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Nah am Bürger sieht Vanessa Voit ihr Amt als Bürgermeisterin. 

„Museumstante“ und Teamplayerin

Die erste Frau im Amt: Bald reagiert Vanessa Voit als Bürgermeisterin in Ettal

Vanessa Voit hat ihre politische Karriere nicht von langer Hand geplant. Vor einem Jahr wurde sie in Ettal zum ersten Mal darauf angesprochen. Jetzt wird sie Bürgermeisterin in dem Ort. Und schreibt Geschichte.

Ettal – Sie ist die erste Frau, die an der Spitze der Gemeinde Ettal stehen wird. Und das noch in einem Ort, das ein Männer-Kloster der Benediktiner beherbergt. Vanessa Voit schreibt Geschichte. Die gebürtige Schongauerin, die Josef Pössinger im Amt nachfolgt, übernimmt Verantwortung für Ettal – und für die beiden Ortsteile Graswang und Linderhof. „Da kommt nicht zuletzt auch durch Schloss, Landwirtschaft und Kloster eine spannende Vielfalt von Einflüssen zusammen, das ist schön und bereichernd“, sagt sie.

Dabei hat Voit dieses politische Amt eigentlich „nicht auf dem Schirm gehabt“. Vor einem Jahr sei sie das erste Mal im Ort angesprochen worden. Das sei für sie sehr überraschend und unerwartet gekommen, doch schließlich habe sie sich mit dem Gedanken angefreundet. Ihr war bewusst: Wenn sie mitreden, in ihrem Dorf etwas bewegen will, „dann muss ich Verantwortung übernehmen. Ich bin ein neugieriger Mensch, möchte wissen, was die Leute denken, was sie bewegt, wo ich mich einbringen kann“.

Vanessa Voit hatte Freude an Arbeit im Gemeinderat Ettal: „Ich bin ein Mensch, der sich gern engagiert“

Schon die Arbeit im Gemeinderat in der vergangenen Periode, ihrer ersten, hat ihr viel Freude bereitet: „Ich bin ein Mensch, der sich gern engagiert und politisch einsetzt“, sagt sie, die vor 18 Jahren ins Klosterdorf eingeheiratet hat. Längst fühlt sie sich hier heimisch. Seit 1994 ist die Mutter einer zwölfjährigen Tochter im Schloss Linderhof tätig, lange Zeit als Schlossführerin, heute als Vorarbeiterin des Führungsbetriebs. Diesen Job wird sie auch künftig in Teilzeit weiter ausüben, da sie als Bürgermeisterin ehrenamtlich tätig sein wird.

Lokale Geschichte ist von jeher das Steckenpferd der Historikerin, seit sie in Glentleiten ihr Volontariat absolviert hat. Sie nennt sich selbst „eine Museumstante“. Berufsbedingt habe sie ein grundlegendes Interesse an Menschen, sie mag den direkten Kontakt, den Austausch auf Augenhöhe. Voit will Brücken schlagen zwischen einem historischen und dem zeitgenössischen Kontext, wobei ihr eines besonders wichtig ist: „Ich möchte meine Aufgaben mit Herz und in Gemeinschaft mit der Bevölkerung und den Gremien erfüllen.“ Miteinander im Gespräch zu sein und zu bleiben, ist ihr Credo. „In der momentanen Situation ist gerade der mir so wichtige persönliche Austausch leider nur begrenzt möglich.“

Als Bürgermeisterin will Vanessa Voit einiges anschieben - zunächst aber muss sich der Gemeinderat kennenlernen

Konkret sind die Projekte, die sie anschieben und vorantreiben möchte. Einerseits den Bau eines Kindergartens, der bereits beschlossene Sache ist, andererseits die Kanalsanierung und der Hochwasserschutz, die als allererstes anzupacken seien. Wenn sich die aktuelle Corona-Situation entspannt hat, ist es allerdings für Vanessa Voit zunächst vorrangig, dass man sich im neunen Gemeinderat untereinander kennenlernt. „Das braucht Zeit und ich möchte dem Raum geben, dass man sich zusammenfindet und idealerweise wie ein gut funktionierendes Räderwerk Hand in Hand gemeinsam Ziele benennt und umsetzt.“

Auch die Frage, wie es nach der Krise mit dem Fremdenverkehr weitergeht, wird sie beschäftigen. Transparenz ist ihr überaus wichtig. „Das sind meine Ansprüche“, sagt sie. Sie möchte in der Bevölkerung auch das Interesse an der Kommunalpolitik wecken, offenlegen, wie der Gemeinderat arbeitet und was in den Sitzungen genau passiert. „Die Themen, die dort besprochen werden, gehen ja schließlich jeden Einzelnen an.“ Die Kommunalpolitikerin „brennt für ihren Ort“, wie sie selbst sagt, und sie betont immer wieder, dass sie nur gemeinsam mit anderen ihr Amt gut werde erfüllen können. „Ich habe immer versucht, mein Wissen und meine Erfahrung weiterzugeben und anderen nahe zu bringen, das wird für mich auch als Bürgermeisterin oberstes Gebot sein.“

Ihre besondere Stärke? Vanessa Voit sieht sich selbst als absoluten Teamplayer. „Ich freue mich jedenfalls riesig auf meine neue Aufgabe und auch darüber, welch’ großes Vertrauen mir die Leute entgegenbringen, wow, das ist einfach wundervoll.“

Barbara Falkenberg

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