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Teures Bettenhaus: Die Erweiterung Ost kostete rund 74,5 Millionen Euro. 

Streitwerk liegt bei 750.000 Euro

Erweiterung hat rechtliches Nachspiel: Firmen verklagen Unfallklinik Murnau

Rechtliche Konflikte sind bei Bauprojekten keine Seltenheit. Auch im Zusammenhang mit der Erweiterung Ost der Murnauer Unfallklinik gibt es welche. Firmen sind gegen die Vorzeige-Einrichtung vor Gericht gezogen. Streitwert: rund 750 000 Euro.

Murnau– Es war ein Kraftakt: Nach mehrjähriger Bauzeit und einigen Verzögerungen wurde im Juli das neue, rund 74,5 Millionen Euro teure Bettenhaus der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau offiziell eingeweiht. Ein Wasserschaden hatte das Großprojekt zeitlich zurückgeworfen – und teure Sanierungsarbeiten zur Folge. Wie sich nun herausgestellt hat, gibt es im Zusammenhang mit der Erweiterung Ost mehrere Zivilstreitigkeiten, die beim Landgericht München II anhängig sind. Beklagte ist die BG Klinikum Murnau gGmbh.

Zum einen hat diese Mängel bei der Fußbodenverlegung geltend gemacht, wogegen sich die betreffende Firma zur Wehr setzt. Das Unternehmen, das sich selbst nicht äußern will, moniert zudem Behinderungen, konnte also ihre Arbeit anscheinend nicht so ausführen, wie sie es gerne getan hätte. Der Streitwert beträgt rund 525 000 Euro, wie Ulrike Fürst mitteilt, Pressesprecherin für Zivilangelegenheiten beim Landgericht München II. In dem Fall war für 14. Oktober ein Termin geplant, dieser fand aber nicht statt. Ein neuer ist derzeit nicht in Sicht.

Restforderung und angebliche Mängel

Zum anderen klagt die Firma Wenisch Haustechnik (Dillingen), die Fertigbäder einbaute. Bei dem Konflikt geht es um eine Restforderung und angebliche Mängel. „Es wird behauptet, dass die Fugen nicht in Ordnung seien“, sagt Rechtsanwalt Marcel C. Lang Ennerst, der das Haustechnik-Unternehmen betreut. Die Firma habe nachgebessert, die Unfallklinik sei aber immer noch nicht zufrieden. Ein weiterer Streitpunkt ist der Einbau so genannter Dichtbänder. Die Firma Wenisch schlug laut Lang-Ennerst auch einen Ortstermin vor. Einen solchen habe die Unfallklinik aber verweigert. Der Streitwert in dieser Angelegenheit liegt bei etwa 220 000 Euro. In der Sache steht am heutigen Freitag um 9.30 Uhr die Güte- beziehungsweise Hauptverhandlung an. Die Unfallklinik hüllt sich bezüglich der Fälle in Schweigen. Bezüglich „etwaiger Rechtsstreitigkeiten“ bei der Erweiterung Ost teilt Lisa Schwede (Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation) mit, „dass wir mit Rücksicht auf die noch laufenden Verfahren und Verhandlungen hierzu leider keine Auskünfte geben können“.

Die Sprecherin macht ebenfalls keine Angaben zu dem Wasserschaden, über den das Garmisch-Partenkichner/Murnauer Tagblatt im September 2015 berichtete. Was kostete er? Wer kam dafür auf? Ist er rechtlich schon abgewickelt? All diese Fragen bleiben offen. Zu erneuern waren damals beispielsweise die Böden, Decken und Rigipswände. Der frühere Klinikgeschäftsführer Karl-Heinz Kaufmann schätzte die Sanierungskosten 2015 auf zwei bis zweieinhalb Millionen Euro. Er teilte seinerzeit mit, dass diese stolze Summe die Bauleistungsversicherung der Unfallklinik und die Haftpflichtversicherung der verantwortlichen Baufirma bezahlen müssten. Ob das noch aktuell ist, bleibt ebenfalls unklar.

Roland Lory

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