Im Frühjahr 2012 soll die Deponie-Erweiterung starten. Zur Vorbereitung wird bereits Kies abgebaut. Foto: Kolb

Erweiterung der Mülldeponie Schwaiganger: Das Misstrauen wächst

Schwaiganger - Auf dem Gelände der Deponie Schwaiganger haben erste Vorarbeiten für die Erweiterung begonnen. Die Anwohner im nahegelegenen Riegseer Ortsteil Hagen sind alarmiert.

Die „Wutbürger“ befürchten einen Mülltourismus, mehr Lärm und eine Gefahr für ihre Gesundheit. Die Riegseer Gemeinderätin Petra Rueß, die in Hagen lebt, spricht von einem wachsenden Misstrauen und Ängsten.

Dem Landratsamt, das für das voraussichtlich drei Millionen Euro teure Projekt verantwortlich ist, schenkt die Kommunalpolitikerin wenig Vertrauen. Die Kreisbehörde gebe ihrer Ansicht nach Auskünfte nur sehr dosiert heraus. „Das ist Salami-Taktik. Wir müssen immer nachhaken“, beschwert sich Rueß. Sie wünsche sich eine weitere Begehung vor Ort und klare Auskünfte von den Verantwortlichen.

Was Rueß nicht versteht: Die Ende 2010 bekannt gewordenen Deponie-Pläne seien damals mit dem steigenden Aufkommen von Schutt und Abfällen begründet worden, die im Zuge der großen Verkehrsprojekte im Landkreis entstehen sollten. Doch inzwischen habe sich die Situation geändert. Olympia 2018 sei nicht gekommen, und der Bau der Oberauer Umfahrung liege auf Eis. Wozu also die Erweiterung, fragt sich Rueß. Sie befürchtet, dass im großen Stil Müll aus dem Umland eingelagert werden soll und möglicherweise Giftstoffe in den Boden gelangen.

Zweifel hat auch Riegsees Bürgermeister Franz Höcker. „Die Frage ist: Ist die Deponie nur für den Landkreis gedacht oder wird eine neue Einnahmequelle erschlossen“, sagt er provokant. Die Informationspolitik des Landratsamtes sei „enttäuschend“. Er fordert mehr Transparenz und eine bessere Einbindung der Bürger. Nicht einverstanden ist der Rathaus-Chef mit dem Lärmschutz. Aufgrund der Abtragungen höre man die Autobahn stärker. Hier müsse dringend etwas unternommen werden.

Das Landratsamt kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Die betroffenen Kommunen und speziell die Anwohner von Hagen seien ausführlich informiert worden, sagt Pressesprecher Stephan Scharf. Von einem Mülltourismus könne nicht die Rede sein. „Auch wenn der Landkreis Garmisch-Partenkirchen rechtlich nicht dazu verpflichtet ist, wird er in der Regel nur Material aus dem Landkreis annehmen“, stellt er klar. Zugelassen seien zum Beispiel künstliche Mineralfasern, unbelastete Feuerraumasche aus größeren Hackschnitzelheizungen, kontaminierte Böden und Baustoffe, Bauschuttabfälle und asbesthaltige Abfälle. Laut Scharf waren die Olympischen Winterspiele und die Oberauer Umfahrung für die Planung „nicht maßgeblich“. Das Material soll vielmehr von Einzelbauvorhaben stammen, etwa an der Murnauer Unfallklinik, auf dem PX-Gelände oder am Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen.

Höckers geforderter Autobahn-Lärmschutz ist nach Ansicht des Landratsamts „weder rechtlich geboten noch sinnvoll“. Ein Gutachter habe festgestellt, erläutert Scharf, „dass durch die Baumaßnahmen auf der Deponie nicht mit einer Veränderung der Lärmsituation in Hagen zu rechnen ist“.

Wie bereits berichtet, sollte die Mülldeponie eigentlich renaturiert werden. Doch es kam zum Kurswechsel: Die Kreisbehörde will die Entsorgungseinrichtung im südlichen Bereich ausbauen. Ein Volumen von 130 000 Kubikmetern soll dort entstehen. Derzeit wird Kies abgetragen und die Ausschreibung vorbereitet. Baubeginn soll im Frühjahr 2012 sein. (as)

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