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Schulschluss: Kinder strömen am Dienstagmittag aus der Murnauer Bildungseinrichtung.

Manche Orte bleiben außen vor

Realschule Murnau: Eltern sprechen von "klarer Diskriminierung" 

Murnau - Die Murnauer Realschule im Blauen Land ist beliebt. Und zwar gleich derart, dass gar nicht alle Interessenten aufgenommen werden können. Dies sorgt für Kritik. Ein Vater aus Bad Bayersoien geht damit jetzt an die Öffentlichkeit. 

Bernhard Streit hätte seinen neunjährigen Sohn Benedikt ab diesen Herbst gerne auf die Realschule in Murnau geschickt. Streits und andere Eltern besuchten zahlreiche Informationsveranstaltungen zum Thema Übertritt. In allen sei die freie Schulwahl kommuniziert worden sowie, dass Schüler nach der vierten Klasse mit dem erforderlichen Notendurchschnitt beziehungsweise nach einer Aufnahmeprüfung in die Murnauer Realschule oder ins Gymnasium wechseln könnten. 

Eltern üben Kritik am Auswahlverfahren

Am Tag der offenen Tür der Realschule seien die Interessenten von Rektor Ralf Havelka jedoch abgewiesen worden. Und zwar mit dem Hinweis, dass Schüler aus Bad Bayersoien „an der Realschule Murnau nicht aufgenommen“ würden. Bernhard Streit hakte dann bei diversen Stellen nach, was aber „keine neuen Erkenntnisse“ gebracht habe. „Der Grund für dieses Vorgehen bleibt im Dunkeln. Nun blieben uns nur die Realschulen in Schongau und Garmisch-Partenkirchen, die alle weiter entfernt sind.“ In Deutschland gebe es die freie Schulwahl, „die an dieser Schule scheinbar nicht zutrifft“. Streit betrachtet den Fall als „klare Diskriminierung der Bad Bayersoier Eltern beziehungsweise deren Kinder“. Streit: „Ich finde, so geht es überhaupt nicht! Wir (die Eltern) sind jedenfalls im Moment enttäuscht und verärgert und werden es nicht auf sich beruhen lassen, denn es kommen noch viele Jahrgänge.“ Dies hat er an Soiens Bürgermeisterin Gisela Kieweg geschrieben. 

„Ich freue mich über jeden Schüler, der zu uns will“, schickt Rektor Havelka vorneweg. Es gebe aber jedes Jahr „große Kapazitätsprobleme. Wir sind maximal ausgelastet.“ Interessenten aus Bad Bayersoien seien bisher gar kein Thema gewesen. Kinder von dort besuchten „traditionell“ die Schongauer Realschule, sagt Havelka. Dorthin sei die Busverbindung auch sehr viel besser. Gingen die Kinder nach Murnau müssten sie erst mit dem Bus zum Bahnhof Bad Kohlgrub, von dort mit dem Zug in die Marktgemeinde fahren und dann noch zehn Minuten zu Fuß zur Realschule gehen. 

Kieweg vertritt eine andere Auffassung. „Ein Besuch der Realschule Schongau bedeutet für unsere Kinder weder eine Zeitersparnis noch einen kürzeren Schulweg“, hält die Bürgermeisterin in einem Brief an die Elternbeiratsvorsitzende der Soier Grundschule fest. „Auch sollte es den Eltern aufgrund privater und beruflicher Notwendigkeiten freigestellt sein, ihre Kinder auf eine Schule ihrer Wahl zu schicken.“ 

Endgültige Entscheidung fällt Ende Juni/Anfang August

Nicht nur Bad Bayersoier Eltern klopften in Murnau an und bissen auf Granit, sondern auch welche aus Oberammergau. Auch Anfragen aus Huglfing würden eher abgelehnt, sagt Havelka. Schüler aus Obersöchering und Eglfing nimmt die Schule jedoch auf, Kinder aus Habach, Sindelsdorf und Antdorf bleiben laut Havelka außen vor. Auch solche aus Penzberg. Anderslautende Gerüchte seien „Quatsch“. 

Streits finden, „dass die Realschule Murnau zunächst einmal die Schüler aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen aufnehmen sollte, dann von anderen Landkreisen, wenn es ein Problem der Schülerzahlen ist“. Wie auch immer: Der Zug ist für die Soier Familie noch nicht komplett abgefahren. Erst Ende Juli/Anfang August könne man endgültig über eine Aufnahme entscheiden, sagt Havelka. Streits haben sich schon umorientiert. Sie schicken ihren Sohn aufs Murnauer Gymnasium.

Nächstes Schuljahr werden nach Havelkas Angaben nahezu 600 Kinder in der Realschule die Schulbank drücken. Denn dann wird es erstmals eine zehnte Klasse geben. Die Lehranstalt ist dreizügig, hat also drei Klassen je Jahrgangsstufe. Michael Kleissl vom Büro des Landrats bestätigt, dass es theoretisch die Ausbauoption für die Vierzügigkeit gibt. Derzeit sei jedoch „ein weiterer Ausbau weder geplant noch abzusehen".

Roland Lory

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