1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Eschenlohe

Premiere im Landkreis: Eschenloher will in Wohnung Korallen züchten

Erstellt:

Von: Simon Nutzinger

Kommentare

Ihr großer Stolz: Michael Früchtl und seine Freundin Sarai Schirmann hegen und pflegen in ihrem Salzwasseraquarium derzeit über 300 verschiedene Korallenarten. In Zukunft wollen sie diese in die ganze Welt verkaufen.
Ihr großer Stolz: Michael Früchtl und seine Freundin Sarai Schirmann hegen und pflegen in ihrem Salzwasseraquarium derzeit über 300 verschiedene Korallenarten. In Zukunft wollen sie diese in die ganze Welt verkaufen. © Bartl

Die Idee ist ohne Frage ungewöhnlich: Michael Früchtl aus Eschenlohe will in seiner Wohnung Korallen züchten und diese in die ganze Welt verkaufen. Ein solches Gewerbe wäre eine Premiere im Landkreis. Ob der Bauantrag durchgeht, darüber entscheidet heute Abend der Gemeinderat.

Eschenlohe – Wenn Michael Früchtl, 43, abschalten will, nutzt er einen simplen Trick. Er setzt sich auf die Ledercouch in seiner Wohnung in Eschenlohe und blickt einfach geradeaus. Direkt hinein in eine Welt voller bunter Fische, Krabben, Algen und Korallen, die in sämtlichen Farben durch das Wasser wabern. Eine Explosion der Sinne. „Du kannst dich komplett darin verlieren“, sagt Früchtl über sein Salzwasseraquarium. „Es ist wie ein persönliches Fenster ins Meer.“

Seine Leidenschaft will der gelernte Modellbauer nun zum Beruf machen. Denn anstatt die Bewohner seiner Unterwasserwelt nur für sich selbst zu hegen und zu pflegen, möchte er das Ganze gewerblich betreiben. Sein Ziel: eine Korallenzuchtstation im eigenen Haus in Eschenlohe. Der entsprechende Bauantrag zur Nutzungsänderung steht heute Abend auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung (19.30 Uhr, Gasthof alter Wirt). „Wenn das Ganze hoffentlich durchgeht, dann könnte ich loslegen.“

Es steckt einiges an Arbeit drin

Etwas mehr als 300 verschiedene Korallenarten finden sich aktuell in Früchtls 600-Liter-Becken. Ihre Heimat haben sie zum Teil in Ägypten, Indonesien, Bali oder Australien. „Das ist doch mit das Schöne“, sagt der Eschenloher. „Du kannst Lebewesen zusammenbringen, die in der realen Welt nie aufeinandertreffen würden.“ Um all deren Bedürfnissen gerecht zu werden, bedarf es einiger Arbeit. Zum einen ist da die Wasserqualität. Regelmäßig schickt Früchtl Proben in ein Labor, um anhand der Ergebnisse gewisse Inhaltsstoffe wie Iod, Calcium oder Magnesium hinzuzugeben. In einem Schrank gefüllt mit Spurenelementen hat er alles stets parat. „Nur wenn es den Korallen gut geht, wachsen sie und öffnen ihre Polypen“, betont er. Zudem hat er eine Eiweißpumpe sowie verschiedene UV-Lichter installiert. Früchtl muss lachen, als er sagt: „Als Korallenzüchter bist du im Grunde Techniker, Biologe und Chemiker in einem.“

Explosion der Sinne: In Früchtls Aquarium tummeln sich Geschöpfe verschiedenster Formen und Farben.
Explosion der Sinne: In Früchtls Aquarium tummeln sich Geschöpfe verschiedenster Formen und Farben. © Bartl

Sein Konzept sieht vor, die Korallen zunächst großzuziehen, ihnen dann ein Stück abzuschneiden und aus diesem Ableger eine neue Koralle zu züchten. Sorgen müsse sich dabei niemand um die Tiere. „Sie haben keine Nervenzellen und spüren davon nichts“, beteuert Früchtl. Auf kleinen Plastiksteckern, die der Eschenloher eigenhändig mit einem 3D-Drucker herstellt, klebt er die abgeschnittenen Teile auf und lässt sie in einem speziellen Zucht-Becken wachsen. Sind sie groß genug, setzt Früchtl sie wieder zurück in das große Aquarium. So kann er letztlich seinen bestehenden Stamm nahezu unendlich erweitern und die Korallen gewinnbringend verkaufen.

Gewisses Risiko ist dabei

Damit das alles in einem gewissen Umfang funktioniert, möchte der 43-Jährige ein mehr als dreimal so großes Aquarium als sein bisheriges in seinem geplanten Geschäftsraum aufbauen. Kosten für alles, was dabei dazugehört: rund 30 000 Euro. „Da ist schon Risiko dabei“, räumt er ein. Doch glaubt Früchtl an seine Vision – und an einen großen Markt. „Hochwertige Korallen sind auf der ganzen Welt gefragt“, betont er. Für manche Ableger würden bis zu 2000 Euro gezahlt. Zudem möchte er ein Netzwerk im Oberland aufbauen, eine Anlaufstelle für Aquariumsbesitzer sein. „In der Region fehlt so etwas“, sagt er. Das soll sich ändern. Damit womöglich schon bald noch mehr Leute ihr persönliches Fenster ins Meer besitzen.

Auch interessant: Streit um Kirchenglocken eskaliert

Auch interessant

Kommentare