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Grünes Bildungszentrum: Bisher kann in der Grundschule Eschenlohe ein Raum für Unterricht genutzt werden.

Bildungszentrum als Strukturwandelbremse

Almakademie im Siemens-Kurheim?

Es war ein großer Erfolg, als im November 2014 die bayernweit vierte Almakademie in Eschenlohe eröffnet werden konnte. Die Einrichtung wird gut angenommen. Nun gibt es Überlegungen, das Angebot auszubauen. „Da wäre viel möglich“, sagt Kreis- und Bezirksbäuerin Christine Singer.

Eschenlohe – Die Almakademie hält unter dem Namen „Grünes Bildungszentrum Berge“ für die Landwirte im Werdenfelser Land standortnahe Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten parat – zugeschnitten auf die besonderen Bedürfnisse der hiesigen Bauern. In der Region gibt es vor allem Nebenerwerbslandwirte. Die ersten „Almakademiker“ starteten 2014 mit dem Bildungsprogramm Landwirt (BiLa), 30 junge Leute machten 2016 ihren Abschluss. Der zweite Durchgang begann im November 2016. Wie viele der 32 Teilnehmer an der Abschlussprüfung Landwirt im Sommer 2018 teilnehmen werden, steht noch nicht fest. Neben dem BiLa-Programm bot das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) im Februar/März 2015 in Eschenlohe zusätzlich noch das Bildungsprogramm Bergwald (BiWa) an. Mitgemacht haben 24 Personen.

Der Unterricht wird in einem Klassenzimmer in der Grundschule Eschenlohe abgehalten. Wenn Praxistage anstehen, steuert man Höfe an. Politiker und Verbandsvertreter haben sich nun zusammengeschlossen – und Ideen für einen möglichen Ausbau des Bildungszentrums ausgearbeitet. „Diese Vorschläge, die von der Errichtung einer Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft, mit Schulküche in Vollzeitform über eine Akademie für Diversifizierung bis hin zu einem weiteren Bildungsangebot in den Bereichen Almwirtschaft und Landschaftspflege reichen, wurden bei einem Vor-Ort-Termin Anfang Mai Vertretern unseres Hauses vorgestellt“, sagt Martin Hecht, Vize-Pressesprecher des bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Dabei waren unter anderem Landrat Anton Speer (Freie Wähler), Bürgermeister Anton Kölbl (CSU), AELF-Leiter Dr. Stefan Gabler, Bezirksbäuerin Christine Singer, Jakob Schönach (Bauernverband) und Lisa Loth (Zugspitz Region GmbH).

„Wir dürfen uns nicht selbst Konkurrenz machen“

„Um die Vorschläge bewerten zu können, sind belastbare Daten und Fakten sowie entsprechende Nachweise notwendig“, erklärt Hecht. Außerdem müssten bei den Überlegungen die Auswirkungen auf bestehende Einrichtungen in den Nachbar-Regionen berücksichtigt werden, damit auch deren Zukunft gesichert bleibe. „Wir dürfen uns nicht selbst Konkurrenz machen“, betonte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) bei einer CSU-Veranstaltung in Altenau. Die Almakademie helfe im Landkreis Strukturen zu erhalten, sagte Gabler. Er würde es „begrüßen, wenn wir mehr aus Eschenlohe machen könnten“. Mit einem Zimmer in einer Grundschule werde man dem Namen Bildungszentrum nicht gerecht. Ein Ausbau sei aber eine politische Entscheidung.

Nach Singers Angaben gibt es „von vielen Seiten einen guten Willen. Man kann das aber nicht mit Gewalt vorantreiben“. Der Hofheimerin mangelt es nicht an Ideen. Das Zauberwort heißt Diversifizierung. Darunter versteht man, dass Landwirte zusätzliches Einkommen generieren durch neue Tätigkeitsfelder, die nicht der klassischen Pflanzen- und Tierproduktion zuzuordnen sind. Singer denkt etwa an Fortbildungen zur Erlebnis- oder Gartenbäuerin. In dem Loisachort böte sich zudem das Thema Bergwaldbewirtschaftung an. „Man könnte auch für den Endverbraucher etwas anbieten.“ Aus Singers Sicht entwickelt sich das Grüne Bildungszentrum zur „Strukturwandelbremse“. Und weiter: „Es läuft echt gut.“

Landrat würde Ausbau des Angebots begrüßen

Als möglicher Standort ist offenbar das ehemalige Siemens-Kurheim im Gespräch. Es gehört der Gemeinde, in einem Teil befindet sich eine Senioren-Tagespflege. Rathauschef Kölbl sagt, er stehe den Überlegungen in Sachen Almakademie positiv gegenüber. Die Kommune bräuchte aber eine Aussage über die benötigten Räumlichkeiten. Es wären wohl erhebliche Umbauten nötig. „Man müsste auf jeden Fall was machen.“ Auch Landrat Speer würde es sehr begrüßen, wenn das Angebot ausgebaut würde. „Zusatzeinkommen sind wichtig für landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Existenz langfristig sichern möchten. Ob Direktvermarktung oder Ferienunterkünfte, haushaltsnahe Dienstleistungen oder Lernbauernhof: Viele landwirtschaftliche Unternehmen denken darüber nach, ihre klassischen Produktionszweige um zusätzliche Nebenbetriebe zu erweitern.“ Eine Akademie für Diversifizierung wäre aus Speers Sicht eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Angeboten. „Wichtig ist, dass die verschiedensten Bereiche mit der Landwirtschaft verzahnt werden und daraus innovative Ideen und Standbeine entstehen können.“

Roland Lory

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