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Hier ist Improvisation gefragt: einer der beiden maroden Eschenloher Tunnel.

Der nächste Schritt ist getan

Mega-Projekt Auerbergtunnel:Eschenlohes einmalige Chance

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Der nächste Schritt auf dem Weg zum Mega-Projekt Auerbergtunnel ist getan. Das Genehmigungsverfahren läuft wieder an – ergänzt um die Alternativroute, die eine Schließung der maroden Eschenloher Tunnel möglich macht.

Eschenlohe – Zweimal im Jahr steigt die Anspannung. Experten klopfen dann die über 80 Jahre alten Tunnel der Bundesstraße 2 bei Eschenlohe auf Schäden und Gefahren ab. Seit Jahren improvisieren sie, um die Röhren über die Zeit zu retten. Doch irgendwann werden sie am Ende der Fahnenstange angelangt sein. Dann ist Schicht im Schacht.

Eschenlohes Bürgermeister Anton Kölbl (CSU) hofft, dass zu diesem Zeitpunkt das Projekt realisiert sein wird, das er als „fast das wichtigste nach der Hochwasserverbauung“ für sein Dorf betrachtet: die neue Halbanschlussstelle an die A95 bei Weghaus, die beide Röhren verzichtbar macht. „Diese Chance hat Eschenlohe nur einmal, die kommt nie wieder“, betont Kölbl. Die Route verringert den überörtlichen Verkehr. Sollte Weghaus nicht fertig sein, wenn für die Tunnel aus Sicherheitsgründen das Aus kommt, würden sich alle Fahrzeuge, die nicht die A95 benutzen dürfen, durchs Dorf wälzen – ein Schreckensszenario. „Ich hoffe, das klappt“, sagt Kölbl mit Blick auf Weghaus.

Wie viel Zeit ins Land geht, lässt sich derzeit nicht einschätzen

Dieses Projekt ergänzt die alten Pläne zum Auerbergtunnel aus dem Jahr 2011. Eschenlohe hatte, als der Genehmigungsprozess bereits lief, die Halbanschlussstelle ins Spiel gebracht. Die Autobahndirektion Südbayern, die im Auftrag des Bundes als Bauherrin fungiert, hat der Regierung von Oberbayern, die Genehmigungsbehörde ist, mittlerweile die veränderten Tekturunterlagen vorgelegt. Den Eingang bestätigt der Pressesprecher der Regierung, Dr. Martin Nell. Sein Haus nimmt das Planfeststellungsverfahren vor und kann am Ende grünes Licht für das ganze Paket geben. Derzeit bereitet die Regierung die Anhörung vor. „Wir planen, die tektierten Planunterlagen nach dem Ende der Sommerferien in den Gemeinden Eschenlohe und Oberau sowie in der Verwaltungsgemeinschaft Ohlstadt auszulegen“, sagt Nell. Wie viel Zeit ins Land gehen wird bis zur möglichen Genehmigung, lässt sich ihm zufolge derzeit nicht genauer einschätzen. Die weitere Verfahrensdauer hänge „entscheidend davon ab, ob und welche Einwendungen im Anhörungsverfahren vorgebracht werden“. Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern rechnet auf Basis von Erfahrungswerten mit mindestens einem Jahr – und das nur, „wenn alles ganz glatt läuft“.

Als einigermaßen realistisch gilt für die Halbanschlussstelle Weghaus offenbar ein Baustart 2019. Diese soll angesichts des Tunnel-Zeitdrucks möglichst schnell in einem ersten Abschnitt gebaut werden, der Tunnel in einem zweiten folgen. Die Weghaus-Planung hatte es in sich. „Die Sache“, sagt Seebacher., „war so schwierig, weil es sich um einen ökologisch sehr sensiblen Standort handelt“ – direkt an geschützten FFH-Gebieten. „Man hat mit dem Umweltministerium um jeden Zentimeter gefeilscht und versucht, die Eingriffe so gering wie überhaupt nur möglich zu halten.“ Vorgesehen ist, dass Fahrzeuge von der Halbanschlussstelle lediglich in Richtung Süden auf die A95 gelangen; und nur, wer gen Norden unterwegs ist, kann die A95 in Weghaus verlassen. Für alle, die keine Autobahn benutzen dürfen, soll zwischen dem Ende der A95 parallel zu dieser eine Straße nach Norden bis zur Anschlussstelle Eschenlohe verlaufen.

Erst der Kramer- oder der Auerbergtunnel?

Die Kosten für Weghaus dürften ein Klacks sein im Vergleich zu den deutlich über 100 Millionen Euro, die für den Auerbergtunnel einmal fällig werden. Zwei 1,9 Kilometer lange Röhren sind Teil des geplanten vierspurigen Ausbaus der B2 zwischen dem Nadelöhr Autobahnende Eschenlohe und Oberau. Das Projekt findet sich aktuell nur im weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans wieder, besitzt also keine Priorität. Das muss aber kein Hinderungsgrund sein. Es gebe deutschlandweit kaum mehr Projekte mit Baurecht, sagt Seebacher, „aber es ist sehr viel Geld im System. Aktuell kommt für alles, wo Baurecht vorliegt, das Geld – eine völlig atypische Situation“.

Doch es gibt auch Stimmen aus der Region, die fordern, vor dem Auerberg- unbedingt den Kramertunnel fertigzustellen, weil sich sonst aller Stau nach Garmisch-Partenkirchen verlagern würde. Am Freitag hat die Regierung den Weiterbau genehmigt. Gegner haben bis 18. September Zeit, Klage einzureichen. Eine solche würde das Projekt blockieren.

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