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„Erinnerung ist eine bleibende Aufgabe“

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Große Resonanz: Der Platz vor dem Rathaus ist am späten Freitagnachmittag trotz einiger Minusgrade gut gefüllt. Bürgermeister Dr. Michael Rapp (r.) bescheinigt den Widerstandskämpfern „ungeheuren Mut“.  Foto: lory
Große Resonanz: Der Platz vor dem Rathaus ist am späten Freitagnachmittag trotz einiger Minusgrade gut gefüllt. Bürgermeister Dr. Michael Rapp (r.) bescheinigt den Widerstandskämpfern „ungeheuren Mut“. Foto: lory

Murnau - Gefängnis München-Stadelheim, 17 Uhr. Es ist der 22. Februar 1943. Christoph Probst und seine Mitstreiter Hans und Sophie Scholl werden mit dem Fallbeil enthauptet. Genau 70 Jahre danach zur selben Stunde gedachten 250 bis 300 Murnauer am Freitag vor dem Murnauer Rathaus Probst und der anderen Widerständler der Weißen Rose.

Die Redner schlugen aber auch Brücken in die Gegenwart. „Die Neonazimorde haben uns wieder drastisch bewusst gemacht, dass die Achtsamkeit und die Maßnahmen gegen derartige menschliche Abgründe nie nachlassen dürfen“, betonte Dr. Astrid Bühren, Vorsitzende der Bürgerinitiative Murnau Miteinander. Diese und das Werdenfelser Bündnis gegen Rechtsextremismus hatten die Gedenkfeier organisiert.

Mit im Boot waren die katholische und evangelische Kirchengemeinde sowie die Marktgemeinde Murnau. Diese gedenke all jener, „die ein menschenverachtendes System anklagten, ermordet wurden, weil sie das Unrecht benannten, nicht nur sahen, fühlten, litten, sondern handelten“, erklärte Bürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU). In den vergangenen Tagen und Wochen sei viel über das nationalsozialistische Unrecht gesprochen und nachgedacht worden. „Wir führen zu Recht Debatten über den erstarkten Rechtsextremismus in unserem Land, über rassistisch motivierte Gewalttaten. Es ist weder Zeit, das Vergangene zu vergessen, noch Raum dafür, sich in einem stabilen demokratischen System“ zurückzulehnen und Unrecht geschehen zu lassen. „Wir sind es den Opfern, aber auch den Familien und Freunden schuldig, denn erinnern ist eine bleibende Aufgabe.“ Es sei wichtig, dass die Marktgemeinde hinter der Gedenkfeier steht, betonte Bündnis-Sprecher Manfred Neupfleger.

Auch Angelika Berchtold-Mayr von der katholischen Kirchengemeinde nötigt das Wirken der Weißen Rose Respekt ab. „Dieser Mut und diese Haltung ist es, die bis auf den heutigen Tag unsere Anerkennung verdienen.“ Man müsse wachsam bleiben, dass nationalsozialistisches Gedankengut keine Chance mehr bekommt. Der evangelische Pfarrer Hans-Peter Schäfer stieß ins selbe Horn. Man müsse die freiheitliche Demokratie „stets aufs Neue schützen und bewahren“. Schauspieler und Bündnis-Mitstreiter verlasen verschiedene Texte. Vor der kleinen Bühne stand ein Strauß mit weißen Rosen. Die Rathaus-Tür war schwarz verhangen. Die Bilder mehrerer Widerstandskämpfer waren an dem Tuch befestigt. An den Bäumen des Obermarkts hingen schon den ganzen Tag über Tafeln. Darauf standen die Namen der 182 Menschen, die seit 1990 von Rechtsextremisten umgebracht wurden.

Eigentlich hatte der NPD-Kreisverband Oberland vor, ebenfalls um 17 Uhr einen Infostand an der Mariensäule aufzustellen, nur ein kleines Stück vom Rathaus entfernt. Doch die Aktion hätte eine Woche vorher angemeldet werden müssen. Dies war nicht der Fall. Der Stand wäre aber auch bei rechtzeitiger Bekanntgabe auf keinen Fall genehmigt worden, verlautet aus dem Rathaus. Neupfleger glaubte indes nicht, dass die NPD ernsthaft einen Infostand plante. „Das war nur Show.“ (roy)

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