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Simone-Julia Melischko mit ihrer Tochter Anna.

Preisanstieg zum 1. September

Elternprotest gegen höhere Kindergarten-Gebühren

Garmisch-Partenkirchen –  Ab September werden Familien stärker zur Kasse gebeten: Die erneute Erhöhung der Gebühren kommt bei den Müttern im Kindergarten St. Martin nicht gut an. Der Elternbeirat kritisiert die Politik der Bürgermeisterin mit deutlichen Worten.

Glücklich konnte sich schätzen, wer zum richtigen Zeitpunkt Nachwuchs in Garmisch-Partenkirchen bekommen hat. Denn während der zweiten Amtszeit von Thomas Schmid (CSB) wurden die Gebühren für die Kindergärten nicht erhöht. „Acht Jahre lang sind die Preise gleich geblieben“, sagt seine Nachfolgerin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und rechtfertigt damit den zweiten Preisanstieg innerhalb von zwei Jahren. Familien, die derzeit ihre Buben und Mädchen in die Betreuungseinrichtungen bringen, haben vor allem eines: Pech.

„Sie sind die Leidtragenden“, sagt Simone-Julia Melischko und fügt an: „Das ist unsozial“. Sie spricht im Namen des Elternbeirats vom katholischen Kindergarten St. Martin. Der ist von der Gebührenerhöhung, die der Gemeinderat in seiner Dezembersitzung beschlossen hat und die ab 1. September 2017 für die gemeindlichen Häuser gilt, zwar (noch) nicht betroffen. Bisher war es aber so, dass die kirchlichen und privaten Einrichtungen nachgezogen haben, damit es in der Marktgemeinde ein einheitliches Niveau gibt. Dazu wurde in der Vergangenheit eigens ein Runder Tisch einberufen.

Zuletzt gingen die Preise vor zwei Jahren – unter öffentlichem Protest – um etwa zehn Prozent nach oben. Jetzt sind es erneut zwischen drei und fünf Prozent. „Man kann doch nicht, was acht Jahre lang nicht passiert ist, in so kurzer Zeit kompensieren“, echauffiert sich Melischko. In einem Ort, an dem die Lebenshaltungskosten ohnehin schon so hoch sind, werde Familien das Leben erschwert. „Und das von einer sozialdemokratischen Bürgermeisterin“, sagt die Mutter. „Einer Frau, die selbst drei Kinder hat.“

Seit sie ins Amt gekommen ist, sind die Gebühren für beispielsweise eine drei bis vierstündige Betreuung im Kindergarten erst von 75 auf 82,50 Euro gestiegen. Ab kommenden September sind 87 Euro pro Monat fällig.

Melischko weiß von Freunden, die in Grünwald südlich von München wohnen, dass es auch anders geht. Dort sind laut Gebührensatzung bis zu fünf Betreuungsstunden im letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung kostenlos. Überhaupt kein Geld verlangt die Gemeinde Unterföhring, die nördlich der Landeshauptstadt liegt. Und das schon seit mehr als 30 Jahren.

Da der Preisanstieg in der Marktgemeinde zum nächsten Herbst bereits beschlossene Sache ist, bleibt den Eltern rund um Melischko vor allem eines: Mit Blick auf die Zukunft auf mehr Familien-Verständnis bei den Lokalpolitikern zu hoffen. In zwei Jahren sollen die Gebühren wieder erhöht werden. „Aber vielleicht“, sagt Melischko, „kann man ja auch eine Pause machen.“

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