Freie Flächen im Eingangsbereich: Einzelhändler befürchten, dass im Kemmelpark noch mehr Konkurrenz entsteht. F.: kolb

Einzelhandel im Kemmelpark: Es droht eine Kampfabstimmung

Murnau - Der Murnauer Gemeinderat steuert in der strittigen Frage, ob der Kemmelpark noch mehr Einzelhandel verträgt, auf eine Kampfabstimmung zu. Dies wurde in der jüngsten Sondersitzung zum Thema deutlich.

In den nächsten Tagen dürften hinter den Kulissen die Politstrategen versuchen, Mehrheiten zu organisieren. Bereits in der nächsten Sitzung des Gremiums soll eine Grundsatzentscheidung getroffen werden.

Zum Hintergrund: Der niederländische Immobilien-Riese Ten Brinke hat angeblich Interesse daran, im Eingangsbereich des einstigen Kasernenareals gegenüber dem Supermarktzentrum ein Geschäftshaus mit weiteren Verkaufsflächen im Erdgeschoss zu errichten (wir berichteten). Die Rede ist von einem Bio-Markt, einer Drogerie und einem Laden für Tiernahrung.

Noch ist nichts in trockenen Tüchern, doch die Einzelhändler im Ortskern sind alarmiert. Sie befürchten noch mehr Konkurrenz im Außenbereich und ein Ausbluten der Fußgängerzone. Schon jetzt sei ein Besucher-Rückgang zu beklagen, berichten sie.

Laut Gemeinderat Andreas Müssig (parteifrei) ist der besagte Investor schon fleißig dabei, potentielle Mieter anzuwerben. Da sei es aussichtslos, interessante Anbieter für Murnaus „gute Stube“ zu gewinnen, vor allem ein Lebensmittelgeschäft, ärgerte sich der Selbstständige, der neben dem Rathaus einen Blumenladen betreibt. „Dieser Spuk muss ein Ende haben“, sagte Müssig. „Wir müssen dem endgültig einen Riegel vorschieben.“

Viele seiner Kollegen quer durch die Fraktionen unterstützen ihn. Sie forderten in der emotional aufgeladenen Debatte ein kategorisches Verbot weiterer Einzelhandelsflächen im Kemmelpark. Dafür müsse man den Bebauungsplan ändern. Dieser lässt bislang Geschäfte zu, deren Sortimente dem Zentrum nicht schaden.

Doch nicht alle Volksvertreter können sich mit der harten Vorgehensweise anfreunden. Sie befürchten Nachteile bei der Vermarktung der Flächen, die in dem Gewerbegebiet noch frei sind (rund 19 000 Quadratmeter). „Wir sollten uns die Handlungsfreiheit erhalten“, meinte etwa Zweiter Bürgermeister Josef Bierling (CSU). Der Gemeinderat habe alles in der Hand. Bei einem strikten Nein zum Einzelhandel verspiele man sich beispielsweise die Chance, ein Ärztehaus anzusiedeln. Denn ein solches werde meist nur in Verbindung mit einer Apotheke realisiert, die ebenfalls ein Einzelhandel sei.

In etlichen Wortmeldungen wurden die beiden Positionen pro und kontra Bebauungsplan-Änderung immer wieder beleuchtet. Manch ein Mandatsträger nutzte die Gelegenheit zu einer wirtschaftspolitischen Grundsatzrede.

Wie dem auch sei: Eine sofortige Abstimmung war nicht möglich, da einige Gemeinderäte fehlten und eine Grundsatzentscheidung nicht angekündigt war. Also wird diese nachgeholt. (as)

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