+
Sorgen für Kritik: diese Automaten am Murnauer Bahnhof.

Bahnhof Murnau

Automaten am Bahnhof sorgen für Riesen-Ärger

Murnau - Gedankenlos und ohne Fingerspitzengefühl: Die Deutsche Bahn AG muss sich Kritik anhören. Sie ließ es zu, dass Automaten am Murnauer Bahnhof dem dortigen Café Konkurrenz machen. Nun steht ein Krisengespräch an.

Biene Heilrath hat fast der Schlag getroffen, als ein Lkw im Mai 2015 die riesigen Automaten am Murnauer Bahnhof ablud. „Ich habe mich grün und blau geärgert“, erzählt die Betreiberin des Cafés am Zughalt der Marktgemeinde. „So was geht gar nicht.“ Kaffee, andere Getränke und Snacks kann der Bahnfahrer an den Automaten kaufen. Sie stehen auf Bahngrund direkt am Bahnsteigzugang. Für Heilrath sind die Automaten ein großes Problem. Denn sie nehmen ihr Umsatz und Kunden, graben ihr also das Wasser ab.

Heilrath wehrte sich, kontaktierte die Deutsche Bahn (DB), die mit einer Firma einen Vertrag abgeschlossen hat. Doch die Geräte stehen bis heute. Heilrath blieb nichts anderes übrig, als Personal einzusparen sowie das Sortiment und die Öffnungszeiten zu reduzieren. Bis auf Weiteres ist das Café von Montag bis Freitag von 6.20 bis 14.30 Uhr zugänglich. Am Samstag, Sonntag und an Feiertagen ist inzwischen geschlossen. Heilrath klagt über die „Ungerechtigkeit“.

Auch Andreas Holzhey, Eigentümer des Bahnhofs, ist nicht glücklich mit der Entwicklung. „Das ist eine heftige Konkurrenz.“ Holzhey beklagt einen „Alleingang“ der Bahn. Der Schritt sei „nicht im Sinne des Bürgerbahnhofs“. 2015 sei wegen des Lokführerstreiks, dem G7-Gipfel und der Bauarbeiten an der Bahnstrecke ohnehin ein „schwieriges Jahr“ für das Café gewesen. „Die Automaten haben gerade noch gefehlt“, betont Holzhey. Ihm sei es wichtig, dass ein gemeinschaftlich gestartetes Projekt gemeinsam weitergeführt wird.

Holzhey hatte das Gebäude vor ein paar Jahren gekauft und umfassend saniert. Das wurde honoriert: Der Bahnhof wurde 2013 von der Allianz pro Schiene mit dem Sonderpreis Tourismus im Wettbewerb „Bahnhof des Jahres“ ausgezeichnet.

Der Fahrgastverband Pro Bahn regt sich ebenfalls auf. „Warum muss man Automaten aufstellen, wenn es ein gut funktionierendes Kiosk-Angebot gibt?“, fragt der oberbayerische Vorsitzende Norbert Moy. Er vermisst in diesem Fall „Fingerspitzengefühl“ bei der DB. Das Aufstellen sei „gedankenlos“. Moy und auch die Café-Betreiberin würden es begrüßen, wenn die Murnauer Automaten an einen anderen Bahnhof versetzt würden - in Orte ohne gastronomisches Angebot, etwa Ohlstadt. Heilrath schlägt außerdem vor, dass die DB den Vertrag mit der Automatenfirma kündigen könnte. „Wenn man will, geht das.“

Sieht die Bahn hier eine Möglichkeit? Wie lang läuft der Vertrag? Was sagt das Unternehmen zu den Kritikpunkten? Die Bahn schweigt dazu. Am Donnerstag, 21. Januar, findet ein Gespräch der Bahn mit Holzhey in der Sache statt. Dem wolle man nicht vorgreifen, erklärt ein Sprecher. „Im Übrigen weisen wir darauf hin, dass es neben dem Automaten, der auf Bahngrund aufgestellt wurde, einen weiteren Automaten gibt, der im nicht mehr bahneigenen Empfangsgebäude steht.“ Holzhey bestätigt das. „Das Gerät ist dafür gedacht, dass Bahnkunden frühmorgens oder spätabends Getränke kaufen können.“ Also zu Zeiten, an denen das Café nicht geöffnet hat.

Roland Lory

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bär an Grenze gesichtet - Almwirte fordern Abschuss - Experte: Tier könnte längst in Bayern sein
Ein Braunbär ist an der Grenzen zu Bayern in eine Fotofalle getappt. Es ist bereits die zweite Bären-Sichtung in der Region in diesem Jahr. Ist das Tier gefährlich?
Bär an Grenze gesichtet - Almwirte fordern Abschuss - Experte: Tier könnte längst in Bayern sein
Unglück beim Wandern - Frau stürzt vor Augen ihres Mannes in den Tod
Für eine 63-Jährige endete eine Wanderung am Stangensteig bei Grainau in den bayerischen Alpen tödlich. Ihr Ehemann musste das Unglück mitansehen.
Unglück beim Wandern - Frau stürzt vor Augen ihres Mannes in den Tod
Rettungseinsatz im Höllental: Paar findet Weg nicht mehr - bei winterlichen Verhältnissen
Sie waren recht gut ausgerüstet, trotzdem brauchte ein Paar bei ihrer Tour Hilfe von den Bergrettern. Diese mussten teilweise durch knietiefen Schnee.
Rettungseinsatz im Höllental: Paar findet Weg nicht mehr - bei winterlichen Verhältnissen
CSU-Fraktionschefin Samm: James-Loeb-Areal als „Notgroschen“
Das geplante Wohnbau-Projekt auf dem Murnauer James-Loeb-Areal bekommt nach den Anlieger-Protesten jetzt auch politischen Gegenwind: CSU-Fraktionschefin Regina Samm …
CSU-Fraktionschefin Samm: James-Loeb-Areal als „Notgroschen“

Kommentare