Mittenwalder Hotel-Projekt

Letzte Frist bis 30. September

Mittenwald - Der Mittenwalder Marktgemeinderat hat den Berliner Projektplanern in puncto Luxushotel einen zeitlichen Aufschub gewährt. Das Votum war einstimmig.

Um 8 Uhr klingelte am Mittwochmorgen bei Familie Berrendorf das Telefon. Am anderen Ende: Adolf Hornsteiner. Der Mittenwalder Bürgermeister hatte eine frohe Botschaft für die Berliner: Der Marktgemeinderat hat die gewünschte Frist um rund acht Monate verlängert. Stichtag ist jetzt der 30. September 2016 – dann müssen die Verantwortlichen der ID-Projektentwicklungs-GmbH in Sachen Vier-Sterne-Superior-Hotel endgülig geliefert haben. Dem Votum vorausgegangen war eine knapp fünfstündige Sitzung im Rathaus – von 18 bis 22.45 Uhr.

„Es hat sich keiner leicht gemacht“, verdeutlicht Hornsteiner (CSU), „aber das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache.“ Zufriedenheit und Erleichterung herrscht auch bei Peter Berrendorf. „Wir haben den letzten Zweifler überzeugt“, meint der ID-Seniorchef und spricht dabei von einem „perfekten Gemeinschaftswerk“. Für diese Alles-oder-nichts-Aussprache hatten Berrendorf und dessen Sohn Patrick eine wahre Ochsentour auf sich genommen. Am Dienstag rasten sie in viereinhalb Stunden von Berlin nach Garmisch-Partenkirchen und weiter nach Mittenwald. Dort standen sie dann dem Gemeinderat stundenlang Rede und Antwort, um dann unmittelbar danach wieder Richtung Norden zu brausen. Als der Anruf Hornsteiners sie erreichte, saßen sie längst schon wieder in ihrer Heimatstadt.

Einige Stunden zuvor hatten die Projektplaner im Verbund mit ihrem Architekten Armin Walch ausreichend Gelegenheit, drängende Fragen zu klären. „Sie wurden hinreichend beantwortet“, bestätigt der Bürgermeister. So soll unter anderem das Geheimnis der Betreiber-Gesellschaft gelüftet worden sein. Doch solange die Unterschrift fehlt, vereinbarten beide Parteien weiterhin Stillschweigen. Auch in puncto Finanzierung des 39-Millionen-Euro-Projekts und Investoren konnten die Volksvertreter anscheinend überzeugt werden. Doch ein Spaziergang war’s für die Berrendorfs keineswegs. „Es herrschte bei allen Beteiligten eine ernste Atmosphäre, die Anspannung war sichtbar, das hat man sofort gemerkt“, beschreibt Adolf Hornsteiner das Klima dieser „denkwürdigen Sitzung“. Nach der Präsentation der Berrendorfs und einem regen Frage-und-Antwort-Marathon wurden die Planer samt Architekt nach draußen gebeten. Nun diskutierte der Rat vollends unter Ausschluss der Öffentlichkeit – und votierte einhellig.

„Das zeigt das Vertrauen“, schlussfolgert Peter Berrendorf. Doch im Vorfeld hatten die ID-Mannen viel an Kredit verspielt, weil sie über ein Jahr auf Tauchstation gegangen waren und somit Skeptikern die Bühne überlassen hatten.

Nun geloben die Berliner in Sachen Informationspolitik Besserung. Ab sofort wollen sie Bürgermeister und alle Fraktionen regelmäßig mit Details füttern. Diese Lektion haben die Berrendorfs gelernt. Deren Zeitplan ist trotz berechtigter Zweifel nach wie vor ambitioniert. „Wir wollen in diesem Jahr zur Baugenehmigungsplanung kommen“, versichert der Seniorchef.

Ein Spatenstich 2016? „Schwer vorstellbar“, glaubt Hornsteiner. „Da müssten schon alle Rädchen in idealster Weise ineinander greifen.“Christof Schnürer

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