Spuren erster Vorarbeiten: An der B2 zwischen Oberau und Eschenlohe sind Rodungsarbeiten für den Auerbergtunnel angelaufen.
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Spuren erster Vorarbeiten: An der B2 zwischen Oberau und Eschenlohe sind Rodungsarbeiten für den Auerbergtunnel angelaufen.

Verkehrsprojekt soll Nadelöhr am Autobahnende beseitigen

Eschenloher Auerbergtunnel deutlich teurer: Kosten steigen auf knapp 170 Millionen Euro

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Das Mega-Verkehrsprojekt Auerbergtunnel wird deutlich teurer als einst angenommen. Vorbereitungen für den vierspurigen Ausbau der B2 zwischen Eschenlohe und Oberau Nord sind bereits angelaufen. Wann der Tunnel selbst entsteht, ist offen.

  • Vor elf Jahren sollte der Auerbergtunnel noch 102 Millionen Euro kosten - nun stieg die Investitionssumme auf knapp 170 Millionen Euro.
  • Der vierspurige Ausbau der B2 zwischen Eschenlohe und Oberau Nord soll das Nadelöhr am Autobahnende beseitigen und eine Verkehrsentlastung bringen.
  • Wann der Tunnelbau startet, ist im Moment noch nicht klar - aktuell laufen diverse Gespräche mit Behörden und Ministerien.

Eschenlohe – Schon 2010 hatten die Kostenkalkulationen für das Bauprojekt Auerbergtunnel schwindelerregende Höhen erreicht. Experten waren damals von Gesamtinvestitionen in Höhe von 102 Millionen Euro ausgegangen. Heute kämen die Planer damit nicht mehr weit. Im vergangenen Herbst sprach man längst von 140 Millionen – und war gerade dabei, die Kosten noch einmal zu aktualisieren. Neuester Stand: Für den Auerbergtunnel zwischen Eschenlohe und Oberau Nord werden knapp 170 Millionen Euro fällig. Diese Zahl nennt die Pressestelle der Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes.

Auerbergtunnel deutlich teurer - dafür gibt es vor allem zwei Gründe

Was ist passiert? Erst einmal nichts Außergewöhnliches. Zum einen liefen Baupreissteigerungen auf, zum anderen ist man heute schlauer als vor elf Jahren – es gibt Erfahrungen: Erkenntnisse, die sich beim Bau des Tunnels Oberau ergeben haben. Dort mussten erhebliche Mengen an natürlich belastetem Ausbruchmaterial teuer entsorgt werden. Das hochgiftige Thallium hatte für den Mehraufwand gesorgt (wir berichteten).

Eschenlohe: Wann der Tunnel selbst gebaut wird, steht noch nicht fest

Nun rückt das nächste Megaprojekt im Landkreis näher, das die dringend nötige Verkehrsentlastung bringen soll. Vorarbeiten laufen. Schon vor Wochen begannen Arbeiter, Teilflächen im Bereich des künftigen Nordportals zu roden. Dort sollen irgendwann „Vorschüttungen von Felsmaterial aus dem späteren Südportalbereich eingebaut werden“, erklärt Pressesprecher Josef Seebacher.

Der weitere Zeitplan bleibt im Ungewissen. Da derzeit diverse Gespräche mit Behörden und Ministerien im Gang seien, ließen sich „aktuell noch keine Aussagen zum Baubeginn und zum Ablauf des Tunnelbaus“ treffen, sagt Seebacher. Doch er stellt klar: „Die technischen und planerischen Vorbereitungen durch unsere Außenstelle München-Maisach laufen unabhängig von den Abstimmungen auf Hochtouren.“

Neuer Eschenloher Tunnel: 170-Millionen-Euro-Projekt soll Nadelöhr am Ende der A95 beseitigen

Der 3,8 Kilometer umfassende vierspurige Ausbau der B2 zwischen Eschenlohe und Oberau Nord soll das Nadelöhr am Autobahnende beseitigen, an dem sich regelmäßig der Verkehr staut. Das Paket enthält den 1,9 Kilometer langen Auerbergtunnel sowie als ersten von zwei Bauabschnitten eine Halbanschlussstelle der A95 bei Gut Weghaus – eine beidseitige, s-förmige Konstruktion, bei der man nur von einer Richtung kommend abfahren kann und auch nur in eine Richtung auf die Autobahn gelangt – samt Begleitstraßen. Dadurch wird die Schließung der maroden Eschenloher B2-Tunnel möglich. Für Eschenlohe bedeutet das eine Entlastung, da der von Murnau in Richtung Süden fließende Verkehr frühzeitig auf die A95 gelenkt wird. Als Ersatzverbindung für den Verkehr, der Fernstraßen nicht benutzen darf, sehen die Planer zwischen Eschenlohe und dem jetzigem Autobahnende eine Staatsstraße vor, die parallel zur A95 verlaufen wird.

A95: Halbanschluss bei Weghaus soll bis Ende des Jahres fertig sein

Der Halbanschluss Weghaus entsteht laut Seebacher als reines Autobahnprojekt – unabhängig vom Auerbergtunnel. Vorbereitungen waren im vergangenen Oktober angelaufen. „Wir werden Anfang Juni beginnen und die Arbeiten bis Ende des Jahres abschließen.“ Die Kosten betragen „einschließlich Grunderwerb und der naturschutzfachlichen Ausgleichsflächen rund zwei Millionen Euro“, sagt der Behördensprecher.

Marode Eschenloher B2-Tunnel müssen wohl bis Ende 2022 durchhalten

Auch für den künftigen Anschluss der neuen Staatsstraße gingen Rodungen über die Bühne – am Autobahnende. Weitere Fällarbeiten sind aktuell im Bereich des südlichen Tunnelportals vorgesehen. Zudem geht man die Spartenverlegung für die neue Staatsstraße entlang der Autobahn im Abschnitt Eschenlohe bis zum Autobahnende an. Das bedeutet, dass diverse Leitungen aus dem Baustellenbereich verlagert werden.

Ein wenig müssen die maroden Eschenloher Tunnel also noch durchhalten – auch wenn die Anschlussstelle Weghaus bis Ende 2021 fertig ist. Die geschichtsträchtigen Röhren können frühestens dicht gemacht werden, wenn der Verkehr auf der neuen Staatsstraße fließet. Bei der Autobahn GmbH geht man davon aus, dass dies „voraussichtlich Ende 2022“ der Fall sein dürfte.

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