"Er hat meinen Körper berührt"

Abgewiesen: Münchnerin rächt sich übel an Kletterlehrer

Garmisch-Partenkirchen - Eine Münchnerin (44) hat sich in ihren Kletterlehrer verliebt - als dieser ihre Gefühle nicht erwiderte, startete sie einen fiesen Rachefeldzug.

Garmisch-Partenkirchen – Die Vorwürfe sind massiv: eine Münchnerin (44) beschuldigt einen Bergführer aus dem Ammertal (57), sie bei einem Kletterkurs derart an Rücken, Unterleib und Gesäß berührt zu haben, „dass ich mich sehr verletzt gefühlt habe“. Diese delikaten Details verbreitete die Frau in Bergsteigerkreisen. Alles erfunden, sagt der Ammertaler und erstattete Anzeige wegen übler Nachrede. Darüber wurde nun vor dem Amtsgericht verhandelt – mit teuren Folgen für die Frau.

Kennengelernt hat die taubstumme Münchnerin, die mit einer Gebärden-Dolmetscherin zur Verhandlung gekommen war, den Ammertaler 2009 bei Filmaufnahmen mit einer Gehörlosengruppe im Pitztal. Dort wirkte der Mann als Techniker mit. Staatsanwältin Isabella Monot berichtete, dass die Frau den 57-Jährigen daraufhin per SMS bat, bei einen Kletterkurs mitmachen zu können. Beim Einführungslehrgang trafen sich die beiden in der Alpenvereinshalle Thalkirchen wieder. „Anseilen, sichern, Klettertechnik, sonst nichts“ habe stattgefunden, beteuerte der Ammertaler. Die Frau hatte die „körperlichen Berührungen“ aber als „sexuell motiviert“ angesehen, sagte er. Nachdem es im Anschluss an den Kurs nicht, wie die Frau laut Staatsanwältin erwartet hatte, zu einer partnerschaftlichen Verbindung gekommen sei, eskalierte die Situation.

Sie schrieb E-Mails: "Er hat meinen Körper berührt"

Die Münchnerin habe sich dazu entschlossen, „ihn in seinem persönlichen Umfeld zu diskreditieren und ihm unangemessene Übergriffe nachzusagen. Obwohl sie wusste, dass eine solche Absicht gar nicht zu belegen ist“. Unter anderem schickte die 44-Jährige im Januar und Februar 2013 zweimal an rund 70 Personen aus dem Bergsportbereich E-Mails, in denen sie beschrieb, dass der Bergführer beim Hallen-Kletterkurs „unerwartet und alle Regeln brechend meinen Körper (Rücken, Unterleib und Po) berührt hat“ und sie nur habe ausnutzen wollen. „Er hat keinen Respekt vor mir, und ich fühle mich sehr verletzt.“

Für den Ammertaler, für den es laut eigener Aussage „schon deshalb nicht einfach war, der Frau in der Halle einen kurzen Kletter-Einstiegskurs zu geben, weil die Verständigung mit Taubstummen extrem schwer war“, gab es dann„eine ziemliche Arbeit“: Er hat alle Adressaten über den tatsächlichen Sachverhalt informiert. Zudem entschloss er sich, Anzeige zu erstatten. Das Ergebnis war ein Strafbefehl von 2700 Euro, gegen den die Frau Einspruch erhob. Denn noch immer habe sie „ein Trauma“.

Deshalb saß sie mit Verteidiger Christian Kronbichler (München) vor Gericht. Doch die Staatsanwältin riet ihr, den Einspruch zurückzunehmen: Sollte es nämlich zu einem Urteil kommen, müsse sie mit einer weit höhren Strafe von rund 4500 Euro rechnen. Nach einer kurzen Besprechung mit ihrem Anwalt folgte die 44-Jährige diesem Rat. Damit wurde der Strafbefehl zum rechtskräftigen Urteil erhoben – und der angeklagte Sachverhalt der üblen Nachrede eingeräumt.

Von Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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