Rupert Wintermeier will ein neues Vereinsheim für die Eisstockschützen.

Eisstockschützen: Verein ohne Heimat

Murnau - Die Suche nach einem neuen Zuhause für den Murnauer Eisstockclub gestaltet sich als schwierig. Verein und Marktgemeinde sind sich in der Finanzierungsfrage nicht einig.

Der 70 Mitglieder starke Murnauer Eisstockclub ist ein stolzer Verein - und ein sportlich erfolgreicher noch dazu. 1974 holte er den Europameister-Titel, heute mischt er in den dritthöchsten Ligen mit: in der Bayernliga auf Eis und in der Oberliga auf Asphalt. Dennoch ist die Stimmung schlecht. Der Grund: Der Club muss seit 2009 ohne Vereinsheim auskommen. Das Drachenstüberl an der Kellerstraße musste nämlich damals abgerissen werden, um Platz für die neue Umgehungsstraße zu machen.

Auf einen Ersatz warten der Erste Vorsitzende Rupert Wintermeier, der auch Uffings Bürgermeister ist, und seine Sportkameraden bislang vergebens - obwohl diesen die Marktgemeinde Murnau versprochen hat. Der Knackpunkt: Die Eisstockschützen stellen sich eine Halle als neues Domizil vor, die ihrer Ansicht nach die Kommune komplett bezahlen soll. Doch die erwartet eine finanzielle Beteiligung des Vereins. „Wir hängen schon ewig in der Luft. Es muss endlich was vorwärts gehen“, beklagt Wintermeier. „Unser Vereinsleben liegt darnieder.“

Rückblende: Die Murnauer Eisstockschützen errichteten 1971 mit viel Eigenleistung das Drachenstüberl auf Gemeinde-Grund, den sie auf der Basis einer Erbbau-Regelung nutzen durften. Das Konzept war simpel: Die kleine, verpachtete Wirtschaft warf Einnahmen ab und wurde gleichzeitig als Vereinsheim genutzt. Daneben entstanden die Asphaltbahnen, die heute noch bestehen. Als die Planungen für die Umgehungsstraße konkrete Formen annahmen, sagte der Club ohne rechtliches Prozedere zu, das Häuschen aufzugeben - wenn er eine neue Heimat erhält.

Die Eisstockschützen wünschen sich jedoch jetzt keine Wirtschaft mehr, sondern eine Halle, in der sich die Bahnen befinden. Diese wäre ideal für Turniere, sagt Wintermeier. Zudem könnte man darin ein kleines Stüberl für gesellige Treffen und Versammlungen einrichten. Nach seinen Berechnungen kostet solch ein Bauwerk zwischen 200 000 und 300 000 Euro - ohne Grundstück. Für Wintermeier steht fest: Die Marktgemeinde Murnau sei am Zug und müsse endlich ihr Versprechen einlösen. Von einer finanziellen Beteiligung will er nichts hören. Sein Verein sei schuldenfrei - und das solle er auch in Zukunft bleiben.

Die Marktgemeinde sieht das etwas anders: Natürlich werde die Kommune ihr Wort halten, betont Zweiter Bürgermeister Josef Bierling (CSU). Auch sei die gewünschte Halle eine vernünftige Lösung. Nur stelle diese keinen bloßen Ersatz für das Vereinsheim dar, sondern eine Aufwertung. Eine Halle sei deutlich teurer als ein einfaches Häuschen wie das Drachenstüberl. Die Eisstockschützen werden seiner Meinung nach nicht umhin kommen, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Neben der Finanzierung ist auch die Standortfrage unklar: Es kommen nur Flächen in Frage, die der Gemeinde gehören und die sich für die Sportanlage eignen. Derzeit werden verschiedene Varianten geprüft. Als eine Möglichkeit wird ein Bereich am Fußballplatz in Hechendorf gehandelt. Eine andere wäre das Areal in der Nähe des einstigen Drachenstüberls. Dieses könnte sich jedoch aus baulicher Sicht als schwierig erweisen, da dort früher mal eine Müllhalde war. (as)

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