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So soll die geplante Halbanschlussstelle (HAS) Weghaus aussehen: Der Verkehr kann die A 95 (obere, orange markierte Fahrbahn) über die HAS (grün umrandet) nur aus einer Richtung kommend auf die heutige B 2 (untere orange markierte Fahrbahn) verlassen und auch nur in eine Richtung auf die Autobahn gelangen.

Bund Naturschutz lehnt Projekt ab

Auerbergtunnel: Klage bei Ausbau zwischen Eschenlohe und Oberau nicht ausgeschlossen

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Die Naturschützer lehnen das 130-Millionen-Euro Projekt ab. Sie wollen den Auerbergtunnel nicht. Und auch nicht, was sonst noch zum Ausbau zwischen Eschenlohe und Oberau dazugehört. Vielleicht ziehen sie vor Gericht. 

Eschenlohe – Der Bund Naturschutz lässt die Frage offen, ob er gegen die Genehmigung des vierspurigen Ausbaus der B 2 zwischen Eschenlohe und Oberau samt Auerbergtunnel vor Gericht ziehen wird. Klar ist: Der Verband lehnt das rund 130 Millionen Euro teure Mega-Projekt in Bausch und Bogen ab. Zudem könnte die Finanzierung zu einem Stolperstein werden.

Vor rund zwei Wochen sickerte die Nachricht durch: Die Regierung von Oberbayern hat das nächste Verkehrsprojekt im Landkreis genehmigt: das Paket Auerbergtunnel, das neben dem vierspurigen Ausbau der B 2 zwischen Autobahnende Eschenlohe und Oberau-Nord die neue Halbanschlussstelle der A 95 bei Weghaus enthält. Wie bei vielen Straßenbau-Vorhaben bleibt Gegenwind nicht aus. Axel Doering hatte die Pläne bereits vor Jahren verrissen, weil dadurch eine neue Transitstrecke durch die Alpen entstehe, die weiteren Verkehr anziehe und das Tal überlaste.

Bund Naturschutz erneuert Kritik: „Der Auerbergtunnel ist so grundfalsch“

Jetzt, nachdem das Vorhaben frisch genehmigt ist, erneuert der Vorsitzende der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen im Bund Naturschutz (BN) seine Kritik: „Der Auerbergtunnel ist so grundfalsch. Wir sind vom Grundsatz her dagegen.“ Solange man nicht alle Probleme im Tal gelöst habe, dürfe man dieses „nicht fluten“, untermauert Doering, der auch Präsident der Alpenschutzkommission CIPRA Deutschland ist. Logischer nächster Schritt wäre, der BN würde gegen die Genehmigung, die die Autobahndirektion Südbayern beantragt hat, vor Gericht ziehen. Der juristische Weg koste „unglaublich viel Kraft, Geld und Manpower“, stellt Doering klar. Er lässt sich nicht in die Karten schauen. „Diese Frage werden wir grundsätzlich erst beantworten mit dem letzten Tag der Klagefrist.“ Diese beträgt einen Monat nach Bekanntgabe der Genehmigung. Da „die Zustellung des Planfeststellungsbeschlusses an die Betroffenen individuell erfolgte“, variiere dieser Zeitpunkt, erklärt Verena Gros, Sprecherin der Regierung von Oberbayern.

Mit dem vierstreifigen Neubau soll am staugeplagten Ende der A 95 in Richtung Süden eine leistungsfähige Straßenverbindung geschaffen werden. Die Strecke verläuft zunächst parallel zur bestehenden B 2 und mündet dann nach Westen in den Auerberg. Geplant ist ein rund 1,9 Kilometer langer, zweiröhriger Tunnel, der nördlich von Oberau wieder an die Oberfläche kommt und an die dortige Umfahrung anschließt.

Projekt Auerbergtunnel: Verlegung der B 2 bei Eschenlohe vom Tisch 

Ergänzt wurde das ursprüngliche Vorhaben aus dem Jahr 2011 um die Halbanschlussstelle bei Gut Weghaus. Diese ersetzt die einst geplante Verlegung der B 2 bei Eschenlohe. Die Gemeinde hatte sich dafür stark gemacht. Autofahrer können an dieser nur aus einer Richtung die A 95 verlassen und gelangen auch nur in eine Richtung auf die A 95. Verkehr auf der B2 aus Murnau lässt sich künftig direkt auf die A 95 ableiten, ohne dass dieser Eschenlohe passieren muss. Das Dorf sehnt die Umsetzung herbei. Die Halbanschlussstelle macht die beiden maroden B 2-Tunnel überflüssig, denen aus Sicherheitsgründen die Schließung droht.

Eschenlohes Bürgermeister Anton Kölbl (CSU) hat bei der groben Durchsicht der knapp 400 Seiten starken Genehmigung noch keine unüberwindbaren Hürden entdeckt. Er kommt zu dem Schluss: „Für Eschenlohe ist diese Planung die bestmögliche Variante.“ Diese beschert dem Dorf eine Umfahrung, die Gemeinde kommt nicht mehr mit überörtlichem Verkehr in Kontakt. „Das ist ein Quantensprung im Vergleich zu dem, was einmal vorgesehen war“, sagt Kölbl unter anderem mit Blick auf ein „Riesen-Bauwerk direkt am Ort“, das gedroht hatte.

Halbanschlussstelle bei Gut Weghaus: Möglichst wenig Eingriffe in die Natur

Die Halbanschlussstelle Weghaus soll vor dem Auerbergtunnel in einem ersten Bauabschnitt mit möglichst wenigen Eingriffen in die sensible Natur realisiert werden. Die Kosten schätzt Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, auf etwa zwei Millionen Euro. Für die nötigen Begleitstraßen werden nach dem Stand der Dinge knapp sechs Millionen Euro fällig. Dazu zählt der Bypass, der von der Anschlussstelle Eschenlohe östlich der A 95 bis zum Autobahnende auf die heutige B 2 führen wird und für den Verkehr gedacht ist, der etwa die A 95 nicht benutzen darf.

Die Kosten für den Auerbergtunnel erreichen ganz andere Dimensionen. Diese dürften, so Seebacher, nach einer aktuellen Schätzung bei 130 Millionen Euro liegen. Er macht keinen Hehl aus der Tatsache, dass ganz aktuell „die finanzielle Lage schwieriger geworden“ sei. „Wir machen gerade Kassensturz und überlegen, was wir uns 2020 noch leisten können.“ Über Jahre habe „vieles gebaut werden können“ – bis vor Kurzem. Signale aus Ministerien, die nun eintreffen, deutet Seebacher dahingehend, dass „wir nur sehr schwer neue Projekte werden beginnen können“. In seinem Haus vermutet man, dass dies vom verstärkt auf Klima- und Umweltschutz ausgerichteten politischen Fokus herrührt.

2020 will die Autobahndirektion starten

Dennoch: Mit Weghaus will die Autobahndirektion 2020 starten, auch mit Blick auf den prekären Zustand der Eschenloher Straßenröhren. „Mal schauen, wie wir das finanziell stemmen“, sagt Seebacher. Für den Auerbergtunnel selbst soll dann das Staatliche Bauamt Weilheim zuständig sein. Wann dieser gebaut wird, bleibt völlig offen. Seebacher verweist auf Stimmen aus der Region, die ein abgestimmtes Konzept fordern: Erst sollen die Tunnel von Garmisch-Partenkirchen (zumindest weitgehend) fertiggestellt werden, bevor man weiter im Norden den Stau-Pfropfen löst. 

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