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Ein erstes Happy End

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Im Gespräch mit dem Tagblatt hat Abraham Ojei seine Geschichte erzählt. Vier Monate lang haben er und Pastor Peter Neuhaus eine Wohnung für den Nigerianer gesucht. Jetzt hat sich ein Vermieter gemeldet.  grafik: Holzapfel
Im Gespräch mit dem Tagblatt hat Abraham Ojei seine Geschichte erzählt. Vier Monate lang haben er und Pastor Peter Neuhaus eine Wohnung für den Nigerianer gesucht. Jetzt hat sich ein Vermieter gemeldet. grafik: Holzapfel

Garmisch-Partenkirchen - Nach einem Zeitungsbericht im Tagblatt findet der Asylberechtigter Abraham Ojei eine Wohnung. Viele weitere Betroffene im Landkreis brauchen wie er Hilfe.

Dieser Donnerstag ist ein großer, ein ganz außergewöhnlicher Tag. Denn Abraham Ojei bezieht eine Wohnung. Seine Wohnung. 35 Quadratmeter, die sich für ihn anfühlen wie eine Luxusvilla. Vier Monate lang hat der Nigerianer (40) eine Bleibe in Garmisch-Partenkirchen gesucht. So lange hat er als anerkannter Flüchtling, der das Asylbewerberheim verlassen musste, im Obdachlosenheim gehaust. Nach einem Tagblatt-Bericht aber hat sich ein Vermieter gemeldet.

„Abraham ist überglücklich“, sagt Peter Neuhaus. Und der Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Garmisch-Partenkirchen ist es auch. Denn er und andere Gemeindemitglieder haben den Afrikaner bei seiner Suche unterstützt, x Telefonate geführt und zum Teil schockierende Absagen erhalten. „Das ist nicht die Qualität Mieter, die wir unseren Vermietern bieten wollen“, sagte einer. Auch auf den Zeitungsbericht am Wochenende hin habe es unschöne Reaktionen gegeben. Doch damit wollen sich Neuhaus und Ojei nicht befassen. Denn die hilfsbereiten und herzlichen Anrufe und E-Mails machen die negativen vergessen.

Einer dieser Anrufe kam von einem Ehepaar. Es möchte namentlich nicht in der Zeitung stehen - denn „wir haben nichts Besonderes getan“, findet der Partenkirchner. „Wir möchten dafür kein Lob, wir halten das für eine Selbstverständlichkeit.“ Ist es sicher nicht. Etwa 20 Bewerber gab es auf die Wohnung. Doch dem Ehepaar war klar: Abraham Ojei hat auf dem Markt schlechte Karten. In der Rangliste der Wunschmieter steht ein Asylberechtigter und Sozialhilfeempfänger weit hinten. „Er hätte wohl keine Chance.“ Das Paar will sie ihm geben.

Das Ein-Zimmer-Apartment in einem Wohn- und Geschäftshaus „bietet alles, was man braucht“, sagt Neuhaus begeistert. Bad, Küche, Esstisch, Schlafsofa. Bei der Besichtigung erlebte der Vermieter einen Mann, „der sein Glück nicht fassen konnte“.

Die Wohnung ist für Ojei ein großer Schritt in seinem neuen Leben. Das alte voller Gewalt und Verfolgung durch die islamische Terrorgruppe Boko Haram musste er aufgeben. Ganz loslassen kann er es nicht. Denn noch leben seine Mutter und seine Kinder Imanuela (5) und Joel (3) in Nigeria. Sie will Ojei von Deutschland aus mit Geld unterstützen. Doch dafür braucht er Arbeit. Und tatsächlich scheinen sich auch hier Möglichkeiten zu ergeben: Nach dem Bericht meldeten sich zahlreiche Bürger mit Angeboten für kleinere Hilfsarbeiten.

Doch Ojei, das betonte er im Gespräch, geht es nicht nur um ihn. Er ist ein Fall von vielen. Bis Mitte August gibt es im Landkreis 48 anerkannte Flüchtlinge, die verzweifelt eine Wohnung suchen. Wie Ojei hoffen sie auf diesen, ihren großen Tag: den Tag des Umzugs in die eigene Wohnung. (kat)

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