Ortstermin: Teilnehmer der Veranstaltung am Abwurfschacht der Heizung, die im Keller der Seehauser Turnhalle steht. Georg Miller (3. v. r.) erläutert Details. Foto: Lory

Energie aus dem Wald

Eschenlohe - Grüne Energie ist gefragt - auch in Zeiten des niedrigen Ölpreises. Hierzulande sind es vor allem Hackschnitzelheizungen, auf die gesetzt wird. Eine Tagung in Eschenlohe beschäftigte sich jetzt näher mit dem Thema.

Regina Schuster aus der Schöffau hat seit rund einem dreiviertel Jahr eine 60-KW-Hackschnitzelheizung auf ihrem Hof stehen. „Das läuft an sich problemlos“, sagt die Landwirtin. Allerdings sei es schwierig, den Feinstaub-Grenzwert einzuhalten. Der liegt seit gut einem Jahr bei 20 Milligramm je Kubikmeter. „Sehr ambitioniert“ nennt Schuster diese Vorgabe. Die Schöffauerin war unter den Teilnehmern einer Informationsveranstaltung, die im Eschenloher „Grünen Bildungszentrum Berge“ über die Bühne ging.

Mehrere Experten sprachen über verschiedene Aspekte des Themas Hackschnitzelheizungen. Ausgerichtet wurde die Tagung von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten und Weilheim. Mit im Boot waren zudem das staatliche Beratungsnetzwerk „LandSchafftEnergie“ sowie der Landesinnungsverband des Bayerischen Kaminkehrerhandwerks.

Die Bedeutung von Hackschnitzel im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist nicht zu unterschätzen. So vermarktete die Waldbesitzervereinigung Ammer-Loisach (WBV) zum Beispiel 2014 rund 9000 Kubikmeter des Heizmaterials. Die Bäuerliche Hackschnitzel Liefergesellschaft (BHLG), die eng mit der WBV zusammenarbeitet, setzt pro Jahr etwa 12 000 bis 13 000 Kubikmeter um. Auslöser für die Gründung der BHLG war im Jahr 2000 die Entscheidung des Landkreises, am Murnauer Staffelsee-Gymnasium eine Hackschnitzelheizung zu bauen. Die Gesellschaft beliefert zudem die Emanuel-von-Seidl-Grundschule, die Heizanlage im Kemmelpark, die Turnhalle Seehausen, den Gasthof Zur Post in Uffing, den Campingplatz und das Haus des Gastes Riegsee sowie einen Häuserverbund in Seehausen. „Die Abrechnung erfolgt nur nach Wärme“, berichtete Georg Miller, Geschäftsführer der BHLG. Mit der Organisation und Lieferung von Hackgut ist es freilich nicht getan. Miller kontrolliert den Füllstand, kümmert sich um die Ofenreinigung, nimmt Störmeldungen an et cetera. Eine Sache, vor der der Leibersberger warnt, ist die Gesundheitsgefahr durch verpilzte Hackschnitzel. „Bei dem Thema müssen wir aufpassen.“

Keine Probleme mit Pilzbefall soll es bei einem Projekt der BHLG geben, das in Murnau-Moosrain entstehen soll. Dort planen die Waldbesitzer eine 45 mal 20 Meter große Hackschnitzellagerhalle, das Material soll mittels Solarenergie getrocknet werden. „Das ist unsere Vision“, betonte Miller. Bei dem Vorhaben handelt es sich um ein Projekt, das im Rahmen des EU-Förderprogramms Leader realisiert werden soll. Miller muss allerdings noch das Plazet der Gesellschafter einholen (wir berichteten).

Mit Hackschnitzel heizt auch Ohlstadts Zweiter Bürgermeister Franz Gaisreiter. Die 25-KW-Anlage steht in seinem Einfamilienhaus, das 2007 errichtet wurde. Das Material, das verfeuert wird, stammt aus dem eigenen Wald. Die Gemeinde Ohlstadt unterhält bisher eine derartige Heizung. Sie ist im Feuerwehrhaus installiert. Auch der WBV-Vorsitzende Felix Wörmann baut auf diese Variante der Wärmeerzeugung. Seine Anlage (50 KW) „läuft einwandfrei. Das ist eine feine Sache“, betonte der Hofheimer. Bald soll es eine zweite geben. Wörmann will sie an der alten Hofstelle installieren lassen. Die dortige Scheitholzheizung ist in die Jahre gekommen und muss daher ausgetauscht werden. Eine Entscheidung pro Hackschnitzel fällt derzeit allerdings schwer: Der Heizölpreis liegt bei 42 Cent pro Liter. (Roland Lory)

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