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"Ein Segen für den Landkreis"

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Vermisst das Wir-Gefühl: Olympia-Sieger Klaus Wolfermann (stehend) zeigt sich, umrundet von den Mitarbeitern der Bewerbungsgesellschaft (v.l.) Cornelia Plätzer, Verkehrsplaner Michael Mangold und Sportstättenplaner Michael Vogt, enttäuscht von Murnau. Foto: sperer
Vermisst das Wir-Gefühl: Olympia-Sieger Klaus Wolfermann (stehend) zeigt sich, umrundet von den Mitarbeitern der Bewerbungsgesellschaft (v.l.) Cornelia Plätzer, Verkehrsplaner Michael Mangold und Sportstättenplaner Michael Vogt, enttäuscht von Murnau. Foto: sperer

Murnau - Die Winterspiele 2018 haben es nicht geschafft, die Murnauer hinter ihren warmen Öfen hervorzulocken. Nur rund 150 Besucher waren zu der Info-Veranstaltung gekommen.

Klaus Wolfermann stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Am Ende der Olympia-Informationsveranstaltung am Mittwoch im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum ließ es sich der Goldmedaillengewinner im Speerwerfen (1972 in München) nicht nehmen, diese kundzutun. Hier in Murnau fehle ihm die Begeisterung, der olympische Funke: „Ich vermisse das Wir-Gefühl“, meinte er angesichts der von Kritikern geprägten Diskussion. Natürlich musste der Sportler das sagen. Schließlich saß er in den Reihen derer, die gekommen waren, um die Winterspiele als Nonplusultra anzupreisen. Der Großteil der rund 150 Anwesenden bestand jedoch aus Vertretern jener Gruppierungen, die mit Kritik schon in der Vergangenheit nicht gespart hatten.

Und so hatten die Befürworter, allen voran Staatsminister Siegfried Schneider (CSU), jede Menge Positives dabei. Die freundlichen Spiele sollen es werden, die nachhaltigsten und ökologischten überhaupt. Nur ein einziges Bauwerk müsse fest errichtet werden, alle anderen seien temporär erbaut, die Landschaft werde wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. „Für den Landkreis und auch für Murnau ergeben sich mehr Chancen als Risiken. Das ist ein Segen für die Infrastruktur“, betonte er. Der Kreis profitiere mit einer geschätzten Kaufkraft von rund 500 Millionen Euro, von 1,5 Milliarden für die Infrastruktur und von 1,3 Milliarden für die Veranstaltung der Spiele. Außerdem rücke die Umsetzung der von Gemeinden oder Kreis bereits beantragten Projekte (Wanktunnel) in greifbare Nähe.

Neues hatte Michael Mangold, Verkehrsplaner bei der Bewerbungsgesellschaft München 2018, mitgebracht. Den Murnauern drohe in den vier Wochen Olympia und Paralympics kein Fahrverbot. Die Staatsstraße 2062 zwischen Großweil und Schwaiganger hingegen sei in dieser Zeit für den Normalverkehr gesperrt.

Und dann hatte das Stündlein der Kritiker geschlagen: Wie man vier Tunnelprojekte und einen Ausbau der B2 in nur sechseinhalb Jahren realisieren möchte, wollte Barbara Wehrmann wissen, und war mit Schneiders Antwort, dass die Ingenieure sagten, das funktioniere schon, nicht zufrieden. Dass man mit „Schneekanonen gegen den Klimawandel ankämpfe“, und dass es für den Landkreis anderer Konzepte als Winterspiele bedürfe, die im Übrigen den Zielen im Kreisentwicklungskonzept widersprächen, warf Holger Poczka (Ödp/Bürgerforum) ein. Schneider betonte, dass auch der Sommmertourismus dank besserer Verkehrsanbindungen profitieren werde. Außerdem seien viele Aspekte aus dem Kreisentwicklungskonzept in den 18 Olympia-Leitprojekten umgesetzt worden, wie etwa das Ziel, einen barrierefreien Landkreis zu schaffen. Von jahrelangem Dreck, Gestank und einem Ausbleiben der Gäste sprachen Stefan Reich (Murnau Miteinander) und Raphael Mankau (ödp). „Wenn man Olympia haben will, muss man mögliche Einschränkungen in Kauf nehmen“, meinte der Minister. Ob man sich Gedanken über die Verkehrsentwicklung im Landkreis für die Zeit nach den Spielen gemacht habe, wollte Michael Wiesener (Freie Wähler) wissen. Oder ob sich die Route zu einer zweiten Inntal-Autobahn entwickeln werde. „Mehr Verkehr kann ich nicht ausschließen“, sagte Schneider.

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