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Seit Jahrzehnten in der Bahnhofstraße: Eisenwaren Paul.

Einzelhandel in der Murnauer Bahnhofstraße

Eisenwaren Paul: Ein Traditionsgeschäft gibt auf

Murnau - Die Tage von Eisenwaren Paul an der Murnauer Bahnhofstraße sind gezählt: Ende Dezember wird Christian Patrzek, der dort seine Lehre absolvierte und insgesamt 36 Jahre lang arbeitete, davon 18 Jahre als eigener Chef, den Traditionsbetrieb schließen. 

"Ich habe einfach keine Lust mehr und wollte mich mit meiner Frau Hanni, die seit 21 Jahren im Laden mitarbeitet, nochmal einer neuen Herausforderung stellen“, erklärt Christian Patrzek die Entscheidung, Eisenwaren Paul – das Angebot reicht von Gartenmöbeln und Grills bis hin zu Sicherheitsbeschlägen – aufzugeben. Der leidenschaftliche Koch und Grillmeister macht sein Hobby zum Beruf und übernimmt mit seiner Frau das Fischerhäusl am Bad Bayersoier See. „Das wir das Geschäft in Murnau aufgeben, hat keine finanziellen Gründe“, betont er. Zum einen laufe sein Pachtvertrag Ende des Jahres sowieso aus. Zum anderen nehme das Internet-Shopping immer mehr zu – und er sei es leid, ständig mit den dortigen Anbietern in den Preiskampf gehen zu müssen. „Trotz allem haben wir die Entscheidung zu schließen nicht übers Knie gebrochen“, stellt der Geschäftsinhaber klar.

Schließlich kann der Eisenhandel Paul auf eine lange Tradition zurückblicken: Bereits 1947 eröffnete die Familie Paul in der Grüngasse ihr Geschäft – wie aus einer Chronik hervorgeht. Acht Jahre später stand der Umzug in die Bahnhofstraße an, wo zunächst Haushaltswaren und Eisenwaren zusammen in einem Gebäude der Gemeinde angeboten wurden. 1976 erfolgte dann die Aufteilung in Haushaltswaren Paul, das bestehen bleibt, und direkt daneben den Eisenhandel, der bald aufhört.

Jan-Ulrich Bittlinger, der Wirtschaftsförderer der Marktgemeinde, „findet es grundsätzlich immer schade, wenn ein traditionelles Einzelhandelsgeschäft schließt“. Das zeige, dass Murnau kein Selbstläufer in punkto Einzelhandel sei. Ihm geht es nicht nur um die Bahnhofstraße, sondern den ganzen Ort. Die Gemeinde sei längst zu der Erkenntnis gelangt, „dass man im Untermarkt durch verkehrsberuhigende Maßnahmen für mehr Frequenz potentieller Kunden sorgen muss“. Da diese politisch nicht immer gewollt seien, müsse schnellstmöglich „ein gemeinsamer Konsens gefunden werden“. Die Ansätze seien vielfältig und reichten von „längeren Ladenöffnungszeiten über Attraktivitätssteigerung in den Monaten November bis Januar durch zusätzliche Märkte bis hin zur Ansiedlung weiterer Hotels.“ Ein Leerstand der Geschäftsräume von Eisenhandel Paul wird nicht eintreten: „Zweirad Pantele wird nach Renovierung und Umbau am 1. März dort neu eröffnen“, sagt Patrzek. Er und seine Frau haben bereits mit dem Räumungsverkauf begonnen.

Michaela Feldmann

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