Kilian Härtle nahm in der Diskussion kein Blatt vor den Mund.hut-Archiv

KEG erneut in der Kritik

Oberammergau - Bei seiner Bilanz im Oberammergauer Gemeinderat weht Regionalmanager Matthias Kratz eisiger Wind ins Gesicht.

45 000 Euro hat Oberammergau seit 2010 in die Kreisentwicklungsgesellschaft (KEG) investiert. Viel Geld, das gut angelegt sein will. Um mehr über den Stand der Dinge zu erfahren, hat der Gemeinderat deshalb KEG-Chef Matthias Kratz eingeladen, im Gremium Bilanz zu ziehen. Der Besuch lief nicht unbedingt gut für Kratz. Wie schon seinem Vorgänger Daniel Gromotka blies dem Regionalmanager eher eisiger Wind ins Gesicht.

„Ich bin schockiert über Ihren Vortrag“, sagte Kilian Härtle (Entschieden für Oberammergau/EfO) nach dem Sachstandsbericht unumwunden. Dieser habe ihn in erschreckender Weise an die Bilanz erinnert, die Gromotka im Februar 2012 im Gemeinderat gezogen hat. Härtles Kritik: Seitdem sei inhaltlich kaum etwas passiert. Viele Projekte hätten immer noch nicht abgeschlossen werden können. „Es gibt wenig konkrete Ergebnisse.“

Bürgermeister Arno Nunn - selbst KEG-Beiratsmitglied - erinnerte daraufhin an die überraschende Kündigung Gromotkas und den folgenden Leerlauf. „Es gab praktisch zwei Jahre Stillstand. Operativ läuft es eigentlich erst seit dem Jahreswechsel.“

Kratz selbst betonte, dass die KEG durchaus Erfolge vorweisen könne - beispielsweise die Zukunftsmesse oder die Internetplattform „Gesund in GAP“. Generell sei das Manko der Institution, dass sie überwiegend im Hintergrund agiere. „Wir stoßen an, wie bringen zusammen und schieben an.“

Die Arbeit im Verborgenen geht Härtle aber zu weit. „Ein Hauptproblem ist die Infopolitik der Gesellschaft.“ Ein Punkt, der auch Christl Freier von der Frauenliste sauer aufstößt. „Die KEG ist intransparent.“ Es sei zum Beispiel schwierig, öffentlich etwas über die Haushaltberatungen zu erfahren. Dabei handelt es sich bei dem Etat - heuer knapp eine Million Euro - um Steuergelder.

Zwar wisse die Kreisrätin der Grünen, dass die Satzung die Verschwiegenheit so vorgebe. „Das kann man aber auch ändern.“ Es liege in der Hand der Akteure. Gleiches gilt für Freiers größten Kritikpunkt. Seit Jahren moniert die Kreisrätin, dass die KEG-Gremien ohne Frauen besetzt worden seien. Das Argument, dass es keine weiblichen Bürgermeisterinnen im Landkreis gibt - die Beiratsmitglied werden können - akzeptiert Freier nicht. Im Gegenteil: Für sie ist das, wie sie kürzlich im Kreistag sagte, ein „Geburtsfehler“. Diese Problematik hat Freier zusammen mit Kreisrätin Tessy Lödermann erneut schriftlich zum Ausdruck gebracht. Der Brief an KEG-Aufsichtsratschef und Landrat Harald Kühn (CSU) sei am 20. März hinausgegangen. „Bis jetzt haben wir keine Antwort bekommen.“

Auch dass Kreisbäuerin Christine Singer für den Landwirtschafts-Beirat gewonnen werden konnte, und sich die Tourismus-Chefinnen Veronika Kowatsch (Farchant) und Sabrina Blandau (Mittenwald) bei der KEG einbringen, sei nie von offizieller Seite so berichtet worden. „Das habe ich nur per Zufall erfahren.“

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