Am Königshaus am Schachen verfolgen gut 160 Ludwig-Anhänger den Gottesdienst, den Pater Antonio Escudero zelebriert. foto: Hornsteiner

„Einmalige Messe“ für den Märchenkönig

Garmisch-Partenkirchen - Das Schachenschloss war für König Ludwig ein wahrer Schatz. Am Tag seines 170. Geburtstages feiern dort über 160 Wanderer eine Messe zu Ehren des „Kini“.

Es gießt aus Kübeln. Dennoch ist die schmale Forststraße Richtung Schachenhaus mit Wanderern übersäht. Schon frühmorgens machen sich die dick eingepackten Bergsteiger auf den Weg, um ihren König Ludwig II. an seinem 170. Geburtstag zu ehren. Oben auf der Hütte herrscht derweil in der Küche geschäftiges Treiben. Hüttenwirt Andreas Leitenbauer steht im Sonntagsg’wand samt Schürze am Herd und bereitet Knödelsuppe sowie Sauerbraten für die hungrigen Gäste vor. „Mit dem Wetter haben wir heuer leider kein Glück“, sagt er beim Blick aus dem Fenster. Doch er ist sicher: „Besucher werden zur Genüge kommen.“

Er soll recht behalten. Denn über 160 Wanderer und Radfahrer bezwingen den Weg zu seinem Haus. Der Trockenraum platzt fast aus allen Nähten, Kleidungsstück an Kleidungsstück reiht sich durchnässt an der Wäscheleine. „Ich bin trotzdem aus dem schwäbischen Krumbach hier hergekommen“, betont Bernhard Kohn lachend, während er sich den Schmutz von der Lederhose bürstet. Kohn selbst bezeichnet sich als „König Ludwig-Spinner“, seit ihm seine Mutter als Kind ein Medaillon des bayerischen Königs vermachte. Dieses prangt nun stolz in einen Hosenträger eingearbeitet auf seiner Brust. „Seit 18 Jahren komme schon ich hier hoch.“

Kennen tut er fast alle hier oben und begrüßt zugleich freudig den wohl ältesten Besucher des Schachens an diesem Tag, Kaspar Jocher. Seit mehr als 20 Jahren ist der 90-jährige Mesner bei der Ludwig-Gedenkmesse. Bis 2012 kam er jedes Mal mit dem Fahrrad über die Wetterstein-Alm zum Schachenhaus. Seit drei Jahren muss ihn Hüttenwirt Leitenbauer aber zum Berg-Gottesdienst fahren. Diesen zelebriert wie immer Pater Antonio Escudero. Der Spanier hielt die Messe „extra kurz“, da viele der Besucher vor dem Schloss im Regen stehen mussten.

Am Ende der Messe haben der Pfarrer sowie der Farchanter Josefi-Gesang, der die Messe heuer zum zehnten Mal musikalisch umrahmt, eine besondere Überraschung für den rüstigen Jocher parat. „Wir wollten uns bei Dir bedanken, da du in deinen Fürbitten immer die Almwirte und Hirten hervorhebst“, sagt Hüttenwirt Leitenbauer, der als Ersatz bei den Farchanter Josefis mitsingt. „Wir haben ein eigenes Lied für dich geschrieben.“ Das herzzerreißende Stück handelt vom herbstlichen Abschied von der Alm. Sehr passend für Jocher, da auch er Abschied vom Schachenhaus nehmen wird: „Ich bin heuer das letzte Mal als Mesner dort oben dabei“, bestätigt er den Tränen nahe. Vermissen wird er diese besondere Aufgabe sicher, denn „es ist eine einmalige Messe hier droben“.

Josef Hornsteiner

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