisten keinen Dachüberstand vorweist, der Äskulap-Stab auf der Westfassade. Dieser dient in erster Linie ästhetischen Zwecken am Scharnier zwischen den zwei Gebäuden.

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