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Fährt zwei Mal die Woche nach Italien: Peter Buchwieser von der Spedition Wittwer.
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Fährt zwei Mal die Woche nach Italien: Peter Buchwieser von der Spedition Wittwer.

Spedition transportiert Nudeln, Oliven und Tomatenkonserven

Corona macht es möglich: Neue Wertschätzung für Lkw-Fahrer

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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In Corona-Zeiten genießen Lkw-Fahrer neue Wertschätzung. Diese Erfahrung machen Angestellte der Eschenloher Spedition Wittwer.

Eschenlohe – Auf der Autobahn zwischen Mailand und Verona ist im Normalfall gut was los. Sie ist üblicherweise „bumsvoll“, wie es Lkw-Fahrer Peter Buchwieser ausdrückt. Doch an dem Nachmittag, an dem das Tagblatt mit ihm telefoniert, ist so gut wie kein Verkehr auf der Strecke. „Das ist das einzig Schöne“, sagt der 56-Jährige, der für die Eschenloher Spedition Wittwer zwei Mal in der Woche nach Italien fährt.

Fahrer müssen sich umstellen

Ansonsten ist alles anders und schwieriger als sonst. „Es ist ungewohnt, man muss sich viel mehr konzentrieren.“ Und umstellen. Wenn er an einer Raststätte eine Toilette aufsuchen will, muss er beim Reingehen eine Schutzmaske und Handschuhe anziehen. „Man fühlt sich sicherer, aber ob es sicherer ist, kann einem keiner sagen.“ In seinem Lkw hat er einen Wasserkanister. Wenn er draußen war, wäscht er sich anschließend die Hände und desinfiziert sie. Essen nimmt er sich von zuhause mit, macht sich zum Beispiel eine Dose warm. In Italien im Lokal etwas essen zu gehen, das ist momentan nicht möglich. Einen Capuccino trinken? „Das ist vorbei“, bedauert der Garmisch-Partenkirchner.

Ansehen gestiegen

Das Ansehen von Lastwagenfahrern ist oft nicht das beste, sie sind oft die Prügelknaben. Doch in Corona-Zeiten ändert sich das. „Jetzt weiß die Bevölkerung, was sie an uns hat“, sagt Buchwieser in einem Fernsehinterview. Die Menschen seien einfach freundlicher. „Es ist ein Umdenken da.“ Das stellt auch sein Kollege Stefan Sprenger (54), den alle „Bifi“ nennen, fest. „Jetzt hupt uns keiner mehr an, schimpft keiner mehr, zeigt uns keiner mehr den Mittelfinger.“ Ob die erhöhte Wertschätzung nach der Krise auch noch vorhanden ist? Buchwieser weiß es nicht, ist eher skeptisch.

In England kein Unterschied zu Italien

Seine Familie ist angesichts seiner Italien-Touren nicht begeistert. „Aber anstecken kann man sich in Deutschland auch. Du musst halt aufpassen.“ Kollege „Bifi“ transportiert oft Ware nach England. Da sei es inzwischen genauso wie in Italien. „Es hat überhaupt gar nichts offen.“ Schutzvorkehrungen sind dem Mittenwalder zufolge absolute Pflicht. „Du kommst nirgends rein, wenn du keine Maske und Handschuhe anhast.“

Duschen auf der Fähre

Sprenger ist zwei Mal in der Woche auf der Fähre. Das hat den Vorteil, dass er dort duschen kann. Buchwieser hat in Italien zum Waschen zwei Zehn-Liter-Kanister dabei. Geduscht wird zurück in Deutschland.

Spedition kann voll durcharbeiten

Buchwieser, Sprenger und ihre rund 180 Kollegen sind gut eingespannt. „Wir haben riesiges Glück, dass wir voll durcharbeiten können“, betont Georg Wittwer, Inhaber und Geschäftsführer der Spedition. Die Auftragsbücher sind voll. Kurzarbeit ist kein Thema. „Im Gegenteil.“ Wittwer empfindet Demut, „dass es bei uns so gut läuft“. Denn viele Speditionen haben ihren Fuhrpark stillgelegt, stehen vor dem Aus. Wittwer fühlt mit ihnen. „Man kennt sich, trifft sich, hat jahrzehntelange Verbindungen.“

Keine Autoteile mehr

Wittwer hatte sich nach der Finanzkrise vor gut zehn Jahren breiter aufgestellt. Vorher hatte die Spedition Teile für die Produktion von neuen Autos transportiert. Das macht sie heute nicht mehr. Ebenfalls befördert das Unternehmen keine Waren mehr, die den Maschinenbau betreffen. „Das war eine ganz bewusste Entscheidung“, unterstreicht der Geschäftsführer. Heute haben die Sattelzüge zu 95 Prozent Nahrungsmittel geladen. Die werden immer gebraucht. Nach Italien bringen die Fahrer Kartoffeln, Getreide und Zeitungspapier. In die Gegenrichtung transportieren sie Nudeln, Oliven, Tomatenkonserven, Olivenöl oder auch Pizzakartons. In Verona hat Wittwer ein Lager. Wittwer fährt derzeit auch viel Ware von Griechenland beziehungsweise Italien nach England.

Lkw sind schneller unterwegs

Die Lenk- und Ruhezeiten für Lkw-Fahrer wurden gelockert. Die Spritpreise gingen runter. Bei Wittwer, der normalerweise 600 000 Euro Dieselkosten im Monat hat, bedeutete das im März eine Ersparnis von rund 40 000 Euro. Die Lkw kommen auch schneller voran, weil der Verkehr und Staus weniger wurden. Normalerweise sind die Sattelzüge mit 68/69 Stundenkilometern unterwegs. Nun sind es 74 km/h. Die besonderen Zeiten bringen es zudem mit sich, dass Wittwer momentan viele Bewerbungen von Lkw-Fahrern aus ganz Deutschland erhält.

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