Aus und vorbei: Die Bäckerei-Betreiber Anita und Peter Maier neben dem Plakat, das auf die Geschäftsaufgabe hinweist. Foto: Falkenberg

Ende eines Uffinger Traditionsbetriebs

Uffing - Eine der traditionsreichsten Bäckereien im Landkreis gibt nach 113 Jahren auf. Semmeln, Kuchen und Backwerk wird es in der Bäckerei Maier Nett an der Uffinger Hauptstraße in wenigen Tagen nicht mehr geben.

Und auch die Filiale in Untereglfing, seit 1995 in Familienhand, wird geschlossen. 20 Verkaufsstellen im Landkreis müssen sich nach einem neuen Lieferanten umsehen, drei Vollzeit- und vier Teilzeitkräfte nach neuen Jobs.

Das Familienunternehmen in vierter Generation schließt am 31. Dezember um 12 Uhr seine Pforten. „Wirtschaftliche Gründe“ nennt Peter Maier (55) als Hauptursache. Seit vielen Jahren laufe das Geschäft immer schlechter, Supermärkte und Tiefkühlkost seien große Konkurrenten. „Kleine Betreibe können das nicht mehr stemmen, wir haben gekämpft, aber letztendlich verloren, mussten einen Schlussstrich ziehen“, so der Bäckermeister.

Urgroßvater Peter Nett erwarb 1902 die Bäckerei, damals zählte Uffing ungefähr 700 Einwohner. Es gab noch keine Teerstraßen und keine elektrische Straßenbeleuchtung, aber zwei Bäckereien und zwei Mühlen, die Humpl- und die Zotzenmühle. Zur Bäckerei Nett gehörte damals auch ein kleiner Hof mit Schweinen, Ochsen, Hühnern und Pferden. Mit dem Pferdefuhrwerk wurden die Semmeln und das Brot ausgefahren.

19 Jahre später übernahm Fridolin, einer der beiden Söhne von Peter und Agnes Nett, mit 22 Jahren die Bäckerei. Der Teig wurde noch mit der Hand geknetet - und der Backofen mit Holz und Kohle geheizt. Eine Attraktion für die Uffinger Bevölkerung war das Automobil, das der Bäcker Ende der 1920er Jahre erwarb. Im Zweiten Weltkrieg traf die Familie ein tragischer Verlust, Sohn Fridolin wurde vermisst.

Und als Tochter Marianne (heute 83) 1961 den Bäcker Thomas Maier aus der Hallertau heiratet, übernahmen die beiden noch im gleichen Jahr das Geschäft. In der Backstube arbeiteten zu dieser Zeit sechs bis acht Personen. Eine Zeitlang verkaufte das Ehepaar auch Lebensmittel. Ihre Kinder Peter, Bärbel und Eva Maria halfen im Laden mit, schließlich übernahm Peter, der 1978 seine Gesellenprüfung bestand, den Familienbetrieb. Bei seiner anschließenden Konditorlehre im Café Krönner lernte er seine zukünftige Frau Anita (heute 56) kennen.

1992 übernahm das Paar schließlich in vierter Generation den Betrieb. Und sie investierten und modernisierten kräftig. Der Verkaufsraum wurde auf 65 Quadratmeter erweitert, ein neuer Ofen angeschafft, die Backstube auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Man erweiterte das Sortiment auf zwanzig verschiedene Brotsorten und zehn verschieden Arten von Semmeln. Die Brezen wurden aber trotz der Technisierung immer noch von Hand geschlungen. Und der Erfolg gab dem Ehepaar recht, der Laden lief gut. Während Peter für die Produktion und das Büro zuständig war, kümmerte sich Anita um den Laden und die Auslieferung.

Noch zum 110-jährigen Jubiläum vor drei Jahren hieß es: „Der Fortbestand der Bäckerei Maier ist wohl gesichert“. Eigentlich sollten Tochter Bianca (32), die 2002 die Gesellenprüfung ablegte, und Sohn Fabian (25), der 2009 nachzog, einmal die Nachfolge in fünfter Generation übernehmen. „Aber bei der schwierigen Situation konnten wir unseren Kindern nicht guten Gewissens diese Aufgabe übertragen“, sagt Anita Maier. „Es tut uns für unsere vielen Stammkunden sehr leid.“ Und ihr Mann, der seit 2012 Obermeister der Bäckerinnung Oberland ist, ergänzt: „Die Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht, aber sie ist richtig. Es hätte keinen Sinn gehabt weiterzumachen.“ Zudem er selbst durch das viele Stehen in der Backstube einen irreparablen Knieschaden erlitten hat und sein Sohn an einer Allergie auf Backstoffe leidet. „Zwei weitere Gründe, die zur Entscheidung geführt haben.“

Auch die komplizierte Parksituation an der Hauptstraße und die gestiegenen Energie- und Betriebskosten haben die Lage verschärft. Wie es nun weitergehen soll, wissen die beiden noch nicht: „Wir müssen uns etwas einfallen lassen“, sagen sie. Erst einmal suchen sie nun einen Nachmieter für die Geschäftsräume.

Barbara Falkenberg

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