Weilheimer Hütte oder Krottenkopfhütte
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Beliebtes Ausflugsziel: die Krottenkopfhütte auf 1955 Metern Höhe. 

Die Nummer eins von Eschenlohe

Häuser mit Geschichte: die Weilheimer Hütte am Krottenkopf

Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel: Die Weilheimer Hütte liegt am Fuße des Krottenkopfs. Ihre Geschichte kennen selbst viele alteingesessene Einheimische nicht.

Eschenlohe – Bergsteigern bietet die Krottenkopfhütte – auch bekannt als Weilheimer Hütte – einen urigen Rastplatz mit einem großartigen Ausblick auf Gipfel und Seen. Das Schutzhaus ist idyllisch gelegen am Fuße des Krottenkopfs, der mit seinen 2086 Metern zu den höchsten Bergen der bayerischen Voralpen zählt.

Welche besondere Bewandtnis es jedoch mit dem Gebäude auf sich hat, ist selbst vielen alteingesessenen Einheimischen nicht bewusst: Das Schutzhaus der Sektion Weilheim des Deutschen Alpenvereins ist offiziell als Hausnummer eins der Loisachgemeinde Eschenlohe eingetragen. Dies geschah anlässlich einer Neufestsetzung von Straßennamen inklusive Um- und Neunummerierung der Anwesen im Juli 1963. So kam es, dass die bis dahin als Hausnummer 65 bekannte Krottenkopfhütte zur Nummer eins wurde. Dies hat Brigitte Mangold-Rößler, Zweite Vorsitzende des Vereins zur Erforschung und Erhaltung der Eschenloher Heimatgeschichte, recherchiert. „Diese Geschichte ist so kurios, daher wollte ich sie der Bevölkerung unbedingt näher bringen“, erklärt sie ihre Motivation. Daher veröffentlichte Mangold-Rößler in der 2010 erschienenen Ausgabe des vereinseigenen Jahresheftes einen Artikel zu dem Thema.

An Weihnachten: Weilheimer Hütte wird von Schneemengen zerstört

Die Historie der Unterkunft lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zurückführen: „Am 3. September des Jahres 1882 erwarb die Sektion Weilheim des Deutschen Alpenvereins für 20 Mark vom Bauern Höck aus Schwaigen eine Alphütte auf dem Krottenkopf. Der genaue Standort (…) ist heute ebenso wenig bekannt wie die Tatsache, ob sie beim Bau der ersten Sektionshütte Verwendung fand“, heißt es in einem Textauszug. Parallel dazu wurde der Weg von Eschenlohe über die Pustertalalm und das Gatterl zum Krottenkopfsattel gebaut.

Hat die Historie der Weilheimer Hütte recherchiert: Brigitte Mangold Rößler.

Am 8. Juli 1883 machte man eine neu geschaffene Hütte unterhalb des Sattels zwischen Krottenkopf und Rißkopf für Besucher zugänglich. Auf einer Grundfläche von 32 Quadratmetern bot die einfache Behausung mit Koch- und Wohnraum samt Schlaflager bis zu acht Personen Unterkunft. Weitere neun Gäste konnten auf Seegras-Notlagern am Dachboden Platz finden. „Die Baukosten betrugen damals 1200 Mark und wurden mit 500 Mark durch den Hauptverein bezuschusst“, heißt es in Mangold-Rößlers Ausführungen. Doch die Freude über das Schutzhaus währte nicht lange: An Weihnachten desselben Jahres wurde es durch die Last der Schneemengen völlig zerstört.

Weilheimer Hütte: Eine Übernachtung kostete eine Mark

Die Sektion ließ sich durch diesen Rückschlag nicht entmutigen und nahm den Bau einer neuen Hütte auf, die bereits 1884 fertiggestellt war. Diesmal wählte man den Standort nicht unterhalb des Sattels, sondern direkt auf ihm. Das einstöckige Gebäude bestand komplett aus Holz und verfügte über einen Vorraum mit Kachelofen, Damen- und Herrenschlafraum sowie ein Seegraslager unter dem Dach. Damals hielt der Partenkirchner Hirte Michael Lindebner die Unterkunft instand. Die Tagesgebühr betrug 50 Pfennig – eine Übernachtung kostete eine Mark. In den folgenden Jahren wurde die Hütte mehrmals umgebaut und erweitert. Während des Zweiten Weltkrieges nutzten ein NS-Parteistab sowie SS-Angehörige die Behausung, die nach Kriegsende schwer mitgenommen war. 1953 wurde auf dem Weg zum Krottenkopfgipfel eine Gedenktafel für die Gefallenen beider Weltkriege angebracht. Vier Jahre später herrschte große Unruhe in der Bevölkerung, da die Bundeswehr das Krottenkopfgebiet für Touristen sperren wollte, um das Areal als Truppenübungsplatz zu nutzen. Doch Alpenverein und Fremdenverkehrsverbände setzten sich erfolgreich dagegen ein und konnten das Vorhaben 1965 abwenden.

In den nächsten Jahrzehnten folgten umfangreiche Renovierungsarbeiten. Sanitäranlagen samt biologischer Kläranlage wurden installiert und Solarzellen sowie eine Windkraftanlage für die Stromversorgung eingebaut. Man schuf einen separaten Wohnraum für den Wirt und errichtete eine Materialseilbahn zur Versorgung der Hütte. 2008 konnte man an dem geschichtsträchtigen Schutzhaus das 125-jährige Bestehen feiern.

Constanze Wilz

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